Jo, also hier sind die Bilder von unserer Exkursion am 18.09.2011. Ist ja wieder ein paar Tage her, ihr werdet euch fragen, warum das alles so lange gedauert hat
jedenfalls war ich nicht ganz untätig und hab (fast) alles ausführlich dokumentiert, es fehlen nur noch die Untersuchung des Gürtelfußes (wahr-scheinlich Cortinarius flexipes) und des kleinen weißen Lamellenpilzes an Moos, den Melanie ge-funden hatte (für den es nach wie vor keinen Namen gibt).
Die Exkursion kann mit Recht zu einer der besten gerechnet werden, die ich jemals gemacht habe. Dan-ke Ralf, danke Melanie, das war spektakulär. Schlauchpilz-Fans wären gnadenlos ausgeflippt (ich hab mich ja noch halbwegs zurückgehalten :D).
So, aber es gab auch eine Reihe "größerer" Pilze, um nicht zu sagen, es gab alles mögliche, auch Speise-pilzsammler wären auf ihre Kosten gekommen.

Wurzelnder Fäbling, Hebeloma radicosum, ungenießbar
Gut erkennbare Art, man achte hier auf den stark wurzelnden Stiel, den jung geschlossenen Hut (Ve-lum!) sowie auf den leichten Bittermandel-Geruch. Hier gefunden an einem Baumstumpf (Fichte?)


Buchen-Schleimrübling, Oudemansiella mucida, ungenießbar
Leicht erkennbare Art, weißer Hut, weiße Lamellen, weiß-bräunlicher Stiel mit deutlichem Stielring.

Spaltblättling, Schizophyllum commune, ungenießbar


Grauer Wulstling, Amanita excelsa, essbar




Olivgrüner Wurzelschnitzling, Phaeocollybia festiva, [co-lor=#0000CD]ungenießbar[/color]
Phaeocollybia festiva ist eine sehr seltene, jedoch leicht kenntliche Art. Ich hatte sie im Feld zu-nächst für einen Saftling (Hygrocybe) gehalten, nach dem ich aber den wurzelnden Stiel in der Hand hatte, war die Gattung sofort klar. P. festiva gehört zu den Cortinarien, was auch anhand der Spo-renform und -ornamentation gut wiederzuerkennen ist.







Weißhaariger Borstenbecherling, Leucoscypha leucotricha, [co-lor=#0000CD]ungenießbar[/color]
Dieser Pilz stand auf meiner "Abschussliste" ganz weit oben, dank Melanie gabs dieses Erfolgserlebnis. Der kleine weiße Becherling bildet bis 10 mm breite, flaumig behaarte Fruchtkörper, die z.T. im Moos versteckt sind. Der Großteil der Fruchtkörper wurde erst nach dem Entnehmen der sichtbaren Fruchtkör-per entdeckt 




Rotleuchtender Kissenbecherling, Pulvinula constellatio, [co-lor=#0000CD]ungenießbar[/color]
Diesen hatte ich schon letztes Jahr, ihn anzusprechen war hier kein Problem. Wie erwartet zeigt er schö-ne, regelmäßig runde Sporen, ein gutes Merkmal in Kombination mit der leuchtend roten Farbe (die hier nicht so leuchtend rot war wie beim Fund 2010). Er wird bis etwa 10 (12) mm breit.



Geselliger Braunhaarborstling, Trichophaea hybrida, [co-lor=#0000CD]ungenießbar[/color]
Wie vorhergesagt, gabs diese Art an mehreren Stellen, ohne weiteres lassen sich die Trichophaea-Arten allerdings makroskopisch nicht bestimmen. Dazu braucht es eine adäquate Erfahrung. Bei allen Trichophaea hybrida-Funden zeigten sich gewohnt spindelige Sporen mit einem sehr schwachen, punktförmigen Ornament. Die Fruchtkörper werden bis 8 mm breit. [hr][hr]




Woolhope's Braunhaarbecherling, Trichophaea woolhopeia, ungenießbar
Dieser kleine Bewohner (4-7 mm) lebt saprophytisch von kleinen Pflanzenresten und scheint Kalkboden ganz gerne zu mögen, bestand doch sein ganzer Untergrund aus purem Kalk. In Abgrenzung zu anderen Trichophaea-Arten fällt hier der sehr flache, scheibenförmige Fruchtkörper mit den borstig-filzigen Randhaaren auf. Die Art ist seltener als Trichophaea hybrida.

