Hier nun der vllt lang ersehnte 2. Teil von Pilzfestival IV. Es hat einige Ungereimtheiten gegeben, die mich aufgehalten haben, zum einen gab es eine Pulvinula auf Brandstelle mit viel zu kleinen Sporen, als dass diese in den Rahmen von Pulvinula constellatio passen würden, zum anderen gab es einen großen inoperculaten Becherling, der bis jetzt nur provisorisch als Phaeohelotiom monticola bestimmt wurde. Da bin ich gerade nämlich dabei, das zu überprüfen und mich da mit entsprechenden Leuten in Gespräche zu vertiefen (wir sind schon 4 Meter tief).

Eichelschalen-Stromabecherling, Ciboria batschiana
Fruchtkörper in Becher und Stiel gegliedert, Becherteil bis 10 (15) mm breit, saprophytisch an feuchtliegenden Eichelschalen, welche "stromatisiert" werden, sodass diese sich schwarz verfärben.

Leberreischling, Ochsenzunge, Fistulina hepatica
Aufgrund seiner Röhren, die man nicht nur von dem Rest des Fruchtkörpers abtrennen kann, sondern auch voneinander, zählt die Gattung Fistulina in die Familie Fistulinaceae. Diese wiederum gehört zu den Agaricales, den Champignonartigen...


Fichtenporling, Rotrandiger Baumschwamm, Fomitopsis pinicola
Rada und ich sind die Stufen zum Himmel hinaufgegangen, allerdings war nach 10 m Schluss...da hörte nämlich plötzlich der Baum auf 

Halbkugeliger Borstling, Humaria hemisphaerica


Blassroter Kissenbecherling, Pulvinula laeterubra
Fruchtkörper 2-8 mm breit, leuchtend orangerötlich, flach kissenförmig mit an das Substrat angepasster Form, stiellos, saprophytisch auf Holzkohle.
Diese Art hat mir einige Sorgen bereitet, sie ist makroskopisch identisch mit der hier bereits gezeigten Pulvinula constellatio (Rotleuchtender Kissenbecherling), hat jedoch mit ihrer carbophilen Lebensweise sowie der wesentlich kleineren Sporen (13-14 µm) deutliche mikroskopische Unterschiede. Jetzt dachte ich, es sei einfach, dem Pilzchen einen Namen zu geben. Haste wohl gedacht wa? Nicht nur, dass nach tieferem graben in der Literatur (etwa 10 km tief) plötzlich ein gutes Dutzend Arten auftauchen (P. pyrophyla, P. archeri, P. salmonicolor, P. orichalcea, P. neotropica, P. laeterubra, P. carbonaria, P. cinnabarina, P. miltina usw.), es ist auch noch problematisch, meinen Fund einem von diesen Arten zuzuordnen. Auch hier wieder falsch gedacht: P. carbonaria hört sich verdächtig nach einem Brandstellenbewohner an, ist auch einer, hat aber Sporen von 15-17 µm Durchmesser (nach einem französischen Schlüssel!). Recherchiert man hier weiter, gelangt man mit PFISTER (1976) ebenfalls zu dieser Sporengröße. Also Pech gehabt mit dem offensichtlichen Brandstellenbewohner. Allerdings: folgt man den beiden Schlüsseln, so gelangt man beiderseits, zumindest was die Mikromerkmale angeht, zu Pulvinula laeterubra, dem Blassroten Kissenbecherling. Obwohl makroskopisch nicht so blassrot, und auch nicht auf normaler Erde, sondern auf Brandstelle, passt diese Art letztlich relativ genau auf die Beschreibung von PFISTER (1976): "spores 11-13.8". Demzufolge ich hier den Schlussstrich ziehe und die Art so benenne. Literatur (uff) siehe unten.

Dünnschaliger Kartoffelbovist, Scleroderma verrucosum


Geselliger Braunhaarborstling, Trichophaea hybrida, zum 140.000 Mal.

Rotstieliges Sklerotienkeulchen, Typhula erythropus
Fruchtkörper bis etwa 35 mm hoch, saprophytisch an toten Pflanzenresten.

Adlerfarn-Sklerotienkeulchen, Typhula quisquiliaris
Fruchtkörper bis 10 mm hoch, saprophytisch an toten Adlerfarn-Stängeln
Hinweis: Sucht das Pilzchen selbst mal. Einfach Adlerfarn-Bestände aufsuchen und die toten Stängel durchgucken. Ihr findet ihn garantiert 
lg björn[hr]
genutzte Literatur (für Pilzfestival IV):
Breitenbach, J. & F. Kränzlin (1986), Band 1: Ascomyceten, Mycologia Luzern.
Medardi, G. (2006): Atlante fotografico degli Ascomiceti d'Italia, A.M.B., Trento.
Pfister, D. (1976): A Synopsis of the Genus Pulvinula, In: Occasional papers of the Farlow Herbarium of cryptogamic botany, Harvard University.