Beiträge von bwergen

    Das ist ein Faserling (Psathyrella), aber ich fürchte, selbst bei scharfen Fotos kann man hier die Art nicht bestimmen, das geht leider nur mikroskopisch. Bei den Arten gibt es nämlich unterschiedliche Sporengrößen- und -formen.


    lg björn

    Da schließe ich mich gnadenlos der Meinung von hübchen an, das dürfte Gymnopilus junonius sein. Schade dass die Stiele nicht mehr ganz sind, nächstes Mal den Pilz am Standort lassen, einen Fruchtkörper umgedreht danebenlegen und dann fotografieren. Erhöht womöglich die Erfolgschancen, wenn die Angaben schon dürftig ausfallen (der Pilz wächst auf Holz...das sollte eigentlich dabei gewesen sein).


    lg björn

    Hallo Nando,


    dazu bräuchte ich nicht unbedingt ein neues Thema aufmachen, es ist schnell erklärt:


    Ich kartiere seit 2008 Pilze für den hiesigen Nationalpark Eifel. Da die keine Pilzexperten im Forstamt sitzen haben, haben sie mich damals kontaktiert, um Bilder aufzukaufen und um mir das Angebot des Kartierens zu machen. Dies ist vertraglich geregelt. Pro Jahr suche ich mindestens 8 Mal ausgewählte Gebiete nach Pilzen ab, notiere alles, was ich an mykologischen Lebewesen finden kann und schreibe am Ende des Jahres einen Bericht. Mit Abgabe dieses Berichts bekomme ich dann mein Geld und es wird ein Vertrag für das kommende Jahr gemacht.


    Nebenbei leite ich auf Anfrage Exkursionen, auch Seminare wären möglich, leider sind selbige in diesem Jahr ausgefallen. Vorträge habe ich insofern noch keine gehalten, Anfang nächsten Jahres wird es aber einen von mir geben :)


    Fortsetzung hier wird folgen, das Kapitel 1 handelt die Einführung sowie die Merkmale der Sporen ab.


    lg björn[hr]
    Hallo Karin,


    kann ich verstehen, geht mir genauso. Aber ohne die Theorie verstehst du eventuell die Praxis nicht. Ich will hier nicht einfach Bilder präsentieren von dem niemand weiß, wie sie entstanden sind. Und ich will keine Bezeichnungen verwenden, die ich nicht irgendwo hier mal näher erläutert habe.
    Ich weiß, solche Fachbegriffe sind auch schon in anderen Themen gefallen, da habe ich stets drauf verwiesen, dass ich genau hier näheres dazu sagen werde.
    In diesem Thema wird als nächstes das Anfertigen eines Präparats folgen, die aus meiner Sicht korrekte Verwendung der vorgestellten Chemikalien an 2 Beispielen (Lamellenpilz, Becherling) sowie die Messung und Aufzeichnung der Objekte (Sporen, Basidien oder Asci, Haare usw.).


    Es soll niemand zu kurz kommen. Die Praktiken, die ich hier anwende, habe ich in den letzten 2 Jahren intensiv betrieben. Falls jemand Ergänzungen dazu hat, immer her damit :)


    Und ich muss ehrlich sagen wenn du Bilder hast, von dem was auf deinem Objekträger lag dann würde ich auch die gerne bestaunen.


    Mikrobilder? Hast du die noch nicht gesehen in den Pilzfestival-Beiträgen? Oder was meinst du jetzt? Falls nicht, egal. Hier wirst du noch genug Mikrofotos zu sehen bekommen, soviele bis du irgendwann genug davon hast :D


    lg björn


    Ne allein daran würd ichs nicht festmachen, wenn, Zitat Pilze Baden-Würrtemberg Bd 4, S. 407: "jung satt blaugrün, älter gelblich verfärbend" (zu S. aeruginosa).


    Lediglich der Standort scheint übereinzustimmen mit meinen Beobachtungen: S. caerulea Wegrand, und S. aeruginosa innerhalb von Wäldern.


    lg björn

    Oder hatte das Teil einen Stielring? Zumindest schwer erkennbar. Sonst wäre es nämlich Stropharia aeruginosa, den findet man zwar normalerweise IM Wald (Nadelwald, oft in Reisighaufen), aber erinnere mich, dass ich 2009 mal einen Fund von S. aeruginosa an eben solcher Stelle hatte.


