Agaricus sylvicola = Dünnfleischiger Anisegerling (incl. A. essettei)

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema, welches 6.278 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Trino.

    • Offizieller Beitrag

    Agaricus sylvicola (Vittad.) Peck
    Dünnfleischiger Anisegerling
    Synonyme:
    - Agaricus silvicola
    - Agaricus flavescens (Gillet) Sacc.
    - Agaricus campestris var. sylvicola Vittad.


    und: Agaricus essettei Bon = Schiefknolliger Anisegerling
    Synonyme:
    - Agaricus abruptibulbus sensu auct.


    Basidiomycota --> Agaricomycetes --> Agaricomycetidae --> Agaricales --> Agaricaceae --> Agaricus --> Agaricus sylvicola



    Hut: 5 bis 12 cm breit; anfangs halbkugelig; bald mehr und mehr ausgebreitet und mit stumpfem Buckel, zuletzt völlig verflachend und mit teils aufgebogenem Rand; weiß bis cremeweiß, fein faserig, bisweilen fein schuppig; auf Druck und im Alter bisweilen auch witterungsbedingt gilbend


    Stiel: bis 12cm lang; schlank oder kräftig, Basis schwach knollig (sylvicola) bis deutlich und abgesetzt verdickt und gekniet (essettei); weißlich; glatt bis schuppig –“ flockig; bei Verletzungen gilbend; Ring weit, häutig, hängend mit flockiger Unterseite, recht beständig


    Lamellen: jung blassrosa oder blassgrau, bald graurosa oder altrose, im Alter schwarzbraun; gedrängt; frei


    Fleisch: fest, im Stiel längsfaserig; im Alter von der Stielbasis her meist stark madig; weiß, an von Maden befallenen Stellen auch bräunlich; im Schnitt mehr oder weniger gilbend, vor allem im Bereich der Stielspitze und im Hut; Geruch angenehm nach Anis (sylvicola) oder nach Marzipan (essettei); Geschmack mild


    Speisewert: sehr lecker, auch roh essbar


    Sporenpulver: dunkelbraun


    Vorkommen: weit verbreitet und recht häufig, Frühsommer bis Herbst; Streuzersetzer in Laub –“ und Nadelstreu


    Verwechslungen: Es gibt noch etliche gilbende und nach Anis / Bittermandel riechende Arten, die im Aussehen recht ähnlich sind. Makroskopisch ist eine Unterscheidung oft schwierig. Generell ist A. sylvicola aber eher eine schmächtige und kleinere Art. Die anderen bilden unter normalen Bedingungen größere, fleischigere Basidiocarpien. Zudem wachsen A. osecanus und A arvensis bevorzugt eher auf Wiesen und Weiden, bestenfalls am Waldrand, während A. sylvicola mehr im Inneren der Wälder zu finden ist.
    Der Karbol –“ Egerling (A. xanthoderma) unterscheidet sich durch seinen unangenehmen, chemischen Geruch (Karbol, Desinfektionsmittel, Heftpflaster, Krankenhaus) und durch eine ausgeprägte Gilbung in der Stielbasis. Wobei hier in der Literatur oft etwas steht wie: –žStielbasis läuft im Schnitt sofort chromgelb an,–œ was nicht immer stimmen muss. Die Gilbung kann aus eigener Erfahrung gerade bei Kälte auch mal blasser und langsamer verlaufen, bei starkem Madenbefall der Knolle auch garnicht mehr wahrnehmbar sein.
    Für den unbedarften Sammler sind auch Verwechslungen mit teils extrem giftigen Wulstlingen (Knollenblätterpilzen) nicht auszuschließen.


    Wissenswertes: Irgendjemand hat sich mal ausgedacht, die beiden Arten Agaricus essettei (Scheifknolliger Anisegerling) und Agaricus sylvicola (Dünnfleischiger Anisegerling) zusammenzulegen. So auch der Stand der Datenbanken (Mycobank, Speciesfungorum) bei Erstellung des Portraits. Normalerweise sind die allerdings schon ganz gut zu trennen.
    A. sylvicola:
    - eher gesellig in Ringen oder Gruppen
    - dünnfleischig, mit schlanken Stielen, Stielbasis schwach knollig und kaum abgesetzt, vor allem nicht abgebogen
    - Lamellen jung weißlich grau, dann schmutziggrau mit wenigen Rosatönen, im Alter schwarzbraun
    - Geruch meist schwach, entwickelt sich erst nach längerem Liegen in geschlossenem Gefäß, nach Anis oder Fenchel
    - Verfärbung bei Verletzung anfangs garnicht bis schwach, erst allmählich intensivierend (Verfärbter Hut auf Bildern unten nach über drei Stunden!)
    A. essettei:
    - eher einzeln oder in kleinen, lockeren Gruppen zusammenstehend
    - kräftiger im Wuchs, vor allem mit etwas dickeren Stielen; Stielbasis deutlich knollig, meist sogar abgesetzt und häufig deutlich gekniet
    - Lamellen jung lebhafter rosa gefärbt, wenn auch nicht so intensiv wie bei A. campestris oder A. xanthoderma
    - Geruch deutlich und intensiv, meist von Anfang an; süßlicher als A. sylvicola und nach Bittermandel / Marzipan
    - Verfärbung bei Verletzung zügig und deutlich, insbesondere beim Kratzen der Hutoberfläche
    Sollte sich da der Tenor wieder dahingehend verstärken, die beiden Arten zu trennen, werden auch die Portraits getrennt. Momentan folge ich aber einfach mal dem Stand von SpeciesFungorum.



    Bilder:
    Agaricus sylvicola = Dünnfleischiger Anisegerling:




    Agaricus essettei = Schiefknolliger Anisegerling:





    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Agaricus arvensis = Schafchampignon<
    >Agaricus osecanus = Rundsporiger Champignon<
    >Agaricus macrosporus / urinascens = Großsporiger Anischampignon<
    >Agaricus excellens = Schneeweißer Champignon<
    >Agaricus xanthoderma = Karbolchampignon<
    >Amanita citrina = Gelber Knollenblätterpilz<
    >Amanita virosa = Kegelhütiger Knollenblätterpilz<
    >Amanita phalloides = Grüner Knollenblätterpilz<

    • Offizieller Beitrag

    Hallo!


    @ Mario: Ich habe das oben mal etwas deutlicher gemacht, Welche Bidler zu welcher Art gehören. Müsste man hier immer so machen, jedenfalls dazuschreiben, als welche Art man die letztlich bestimmt hat.
    Also schieß mal los mit deinen Bildern.
    Oder sollen wir das Portrait splitten und zwei Arten draus machen?


    Agaricus essettei = Schiefknolliger:

    Merke: Niemals weißhütige Pilze im Sonnenlicht knipsen. Das tut nicht gut.
    Irgendiwe hatte ich die in diesem Jahr aber meist einfach gesammelt und gegessen statt Bilder zu machen. :(
    Fund im Laubwald auf saurem Buntsandsteinboden, bedrängt durch eine Hundertschaft gewaltiger Parasole.



    LG, Pablo.

  • So dann schisse ich los:








    Oder sollen wir das Portrait splitten und zwei Arten draus machen?


    Na, ist denke ich nicht nötig wer der reine Kulinarische interesse an den Pilze hat wird mit den Portrait so schon zu Frieden sein, und wer es genauer wissen will werden die 2 Arten denke ich gut auseinander zu halten sein durch deine gute Beschreibung.


    Merke: Niemals weißhütige Pilze im Sonnenlicht knipsen. Das tut nicht gut.



    Gemerkt.