Halbkugeliger Borstling, Humaria hemisphaerica, ungenießbar
Naja, hier der Halbkugelige Borstling mit seinen bis 20 (30) mm breiten, halbkugeligen Fruchtkörpern. Ich hab ihn nicht mikroskopiert, da ich von ihm schon Mikrobilder "vorrätig" habe. Die Art ist recht häufig, kann allerdings gerne übersehen werden (außer von Melanie, die ihn entdeckt hat :D).


Scharlachroter Schildborstling, Scutellinia scutellata, [col-or=#0000CD]ungenießbar[/color]
Diese Art gabs bereits bei unserer letzten Exkursion. Ich habe hier lediglich nochmal die Randhaare in 100x Vergrößerung fotografiert. Zu erkennen ist die Haarbasis, die wie eine sich verzweigenede Wurzel in die Randzellen eingesenkt zu sein scheint.



Kerguelensischer Schildborstling, Scutellinia kerguelensis, [co-lor=#0000CD]ungenießbar[/color]
So ein seltsamer Name, wo liegen die Kerguelen überhaupt? Richtig, Französisches Antarktisgebiet. Verrückt? Ne, die Art wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Madagaskar als auch von den Kerguelen berichtet. Sie scheint wohl ursprünglich auf der Südhalbkugel verbreitet gewesen zu sein, hat sich aber im 20. Jahrhundert kosmopolitisch ausgebreitet...ein wahrer Profitierer der Globalisierung 
Die Art bildet bis 8 (10) mm breite Fruchtkörper, deren Randhaare relativ kurz sind, sogar so kurz, dass sie selbst mit Lupe kaum erkennbar sind.




Glattsporiger Schildborstling, Scutellinia setosa, ungenießbar
Zurück zu dem europäischen Kram, hier ein weiterer Schildborstling, mit relativ langen Randhaaren und einem ansonsten kleinen Fruchtkörper. Im Gegensatz zu anderen Arten dieser Gattung sind diese näm-lich nicht rot, sondern gelbbraun bis orangebraun. Mikroskopisch macht er seinem Namen alle Ehre: glattsporig (selbst mit Färbung kein Ornament erkennbar). Die Fruchtkörper werden bis 2 mm breit.


"Sporenfresser", Octospora phagospora, ungenießbar
Der üble Sporenfresser mal wieder. Wie letztes Jahr fand ich ihn wieder an den bemoosten Karrenfurchen, diesmal aber nur 2 Exemplare (die in Kultur weiterhin fruktifizierten). Es wird hier nochmal etwas kleiner als bei der vorherigen Art: unter 1 mm (0,3-0,9 mm) 
Warum nenne ich die Art "Sporenfresser"? Erst einmal wegen seiner botanischen Bezeichnung, und zweitens: er "frisst" tatsächlich seine eigenen Sporen auf. Das sieht so aus: Der Sporenschlauch bildet gewohnt 8 Sporen aus. Davon reifen aber nur 4 völlig aus. Der Rest abortiert. Ein Merkmal, das nahezu einzigartig in der Mykologie ist.


Kastanienbrauner Becherling, Peziza badia, ungenießbar
Der Kastanienbraune Becherling, Melanie entdeckt die winzigsten Pilzchen, aber diesen hier hätte sie doch glatt noch ein wenig flacher gemacht
und das bei einer Breite von z.T. über 100 mm...



Gerard's Violettbecherling, Peziza gerardii, ungenießbar
Dieser Becherling war ebenfalls auf meiner persönlichen Wunschliste, denn: Die schön violette Färbung lässt diese bis 15 mm breite Peziza-Art relativ leicht erkennen. Allerdings gibt es mit Marcelleina persoonii und M. rickii recht ähnliche Arten. Daher also: mikroskopieren.


Grauvioletter Becherling, Peziza succosella, ungenießbar
Zu guter letzt ein "gewöhnlicherer" Becherling, den ich die letzten Jahre des öfteren gefunden habe, un-ter anderem auch bei Rada. Die Fruchtkörper werden bis gut 40 mm breit.
So, jetzt reichts aber...fürs erste, den "2. Teil" gibts dann nächste Woche, wenn aus der Wanderung am kommenden Samstag neues Material gefunden werden sollte. Und wenn ich es recht prophezeihe, WIRD das auch so sein 
Danke nochmal an Rada, Melanie und Heinz-Werner, das war eine perfekte Exkursion 
LG björn
Anmerkung: Dieser Beitrag wurde in den geeigneteren Thema geschoben (hierfür war er ja gedacht, Rada hatte sich schon Mühe gegeben mit der Exkursionsbeschreibung).