    Die übrigen Beobachtungen von S. caerulea waren alle an grasigen Wegrändern, lichten Stellen usw. Dein Fruchtkörper scheint sehr verblasst zu sein. Für S. caerulea müsste insbesondere der Stiel mehr blaugrün sein und nicht so hell...


    Sehe ich genauso. Meine Kamera ist eine Digitalkamera mit 10 MPixel und hat 2010 genau 259 Euro gekostet. Klingt vergleichsweise viel, wird aber durch gute Fotos allemal belohnt. Insbesondere in Sachen Detailfreudigkeit taugt die Kamera echt was (Panasonic Lumix TMC-TZ7).


    Also ich bin nicht bekannt dafür, möglichst viel Technik aufzufahren. Und auch nicht dafür, viel Geld rauszuschmeißen. Was ich vermeintlich nicht hinkriege, mache ich durch Improvisationen wett. Glaube ich zumindest :D

    Hallo Waldi,


    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich kann dich nämlich in sämtlichen Sachen beruhigen oder widerlegen.


    Das Mikroskop ist nicht gebraucht, ich habe es "neu" für 699€ bekommen. Hier gibt es ein paar Dinge zu beachten:


    1. Du kaufst dir ein Mikroskop für kaum mehr als 100 Euro (gibts ab und zu auch bei ALDI, oder LIDL, da sogar mit USB-Verbindung), kriegst sogar eine Vergrößerung bis an die x1000, allerdings lässt die Optik zu wünschen übrig, für wissenschaftliche Arbeit lässt sich sowas nicht gebrauchen.


    2. Du kaufst dir ein Mikroskop für mindestens 500€, das hat dann eine super Optik und du kannst damit für die nächsten 30-50 Jahre gelassen mikroskopieren, soviel du willst.


    Das, was mein Mikroskop gekostet hat, habe ich längst wieder raus. Ich nutze das Teil nicht nur, weil ich grad Lust dazu habe, sondern auch für die Kartierungsarbeit im Nationalpark Eifel. In den letzten 3 Jahren habe ich das 5fache an Geld reingeholt, wie das Mikroskop gekostet hat. Ich weiß, jetzt sagst du, nicht jeder hat diese Gelegenheit. Soll auch nicht so sein. Ich bin wissenschaftlich interessiert und bei mir wird das Mikroskop fast täglich gebraucht.


    Sagen wir es mal so: um wirklich Freude am Mikroskopieren zu haben, musst du schon tiefer in die Tasche greifen, alles andere ist nichts Ganzes und nichts Halbes (aus meiner Sicht, wenn jemand andere Erfahrungen hat, her damit). Sich son Teil anzuschaffen bedarf schon einiger Überlegungen bezüglich des Verwendungszwecks. Mir hat das Mikroskop jedenfalls 1000mal soviel gegeben, wie ich an Scheinen hingeblättert habe. Alleine die Fotos, die nur deshalb hier gezeigt werden können, weil ich so ein Ding hier stehenhab, sind die Anschaffung schon wert. Das Interesse daran rundet das ganze ab und macht es erst sinnvoll.


    Wenn du kein richtiges Interesse am Mikroskopieren hast, und nur ab und zu mal durchgucken willst, um ein paar unförmige, verschwommene Sachen zu sehen, dann musst du dir eben ein Mikroskop für wenig Geld kaufen. Ob das dann Sinn macht, musst du selbst entscheiden.


    lg björn[hr]


    Außer dem Pilzefieber gibt es schließlich noch andere Dinge, die das Leben lebenswert
    machen, z.B. mit seiner lieben Frau einen schönen Knuddelabend gestalten.



    Weißte was? Ich seh das ganz genauso, auch wenn jetzt alle denken, ich hätte nur Pilze im Sinn...

