Hallo, Jürgen!
Das sind interessante Gedanken.
Eben weil es darum geht, was eigentlich geschützt werden soll. In Europa hat der Mensch die Natur über die Jahrtausende stark geprägt und verändert. Es gibt hier kaum "unberührte", also nicht menschlich beeinflusste Natur. Aber auch das, was sich aus den Eingriffen entwickelt hat, sind Lebensräume.
Auch Vögel können spanend sein, sind aber - und das ist auch meine Ansicht - nicht die besten Indikatoren. Aber eben ein Teil der Artenvielfalt.
Der Lebensraum "Heidelandschaft" ist eben ein anderer als der Lebensraum "Binnendüne" als der Lebensraum "montaner Tannenwald" als der Lebensraum "Kalkbuchenwald mit umgestürzten Baumriesen" als der Lebensraum "Torfmoor".
Das Schöne ist ja, daß es alle diese (und noch viel mehr) unterschiedliche Biotope gibt. Und daß letztlich auch anthropogen beeinflusste Landschaften eine große Fülle an Arten beherbergen können. Und damit meine ich natürlich auch Käferchen, Gräser, Moose und Pilze.
Aber wenn ich deinen Gedankengang mal weiterspinne, dann stellt sich mir die Frage:
Wie können wir als Menschen mit unserem stark begrenzten Verständnis von Ökologie überhaupt entscheiden, was schützenswert ist und was nicht?
Warum ist eine Fichtenmonokultur, ein Fichtenhochwald weniger wertvoll als ein alter Buchenbestand? Warum ist ein wechelnd genutzter Agrarraum weniger attraktiv als ein Hochmoor? Warum ein Weinberg weniger vo Bedeutung für die Biodiversität als eine Dünenlandschaft?
Das sind im grunde ja ganz individuelle und vielleicht auch willkürliche Kriterien.
Hat Arrhenia chlorocyanea für die Natur eine größere Bedeutung als Boletus badius, blos weil er seltener ist?
Bevor ich mich jetzt an einer Antwort versuche, lasse ich die Fragen erstmal so stehen.
LG, pablo.