Ahoi!
Nach einiger (teils noch unvollständiger) Bestimme- und Recherchearbeit male ich hier dennoch mal einige Bilder rein. Die Qualität lässt teils zu wünschen übrig, aber es waren eben auch erschwerte Bedingungen. Genau, und außerdem macht es einfach Spaß, so in der Vielfalt zu stehen, sich Sachen gemeinsam anzuschauen, zu fühlen, zu riechen... Das alles lässt sich ja auf Bildern gar nicht wieder geben.
Ich steige mal chronologisch ungeordnet bei dem von Markus gezeigten Champignon (M4) ein. Deine Bestimmung geht da völlig in Ordnung, Bei der Kollektion würde ich auch wieder mal behaupten, daß es Sinn machen würde, den von A. sylvicola (Dünnfleischiger Anischampi) zu trennen. Die Knollenform zB ist so ausgeprägt...
Jedenfalls hoffe ich dabei mal, daß das auch die Exemplare aus dem Fichtenwald in der zweiten Runde (am nachmittag, ohne Peter) gewesen sind. Denn am vormittag hatten wir im im Mischwald ja auch noch die kleineren:

Mit rundlichen bis zylindrischen Stielbasen und undeutlicherer Gilbung sowie Geruch. Da habe ich mich mal für Agaricus niveolutescens (Weißgelblicher Zwergegerling) entschieden. Blöd nur: Die Art gibt es nicht mehr. Die wird jetzt zu Agaricus comtulus (Triften - Zwergegerling) gestellt. Ergo: Triften Zwergegerling wächst nun auch im Wald und kann überall gilben. Jupdedi.
Da passt es ja ganz gut, daß wir auch diesem recht großen Dings hier noch begegneten:

Der ist für Agaricus essettei (Schiefknolliger ~) zu groß. Meine Diagnose wäre da Agaricus leucotrichus (Weißhaariger Anisegerling). Blöd nur: Die Art gibt es nicht mehr. Die wird jetzt zu Agaricus arvensis (Schafchampignon) gestellt. Ergo: Schafchampignon wächst jetzt auch im Wald und hat eine feinhaarige / faserfilzige Hutoberfläche. Jupdedi.
Auch andere Champis wehren sich heftig gegen jede zweifelsfreie Einordnung. So wie diese rötenden (!), stark nach MArzipan riechenden Riesenegerlinge (Agaricus augustus):

Oder diese winzigen, grob geschuppten Waldchampis (Agaricus sylvaticus):

Weil's mit den champis so schön ist, bleibe ich mal bei den Dunkelsporern. Dazu gehören bekanntlich Risspilze, so wie dieses Exemplar:

Das Bild stammt von heute vormittag, gestern im Wald war der noch etwas heller. Das Ding mit dem unmöglichen, schwer zu definierenden Geruch (mit spermatischer Komponente) gehört wohl zu den Rötern auf Kalk, so in die Ecke erubescens oder godeyi. Nichts Genaues weiß ich nicht. Stört mich bei der Gattung aber auch nicht, Risspilz eben.
Näher angeschaut haben wir uns noch den hier:

Arbeitstitel: Geselliger Schwefelkopf (Hypholoma marginatum). Leider gar nicht gesellig, sondern ein Einzelgänger.
Nicht weniger Ärger machen aber auch manche Hellsporer. Man ahnt was kommt: Amanita, Sektion Vaginatae. Dieses Ding hier:


Zeigt Merkmale vom Zweifarbigen (A. battarrae), vom Grauhäutigen (A. submembranacea) und vielleicht sogar vom Dickscheidigen (A. pachyvolvata). Für letzteren passt am Wenigsten, bei den beiden anderen passt jeweils mindestens ein Detail hervorragend und mindestens ein anderes ist eigentlich ein KO - Kriterium.
Nicht nur bei dem Pilz hatten wir uns Gerd herbeigewünscht. 
Etwas einfacher offenbarte sich der Graue Scheidenstreifling (Amanita vaginata):