    Hallo,


    an einen Karbol-Champignon glaube ich eher nicht. Da es sowieso Raterei ist, und ich die Bilder jetzt 5 Mal durchgeklickt habe, komme ich zum Schluss, dass es vielleicht sogar eine Wulstlingsart (Amanita) sein könnte. Der Karbolchampignon hätte selbst im getrockneten Zustand keinen derart braunen Hut (jedenfalls nicht dass ich das schonmal gesehen hätte).


    Man sieht auf einigen Bildern auch den leicht gerieften Stielring. Die Basis scheint mehr oder weniger knollig zu sein, ob sie mal von einer Hülle umgeben war, ist fraglich, aber möglich. Es ist auch eine Frage, ob die Lamellen farblich so bleiben oder dunkler werden durch reifende Sporen. Aufgrund des Zustands des Fruchtkörpers ist es aber selbst fraglich, ob die Sporen überhaupt reifen werden. Somit könnte selbst dann kein Schluss gezogen werden können.


    lg björn

    [1] Ein Fälbling (Hebeloma), möglicherweise eine Art um Hebeloma crustuliniforme (Tonblasser Fälbling). Fälblinge sind gut erkennbar an den milchkaffeefarbenen Lamellen, den falben Farbtönen (weiß, creme, grauweißlich, braun, graubraun, rotbraun) sowie oft auch an schmierigen Hutoberflächen und feinen Velumresten an Stiel und Hutrand.


    [2] Ein Faserling (Psathyrella). Schau mal nach, ob die Lamellenschneiden rötlich sind (falls das noch geht).


    lg björn


    edit: wenn Schuppen auch auf dem Hut, so kann für [1] auch Pholiota gummosa in Frage kommen (Hutoberfläche nochmal prüfen, auch auf "schmierig" oder "schleimig").


    Schon klar, einfandfrei Hallimasch, iss aber nich immer so einfach, wäre schon hilfreich Bilder aus mehreren Perspektiven zu haben, über Bäume, Geruch, Geschmack usw. ein paar mehr Details.


    Ich glaub ich krieg nen Affen. Sry aber wie kommst du darauf, jemandem, der noch Laie ist, zu sagen, er soll den Pilz probieren? Stell dir vor der hält sich daran und probiert den nächsten Pilz, um ihn hier zu zeigen, und dann stellt sich raus, es ist ein Gifthäubling. Da wäre ich aber richtig vorsichtig.


    Also: unbekannte Pilze generell nicht probieren. Davon ist unbedingt abzuraten. Ganz egal wat hier sonst jemand sagt. Wenn es eine Regel gibt, dann die Täublingsregel. Die gilt aber nur, wenn du auch einwandfrei Täublinge erkennen kannst.


    lg björn

    Hallo,


    nein, Ralf, so war das nicht gemeint, äh ich dachte nur, du befasst dich ja noch nicht so sehr mit dem Mikroskopieren von Pilzen bzw. wolltest dies auch nicht tun und naja, äh da dachte ich halt, ich könnte dich ein wenig zur Wissenschaft anstacheln :nana: :D


    Korrektur:


    [11/12] Chemikalien wie oben erklärt


    [10] Den Radiergummi braucht ihr nicht zum Ausradieren schlecht gezeichneter Skizzen, sondern um ein Quetschpräparat sinnvoll herzustellen, ohne dass das Deckgläschen zerbricht. Wer das schonmal ausprobiert hat, wird verstehen können, dass dies relativ schnell passieren kann, insbesondere wenn winzige Sandkörner im Präparat liegen.


    Generell lässt sich das Zerbrechen von Deckgläsern nicht immer vermeiden, ihr braucht einfach etwas Übung, um zu erkennen, wieviel Druck ihr maximal aufwenden könnt. Da das Deckgläschen eine gewisse Einheitsdicke hat, und der Flächeninhalt 484 mm ² beträgt, lässt sich sicher auch ausrechnen, welchem maximalen Druck das Deckgläschen standhält. Das breite ich jetzt hier aber nicht aus, sonst lauft ihr vermutlich schreiend aus dem Forum :D


