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letzter Beitrag von nobi am

Obligat phytoparasitische Kleinpilze an Sternmiere

  • Hallo ihr Lieben,


    im moment sieht man ja überall in den Städten und auf Feldern die Vogelmiere, weswegn ich das zum Anlass nehme, die obligat phytoparasitischen Kleinpilze auf der Gattung Sternmiere (Stellaria) vorzustellen. Zu Anfang kurz verschiedene Arten der Gattung Stellaria, auch Arten die erst später blühen.


    Die Vogelmiere (Stellaria media) ist wohl die häufigste. Im Grunde das ganze Jahr anzutreffen und sehr anspruchslos was den Standort angeht.


    Wenn man genau hinschaut kann man vor allem in Städten (gerne um Bäume herum, wenn es dort etwas offener ist) die sehr ähnliche Bleiche Sternmiere (Stellaria pallida) finden. Sie hat so gut wie keine Kronblätter 8verkümmert) und ist, weil man nur die Blütenhülle sieht, grünlich von der Blütenfarbe.


    Mit der Vogelmiere kann die Vernachlässigte Sternmiere (Stellaria negelecta) verwechselt werden. Sie ist in allen Teilen meist kräftiger ausgebildet und kriecht auch meist nicht am Boden. Die Krone ist länger als der Kelch und die Staubblätter meist rot. Bevorzugt steht sie an Wegrändern in Wäldern.


    Wer sichs leicht machen will kann die obigen 3 Arten zusammen im Stellaria media-Aggregat (Stellaria media agg.) zusammenfassen und muss sich dann nicht um die Trennung der Arten bemühen.


    Dann gibt es wieder Sternmieren, die recht ähnlich sind, aber größer und kahl sind. Die wohl fast allen bekannten Große Sternmiere (Stellaria hololstea) ist meiner Meinung nach unverwechselbar.


    Es gibt nun noch eine filigranere Art, die typischerweise bis zum Grund eingeschnittene Kronblätter hat. Das ist die Gras-Sternmiere (Stellaria graminea).


    Viel seltener ist die Sumpf-Sternmiere (Stellaria palustris) die der vorherigen Art sehr ähnlich sieht. Sicherstes Trennungsmerkmal ist die blaugrüne Färbung so wie die Bewimperung an den Blättern.


    Und dann gibt es noch behaarte Sternmieren, die meist recht breite Blätter haben. Wenn wir 3-4 Griffel in der Blüte vorliegen haben und die Pflanze nicht drüsig behaart ist, dann ist es die Hain-Sternmiere (Stellaria nemoreum agg.).



    Bei 5 Griffeln und einem drüsigen Stiel (anfassen, es klebt!) ist es der Wasserdarm (Stellaria aquatica).


    Aus diesem ganzen Krams fällt die Bach-Sternmiere (Stellaria alsine) mit ihren Merkmalen ganz raus und sie ist sehr leicht kenntlich. Ihre Kronblätter sind sehr schmal, kürzer als der Kelch, die Pflanze hat einen kantigen Stiel und ist blaugrün gefärbt.


    Nun haben wir die Wirtspflanzen geklärt, möchte ich jetzt auf ein paar obilgat phytoparasitischen Pilze zu sprechen kommen, da darauf gefunden werden können:


    Fangen wir mit den niedersten an, den Falschen Mehltauen (die ja zu den Algen gehören). Hier gibt es zwei verschiedene, die sich über das Wirtsspektrum schon gut trennen lassen.


    Peronospora alsinearum Casp. ist der häufigste und kann auch jetzt schon gefunden werden. Er befällt vor allem die Sternmiere aus dem S. media Aggregat. Die befallenen Pflanzen sind vergeilt, hellgrün verfärbt, und die Blätter meist etwas randlich umgegbogen. Unterseits ist dann ein grauer verzweigter Rasen aus Konidienträgern ausgebildet.



    Eine viel seltenere Art auf den anderen Arten der Gattung, primär S. graminea, S. holotea, ist Peronospora parva Gäum.. Der Befall ist recht unauffällig, meist sind nur wenige Blätter etwas hellgrün gefärbt und unterseits dann ein verstreuter lockerer Rasen aus Konidienträgern.




    Aus der Gruppe der Imperfekten Pilze gibt es ebenfalls Vertreter.


    Wichtig ist hier aus den Coelomyceten die Septoria stellariae Westend. zu nennen. Sie bildet auf diversen Arten der Gattung an den Blättern (vor allem die untersten, die am absterben sind) kleine runde schwarze Fruchtkörper aus. Es muss aber immer mikroskopiert werden, da Coelomyceten makroskopisch so gut wie nie sicher anzusprechen sind.


    Es gibt auch einen häufigen hellen Hyphomyceten, welcher einen dichten weißen Rasen aus Konidienträgern auf der Unterseite von verfärbten Blattstellen bildet. Auch er ist gerne an den untersten Blättern, deswegen sieht man auf diesem Befallsbild auch eine Doppelinfektion mit der vorhergegangen Septoria stellariae. Es ist Phacellium episphaerium (Desm.) U. Braun.


    Brandpilze im weiteren Sinne gibt es zum Beispiel einen recht häufigen blütenbewohnenden, der die Staubblätter befällt. Es ist Microbotryum stellariae (Sowerby) G. Deml & Oberw.
    Befallene Pflanzen haben violett gefärbte Staubgefäße, die gesamte Blüte wirkt schmutzig. Kann auf versch. Arten gefunden werden, gerne auf Großer, Gras-Sternmiere und Wasserdarm.



    Rostpilze gibt es zwei auf der Gattung Stellaria, die makroskopisch schon sehr gut zu unterscheiden sind.
    Puccinia arenariae (Schumach.) G. Winter bildet polsterförmige dunkelbraune Telien auf den Blättern oder Stängeln aus und kann auf jeder Art der Gattung Stellaria gefunden werden. Blattoberseits wird wie immer ein gelbe Blattverfärbung ausgebildet, das Lager ist dann meist unterseits.


    Melampsorella caryophyllacearum J. Schröt. bildet kleine pustelförmige orange Uredien aus. Meist wird der Pilz auf der Gras-Sternmiere gefunden. Im Frühling wechselt er auf Tanne um dort die Entwicklung wieder von neuem zu starten.



    Viel Spass beim Suchen!


    Liebe Grüße Jule

  • Oh, ist das spannend! :alright:


    Danke mal wieder für diesen Hingucker-Beitrag, Jule! :)


    Jetzt weiß ich endlich, wie die weißen Blümchen heißen, welche sich stets in der Nähe meines einzigen Dresdener Speisemorchel-Standorts befinden: Große Sternmiere. Eschen sind natürlich auch da.
    Da werde ich dieses Jahr also nicht nur nach Morcheln, sondern auch nach diversen Phytoparasiten suchen! :D


    Und so ganz nebenbei bildest Du uns ja zu Botanikern aus. Finde ich gut!


    Ich freue mich schon auf weitere Beiträge von Dir und hoffe, dass Du das übers Jahr durchhältst.
    Pflanzen gibt es schließlich genug. ;)


    Lieben Gruß vom Nobi

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