Weniger Probleme gab's bei anderen Hellsporern. Marasmius - Fans hätten sich da toll austoben können. Neben Halsband - Schwindling zeigte sich das Nadelstreu - Käsepilzchen, der Ästchen - Schwindling, der Küchen - Knoblauchschwindling (M. scorodonius) und sicher noch weitere, die ich vergessen oder nicht beachtet habe.
Einige Trichterlinge fanden sich auch, unter anderem diese gruseligen bräunlichen mit nicht hygrophanen Hüten. Der Grüne Anistrichterling (Clitocybe odora) düftete im Duett mit den diversen Champis den Wald voll:

Nächste Gattung, Gymnopus. Auch da war eine Menge zu sehen. Den Knopfstieligen habe ich nicht photographiert, die Bilder vom Brennenden sind grausig geworden. Dafür gibt's hier mal den selten gezeigten Rotstieligen Büschelrübling (Gymnopus erythropus):

Sowie den Spindeligen (Gymnopus fusipes):

Der hier sehr hell daherkommt. Ob's am Kalk liegt? 
Apropos Kalk: Weil ich's nicht lassen kann, mussten auch einige Baumbewohner angeschaut werden. Darunter der giftige Zimtfarbene Weichporling (Hapalopilus nidulans).


Was hier auffällt, sind violette Farbtöne am gesamten Basidiocarp. Nun ist es ja so, daß der giftige Farbstoff mit Kalilauge intensiv violett reagiert. Kalkboden ist ja auch basisch. Also lautet meine Theorie: Der Pilz nimmt Kalk aus dem Boden und dem Substrat auf und reagiert entsprechend.
Die üblichen Verdächtigen (Flache Lackporlinge, diverse Trameten, Rotrandige Baumschwämme, Sklerotien- und Schuppige Porlinge uvm.) lasse ich mal aus und zeige noch den Bewimperten Porling (Polyporus arcularius):

Und einen wunderlichen Pilz, der mich noch leicht irritiert:

Ich denke, das ist der Nordische Porling (Climacocystis borealis). Aber was war dann das weniger stark behaarte Dings von vor einiger Zeit. 
Aber genug davon. Zu den Sprödblättlern.
Milchlinge sahen wir nur wenige, schön anzuschauen vor allem der Graugrüne Milchling (Lactarius blennius):


Dafür schwammen wir in einem Meer von Täublingen, die uns aber meist viel zu kompliziert zu bestimmen waren. Lediglich die Massen an Frauentäublingen stachen heraus und einige davon fanden später den Weg in die Pfanne. Sicher interessant wären auch die verschiedenen Schwarz- und Weißtäublinge gewesen (sind ja immerhin keine allzu schweren Sektionen), aber irgendwo muss man Grenzen setzen. Lediglich extreme Geruchsbelästigung machte nochmal ein Bild und eine einigermaßen sichere Bestimmung möglich:

Täublinge aus der Gruppe um den Stinktäubling (Russula foetens) mit penetrantem, irgendwie unbeschreiblichem Geruch.
So. Ich weiß, ihr wollt Röhrlinge sehen. Leider gibt es traurige Nachrichten: Der Gelbporige Raufuß versteckte sich erfolgreich, und der Satan befand sich außerhalb unseres Wirkungsbereiches. Tut mir leid.
Röhrlinge gestrichen. Denn mit so banalen Sachen wie Fichtensteini, Sommersteini, Hainbuchenröhrling, Braunem Filzröhrling, Ziegenlippe, Echtem Rotfuß, Flockis auf Kalk brauche ich euch sicher nicht zu langweilen, oder?
Naja.
Vielleicht...
Also, wenn's ganz dringend wär...
Aber Langeweile braucht ja kein Mensch, oder?
Ist gar nicht langweilig?
Müssen nur die richtigen Pilze sein?
Lecker und zugleich spannend?
Mal sehen...
Hier:
Laubwald- /Eichenrotkappe (Leccinum quercinum / aurantiacum):

Starkblauende Rotfußröhrlinge (Xerocomellus cisalpinus):

Schwarzhütige Steinpilze (Boletus aereus):


vermutlicher Goldporiger Röhrling (Aureoboletus gentilis) Fahler Röhrling, Boletus impolitus (Danke, Jürgen):

Leider nur ein verknabbertes Exemplar...
Einige Pilze werden demnächst noch als gesonderte Anfragen auftauchen. Die Namen werden dann hier ergänzt / geändert.
Das war ein herrlicher Tag. Endlich mal wieder unterwegs in einem Wald voll mit Pilzen. 
LG, pablo.