    Jedenfalls ist ein Radiergummi bestens geeignet, um ein Präparat herzustellen, welches möglichst flach ist. Das hat den Vorteil, dass ihr selbst in höheren Vergrößerungen bis auf die Objektträgeroberfläche blicken könnt. Denn ab x1000 wird der Platz zwischen Objektiv und Deckgläschen verschwindend gering, wenn dieser überhaupt noch vorhanden ist. Welche Vorteile daraus entstehen, bis auf den "Grund" sehen zu können, erkläre ich an den entsprechenden Stellen zu späterer Zeit (damit ihr einen direkten Bezug dazu habt).


    lg björn

    Übrigens: Von der Art gibt es zwei Formen, von denen die hier gezeigte, graubraunhütige Form seltener sein soll als die reinweiße Variante. Typischerweise findet man solche grauen Exemplare an alten Fichtenstümpfen in oft reinen Nadelwäldern, während die weißliche Form eher in Laub-Nadel-Mischwäldern erscheint. Soviel jedenfalls zu meiner bisherigen (10jährigen) Beobachtung.


    lg björn

    So die Scutellinia wurde bestimmt, sie hat den Namen Scutellinia umbrorum s.l.


    Das s.l. heißt "sensu lato" und bedeutet zu deutsch "im weitesten Sinne". Beim Artenkomplex um S. umbrorum handelt es sich vermutlich um mehrere Varietäten oder sogar Arten, deren Abgrenzung zur Typusart nicht geklärt ist und in keinem mir bekannten Schlüssel Eingang gefunden hat. Verwendet man verschiedene Schlüssel, kommt man teilweise zu widersprüchlichen Ergebnissen, insbesondere die Struktur der Sporenornamentation scheint ein Problem für die genaue Bestimmung zu sein.


    Das heißt: genauer hingucken, in Zukunft jede Scutellinia noch akribischer untersuchen, vor allem auf die Sporenornamentation und die Form und Größe der Randhaare. Leute wir befinden uns hier, wie bei der noch unbestimmten Octospora und der Sphaeosporella 'dahlheuseri' am Rand der Mykologie, jederzeit in Gefahr, von selbigem herunterzufallen :D


    Wenn Herr Benkert mir einen Brief zurückschreibt, vielleicht sogar mit einer Bestimmung der Octospora, so werde ich euch hier umfassend informieren. Dieser Beitrag ist in der Tat zur Endlosigkeit verdammt.


    lg björn


    Danke für die nette Begrüßung-
    Werde bestimmt viel lernen.
    Muß noch mit PC zurechtkommen?
    Wer kann mir da etwas beistehen. Über PN??


    Hi


    da kann ich dir gerne weiterhelfen, wenn du möchtest. Bezüglich des PCs helfe ich meinem Großvater auch schon immer weiter, also warum nicht ;)


    lg björn

    Hallo und guten Abend,


    hiermit möchte ich nun meine kleine Beitragsserie beginnen: Einführung in die Mikrosopie, Kapitel 1.


    "Einführung" hört sich schon so an, als ob ich jetzt ein hochwissenschaftliches Thema zu Tage bringe, dass die Gesichtsausdrücke aller Leser sofort entgleisen lässt, sobald das erste Fachwort auftaucht. Aber wozu gibt es Weichen? Die könnten solche Entgleisungen verhindern, indem jedes noch so komplizierte Fachwort an den Mann und an die Frau gebracht wird, sodass jeder etwas davon hat. Schließlich will ich nicht nur hübchen und Rada hier unterhalten (hübchen mit der Wissenschaft, Rada mit meinen humoristischen Einlagen).


    Jetzt könnte man sich fragen: was bezwecke ich eigentlich damit, gerade ein solches Thema auszusuchen? Was ist überhaupt ein "Thema"? Dazu bringe ich mal eine kurze Definition des Wortes aus dem Bereich der Musik ein: "Ein Thema ist ein charakteristischer, in sich geschlossener oder offener musikalischer Gedanke, der sich aus Motiven und ihrer Weiterspinnung ergibt (...)" [1]. Soso, irgendwas hat mich wohl motiviert und ihr alle seid jetzt dazu verdammt, meine motivierten Gedanken weiterzuspinnen. Hört sich verrückt an oder? Nichts anderes aber soll es heißen, ich breite hier eine Thematik aus und ihr könnt Fragen stellen, wo immer ihr wollt, Anregungen, Ergänzungen, Verbesserungen und dergleichen. Und diese Thematik befasst sich mit dem Mikroskopieren von Pilzen (Fungi).


    Damit das Ganze aber nicht völlig unübersichtlich wird, habe ich mir gedacht, euch einen einfachen Einstieg in die Wissenschaft zu geben, indem ich mit den Sporen anfange, von dem sicher jeder von euch schonmal mindestens einmal was gehört hat. Da ich hier aber stets von einer gewissen Bodenständigkeit ausgehen darf und himmlische Winde vom Boden aus nicht bemerkt werden, werde ich natürlich auch umfassend und hoffentlich verständlich erklären, WAS Sporen eigentlich sind und wie sie entstehen. So gesehen ist das doch ein recht komplizierter biologischer Prozess, der einer Erläuterung bedarf. Die ganz genauen biologischen Abläufe könnt ihr natürlich auch in Fachbüchern, auf Wikipedia oder in Lexika nachlesen, ich verweise am Ende der Beiträge gerne auf weiterführende Literatur, wer sich da richtig reinknien will (aber macht euch nicht die Knie kaputt).


    Bevor ich aber zu den eigentlichen Sporenmerkmalen komme, die übrigens z.T. sehr wichtig sind für die Einordnung in eine Gattung, erkläre ich hier prägnant die Art und Weise, wie ich mikroskopiere. Ich behaupte nicht, dass meine Methoden Standard sind, ihr könnt nach dem Erlernen der Grundzüge praktisch alles ausprobieren, ihr entdeckt sicherlich die eine oder andere Methode, mit der ihr noch besser mikroskopieren könnt und das Ergebnis noch präziser ist. Dazu erläutere ich auch die ganzen Materialien, die für das Mikroskopieren notwendig oder zumindest hilfreich sind. Auch wenn ihr diverse Chemikalien nicht haben solltest, mikroskopieren könnt ihr trotzdem.


    Kommen wir aber nun erstmal zur Übersicht der Materialien, die ihr benötigt:


    1. Mikroskop
    2. Objektträger
    3. Deckgläschen
    4. Messokular + Objektmikrometer
    5. Leitungsasser / destilliertes Wasser
    6. Ölimmersion
    7. Rasierklingen
    8. Mikroskopierbesteck, eventuell feine Nadeln
    9. Taschentücher
    10. Radiergummi
    11. bedeutende Chemikalien: Lugol, Melzer, Kongorot, Baumwoll-Lactophenol, KOH (20%)
    12. weitere Chemikalien: Karminessigsäure, Phloxin usw.


    [zu 1]Also, dass ihr ein Mikroskop zum mikroskopieren braucht, brauche ich keinem von euch zu erklären. Ihr könnt euch da im Internet über die verschiedenen Modelle informieren, verweise da immer gerne auf die Schwarzwälder Pilzlehrschau [2], weil ich mein Mikroskop dort 2004 erstanden habe (ich glaub für 699€). Mir wurde immer gesagt, für unter 1000€ kriegt man kein richtig gutes Mikroskop mit entsprechender Optik, aber ich denke mal, dass ich mit meinem Modell hier gut bedient bin. Mittlerweile gibt es ja neuere Modelle, die sicherlich noch etwas besser sind. Müsst ihr einfach selbst mal gucken.


    [zu 2]Objektträger gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, die Standardgröße beträgt 76x26 mm. Solche Objektträger sind insbesondere bei verschiedenen Internetshops relativ leicht zu bekommen. Ich beziehe mein gesamtes Material normalerweise von Andreas Gminder (Mykoshop) [3].


    objekttrger76x26.jpg


    [zu 3]Deckgläschen sind kleine 22x22 mm große, sehr flache "Glasscheiben", welche so auf den Objektträger gelegt werden, dass sich das Objekt genau zwischen Objektträger und Deckgläschen befindet. Das Deckgläschen verhindert somit bei Einsatz von Wasser eine gebogene Wasseroberfläche, welche beim Blick durch das Mikroskop unweigerlich zu Lichtbrechungseffekten aufgrund der konvexen Tropfenoberfläche führen würde.


    deckglschen22x22.jpg


    [zu 4]Ein Messokular und ein Objektmikrometer sind Werkzeuge zur Eichung eures Mikroskops. Wenn ihr ein Objekt durch das Mikroskop betrachtet, so wird es euch sicherlich interessieren, welche Ausmaße das Objekt hat. Also müsst ihr einen Weg finden, diese Ausmaße zu messen. Das gelingt nur mit einem Messokular. Es handelt sich um ein gewöhnliches Okular, welches jedoch auf der Linse eine Skala zeigt, mit der ihr erstmal Abstände anhand von Strichen messen könnt. Damit daraus aber ein Schuh wird, braucht ihr zur Eichung ein Objektmikrometer. Das Objektmikrometer ist ein normaler Objektträger, auf dem eine winzige Skala eingraviert ist, die 1 mm lang und in 100 Teilstriche eingeteilt ist. Das bedeutet: der Abstand zwischen zwei Teilstrichen beträgt 10 µm. Ihr müsst zur Eichung also nichts anderes tun als das Objektmikrometer durch das Messokular zu betrachten. Die beiden Skalen übereinander gelegt, und ihr könnt relativ schnell erkennen, wieviel nun beispielsweise 10 Striche auf eurem Messokular sind. [hier: 10 Striche = 40 µm bei 400facher Vergrößerung!]


    mikrom2.gif


    [zu 5]Zum Thema Leitungswasser: Ihr könnt prinzipiell ganz normales Wasser aus der Leitung benutzen. Wer es ganz genau nimmt und jeglichen Schmutz oder diverse Kleinstlebewesen ausschließen möchte, der kann sich auch destilliertes Wasser kaufen und dieses benutzen. Ich denke allerdings, dass dies nicht sonderlich lohnenswert ist, denn z.B. befinden sich bei mir im Leitungswasser fast keine toten oder lebenden Objekte.
    Mikroskopieren funktioniert grundsätzlich auch unter KOH (3%, 20%). Dies ist allerdings in einigen Fällen nicht hilfreich, falls durch das KOH wichtige Bestandteile der Oberfläche sich ablösen oder gar auflösen. Insofern ist normales H2O das Medium, in dem ihr euer erstes Präparat tauchen solltet, damit könnt ihr sicher gehen, dass auch wirklich nichts kaputt geht oder sich irgendwas verändert. Eventuell ist dann ein zweites Präparat notwendig, welches dann in KOH gemacht werden kann, um beispielsweise bestimmte Merkmale besser zu erkennen oder Reaktionen hervorzurufen, deren Existenz ein Bestimmungsmerkmal sein kann.


    [zu 6] Ölimmersion ist eine ölige Substanz, welches vor allem bei Vergrößerungen über 1000fach zwischen Deckgläschen und Objektiv aufgetragen wird. Nun fragt man sich vielleicht: Warum das ganze? Theoretisch könnte man bei 1000fach auch ohne Ölimmersion mikroskopieren. Problem nur: man würde nur die Hälfte dessen sehen, was man mit Ölimmersion sehen würde, und dazu wäre es auch noch wesentlich undeutlicher. Solche unliebsamen Effekte sind, wie nicht anders zu erwarten, physikalisch zu erklären. Jedes Objektiv hat einen gewissen Öffnungswinkel, der eine bestimmte Menge an Licht einfängt. Je mehr Licht aufgefangen werden kann, desto klarer wird das Bild und desto mehr Merkmale sind zu erkennen. Für ein Objektiv bezeichnet man diese Auflösung als "numerische Apertur" (NA). Die numerische Apertur kann anhand des Brechungsindex n des Immersionsmediums (das kann Ölimmersion sein, aber auch Luft oder ein Glycerin) sowie dem Sinus des Akzeptanzwinkels (das ist der Winkel zwischen dem Objektpunkt auf der optischen Achse und dem Durchmesser der Eintrittspupille), sodass folgende Formel zustande kommt:


    NA = n * sin α


    Mit entsprechender mathematischer Logik könnte man also genau bestimmen, welches Medium perfekt ist für die detaillierte Darstellung von Merkmalen in > 1000facher Vergrößerung. Auch über die Menge des Mediums lassen sich entsprechende Rückschlüsse ziehen. Damit das nicht alles zu physikalisch wird, zurück zur Praxis. Die Ölimmersion lenkt die von einem Objekt kommenden Lichtstrahlen wesentlich konzentrierter in das Objektiv, als dies Luft tun würde (auch aufgrund des geringeren Brechungsindex von Luft (= 1)). Ergo der Sinn von Ölimmersion geklärt sein dürfte (hoffe ich ;) ). Hier noch ein Foto zur Übersicht [Quelle: wikipedia [4]]:


    700pximmersionsvorteils.png


    [zu 7/8]Mikroskopierbesteck und Rasierklingen könnt ihr auch im Internet in z.T. handlichen Mappen bekommen. Es besteht grundsätzlich aus einer Rasierklinge mit Griff, einer Pinzette, Nadel, einer kleinen Schere usw. Ihr könnt ja selbst mal schauen, was es da so alles gibt. Prinzipiell sind das alles nützliche Werkzeuge, die das Mikroskopieren merklich erleichtern können, z.B. wenn ihr das Deckgläschen ganz leicht verschieben wollt, einen winzigen Tropfen Wasser hinzugeben wollt weil das Präparat mal wieder vor dem Austrocknen steht usw.


    [zu 9]Taschentücher könnt ihr besonders dann gebrauchen, wenn ihr ein Quetschpräparat machen wollt. Insbesondere bei einer etwas großzügig hinzugefügten Menge Wasser quillt selbiges an den Rändern des Deckgläschens im schlimmsten Fall derart empor, dass es sich plötzlich AUF diesem befindet. Welche Brechungseffekte dies ergibt, könnt ihr anhand der obigen Formel selbst errechnen. Also immer auch Taschentücher bereit halten, diese braucht ihr sowieso wenn ihr fertig seid, damit Deckgläschen und Objektträger bestenfalls nochmals benutzt werden können (ja ich weiß, die meisten würden jetzt aufschreien und sagen, dass das Deckgläschen nach Benutzung weggeschmissen wird, aber ich rationiere eben gerne und verwende trotz großer Deckgläschenkapazität jedes Deckgläschen solange, bis es irgendwann aus Versehen durchbricht).


    [zu 10/11]Es gibt verschiedene Chemikalien, die ihr fürs Mikroskopieren benötigt. Dazu gehören insbesondere Lugol, Melzer, Kongorot und Baumwollblau / Baumwoll-Lactophenol. Was das ganz genau alles ist, könnt ihr in einem Chemiebuch gerne nachlesen. Ich breite das jetzt aus Gründen der Übersicht nicht alles aus. Ich glaube nämlich dass der physikalische Exkurs oben schon genug war :D
    Was ihr genau mit Lugol, Melzer usw. machen könnt und wo diese Chemikalien zum Einsatz kommen, werde ich an den entsprechenden Stellen erläutern. Dort folgt dann auch eine kurze Erklärung, warum gerade dieser Effekt zustande kommt.


    baumwolllactophenol.jpg
    Baumwollblau / Baumwoll-Lactophenol


    kongorot.jpg
    Kongorot


    lugol.jpg
    Lugol (eigentlich blassgelbliche, iodhaltige Substanz, deshalb die Braunfärbung auf dem Taschentuch)


    mikroskopierkasten.jpg
    Mikroskopierkasten, Marke Eigenbau (ich weiß, viel Gerümpel drin :D)


    So hier mache ich jetzt doch mal Schluss, bzw. ne Pause und lasse das erstmal sacken, bevor ich hier in die Materie gehe :) Wenn ihr hierzu schonmal Fragen habt, stellt sie gerne.


    lg björn


    [hr]
    Quellen:


    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Thema_(Musik)


    [2] Schwarzwälder Pilzlehrschau


    [3] Myko-Shop von A. Gminder


    [4] Immersion (Mikroskopie) – Wikipedia


    Hallo, das müsste Volvariella volvacea, der Schwarzstreifige Scheidling sein. Kommt in freier Natur recht selten vor ( wird aber in Asien kultiviert ).
    Auf alle Fälle aber kein Scheidenstreifling - wie Melanie ja erwähnt hat, fehlt der geriefte Hutrand.


    Also jetzt reichts aber langsam :D :D


    Du, schmechtarius, schaust dir nochmal die Stielhülle von V. volvacea an, sowie dessen Hutoberflächenstruktur und vergleichst nochmal mit Ralfs Fund und berichtest uns, zu welchem Ergebnis du gekommen bist. Scheidlinge der Gattung Volvariella neigen zudem fast nicht dazu, Velumreste auf dem Hut zurückzulassen.


    Leute, ich pauk euch noch die Unterschiede zwischen Amanitopsis und Volvariella in naher Zukunft ein, verlasst euch drauf. :cursing:


    lg björn


    [[[edit: nicht böse gemeint das Ganze und schließt natürlich Irrtümer meinerseits nicht aus, das möchte ich hier in jedem meiner Beiträge erwähnt haben. Farbverfälschungen anhand des Fotos, eventuell nicht sichtbarer Merkmale usw. sind in meinen Beurteilungen stets mit eingerechnet, so auch hier. Der Grund, warum Volvariella ausgeschlossen werden kann, liegt in der Struktur der Hutoberfläche sowie dem häutigen Velumrest auf dem Hut und der weißen Stielscheide [V. volvacea: grau, feinfilzig].]]]


    Ne, Volvariella kannste vergessen, das hier ist definitiv ein Scheidenstreifling, nur ob A. magnivolvata, A. pachyvolvata oder nochwas anderes, kann ich so nicht sagen.


    lg björn

    Ich hatte das Bild schon in einem Exkursionsbericht eingestellt, aber da ist die Frage wohl untergegangen.


    Hallo Ralf,


    ne untergegangen ist sie nicht wirklich, ich hab nur alleine anhand des Fotos nicht viel dazu zu sagen, Ich hab mich in diesem Jahr bereits einmal mit Scheidenstreiflingen außerhalb von A. vaginata, A. crocea, A. fulva und A. battarrae auseinandergesetzt, und hab gesehen, dass ihre Zahl mit 18 zwar begrenzt ist, die einzelnen Arten jedoch schwer bestimmbar sind, ihre Merkmale teilweise auch ineinander fließen. Daher sage ich hierzu nix, weil Scheidenstreiflinge sind in diesem Jahr für mich "gegessen". :D


    lg björn

    Hui mit welcher Kamera wurde denn jetzt das Bild der Trichopeziza gemacht? Mit deiner Canon Powershot? Das ist mal echt beeindruckend, genau da möchte ich mit meiner Makro-Fotografie nämlich auch hinkommen ;)


    lg björn


    Interessante Diskussion hier, dabei gucke ich mir Bilder von Grauen Wulstlingen, Perlpilzen, Pfifferlingen, Hallimasche und dergleichen gar nicht mehr an.


    Jedenfalls hast du, Ralf, einige Dinge falsch interpretiert. Insbesondere die Farbe der Velumreste von A. excelsa sind nicht weiß (wie ich auf meinen Exkursionen sicher schon 100.000 mal gesagt habe), sondern grau. Das ist ja gerade der Unterschied zum Fliegenpilzvelumweiß des Pantherpilzes. Es erinnert an die weißen Punkte des Fliegenpilzes, nicht nur aufgrund der Farbe, sondern auch aufgrund der Form. Beim Grauen Wulstling und beim Perlpilz sind die Velumreste aber nicht weiß, und zudem zu 95% (Formen gibts unendlich viele, ich weiß) nicht in einzelnen Punkten angeordnet, sondern schollenartig zusammengeflossen (bzw. zusammengeblieben).


    Der Habitus ist mehr als 100% Grauer Wulstling, der zylindrische Stiel, der ab der Mitte mit dunklen Erdresten behangen ist, spricht allemal dafür. Selbst wenn der Hut leichte gelbbraune Töne aufweisen sollte, so macht dies noch keinen Perlpilz.


    Das war jetzt meine Stellungnahme dazu.


    lg björn






    [/quote]


    stimmt, meine Makros sind meistens nicht gestackt, insbesondere die Bilder von Moosbecherlingen wurden durch ein Mikroskop fotografiert (siehe dazu Pilzfestival V, beispielsweise) :)