Beiträge von bwergen


    was soll man da weiter überlegen?! Tremella mesenterica
    Tausend mal gesehn, tausend mal lies ich ihn stehn .... ;)


    Genau, und 500 mal davon wars Tremella aurantia.


    Wobei ich hier wie auch pacmani davon ausgehe, dass es tatsächlich T. mesenterica ist, da diese Art potentiell häufiger an dünneren Ästen ist (oft auch an hoch hängenden Ästen). Tremella aurantia dagegen scheint ein "bodenständiger" Pilz zu sein, der an Stereum hirsutum parasitiert, die bekanntermaßen auch eher an Stümpfen und dickeren, umliegenden Stämmen zu beobachten ist. Falls letzteres also vorliegt und sich ein gelber Zitterling zeigt, würde ich diesen mal genauer unter die Lupe nehmen.


    Bei den Exkursionen im Bergischen Land wird demnächst speziell darauf geachtet und Ergebnisse wie immer in entsprechende Beiträge gepackt.


    lg björn


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    nochwas: Ist das überhaupt Kiefernholz? Das sieht mir eher nach einem Eichenast aus...zumindest hab ich das gedacht bis ich deine Beschreibung gesehen habe :D

    Hallo Ivan,


    ich heiße dich ebenfalls willkommen in unserem "kleinen" aber verrückten Pilzforum, schau dich in Ruhe um, wir sind schon gespannt auf deine Bilder und Fundberichte :)


    Im Unterforum Pilzbestimmung kannst du, solltest du diese haben, unbestimmte Pilze zur Bestimmung zeigen.


    lg björn

    Dein Baum ist eine Douglasie (Pseudotsuga menziesii), man achte auf den Bildern oben auf die mit kleinen Harzbläschen überzogene Rinde, die vor allem bei jungen Bäumen sehr charakteristisch ist.


    Die Nadeln bestätigen dies nochmal, wäre es Abies alba, hätten die Nadeln auf der Unterseite zwei hellgrüne Streifen und nicht nur einen dunkleren in der Mitte.


    lg björn

    Ich will nicht Andreas Antwort vorausnehmen, aber ich nehme mal ne eigene Stellung dazu.


    RL = Rote Liste.


    Pilze, die auf der Roten Liste stehen, gelten gemeinhin als "begrenzt essbar" bzw. "nicht essbar, weil geschützt". Das gilt u.a. für sämtliche Rotkappen und viele andere Röhrlinge (Gyrodon, Gyroporus, Boletus).


    Scheidenstreiflinge sind essbar, sie bilden eine eigene Gruppe (= Amanitopsis) innerhalb ihrer Gattung, da sie kein Velum partiale bilden.


    lg björn

    Die Fomitopsis ist im jungen Zustand typisch orangegelblich, und zwar auf der ganzen Oberseite bis auf den weißlichen Rand, der eine ständige Zuwachszone darstellt. Die Unterseite ist aber typisch weiß mit gelblichen Flecken (die Poren werden zunehmend komplett gelb).


    Erst wenn die Fruchtkörper älter als, ich denk mal 8-12 Monate sind, wird die orangegelbe Schicht graubraun und es bildet sich aufgrund der vollständig abgeworfenen Sporen eine neue Porenschicht und mit ihr auch eine neue, jetzt rötlich gefärbte Oberseite, welche halbkreisförmig um die graue, alte Oberseite ansetzt. Ganz am Rand kann die ständig wachsende Zone dann auch gelb sein, und es entsteht der Eindruck, als wär der Porling mit Pipra filicauda verwandt...:D


    lg björn

    - Weil du oben einen Schnitzling ansprichst... wie kann man z.B. Lacktrichterlinge von Schnitzlingen sicher unterscheiden?


    Das ist relativ einfach: Lacktrichterlinge sind Weißsporer, Schnitzlinge generell Braunsporer. Die Schnitzlinge sind auch systematisch ganz woanders als die Lacktrichterlinge.


    P.S.: Ich finds klasse, dass du viele Fachtermini einstreust - so lernt man nebenbei gleich noch etwas dazu :)


    Das ist gut. Ich denke nämlich immer daran, dass ich die Beiträge nicht damit überfrachte. Andererseits: Beim Anwenden von nur botanischen Namen geht der eine oder andere vielleicht hin und gibt die Begriffe bei google einfach ein, um sich selbst ein Bild von dem jeweiligen Pilz zu machen und den deutschen Namen selbst rauszufinden. Das ist ganz sicher besser als wenn ich hier alles vorkaue und dann niemand mehr genauer hinguckt.


    lg björn

    Ja Melanie, deine Aufnahmen sind sehr aussagekräftig. Ich freue mich auf das Octosporapacket und gehe mal jetzt davon aus, dass das beides Octospora affinis ist. Falls es tatsächlich 2 sein sollten, dann wäre der größere, orangerötlich gefärbte O. orthotricha.


    Ergebnisse kommen in dieses Thema.


    lg björn

    Ich würd davon ausgehen, dass S. flavida das auch machen kann. Bei Schlauchpilzen ist die Bildung von Konidien gar nicht ungewöhnlich und möglicherweise sogar repräsentativ für die komplette Gruppe als Möglichkeit einer effizienten oder auch weniger effizienten Verbreitung (die Bildung von Sporen mittels Karyogamie hat sich in der Evolution durchgesetzt, dazu bald mehr!).


    lg björn

    Nando, es gibt dazu keine Texte auf indexfungorum, das ist die Erfahrung aus eigenen Funden bzw. aus unterschiedlichen Texten in der Fachliteratur. Indexfungorum sagt dir nur, wo Pilz xyz hingehört (das solltest du überprüfen) und gibt bestenfalls den Ort der Erstbeschreibung oder Umkombinierung an.


    Dein Fund dürfte aber relativ klar S. flavida sein, denn die gelben Fruchtkörper sind makroskopisch eindeutig. Die anderen Arten der Gattung besitzen andere Fk-Farben und teils auch andere mikroskopische Merkmale, wenngleich diese von Literatur zu Literatur variieren (Laux, Gerhardt...ich habs schon oft genug gesagt, was ich davon halte).


    lg björn

    Hallo,


    in deinem Wald, anscheinend bestehend aus vorwiegend jüngeren Bäumen, davon Quercus, Corylus und Alnus, die allesamt der Ordnung Fagales angehören und somit überhaupt schonmal mykorrhizafähig sind, könnte man folgendes finden:


    Corylus hat vor allem Mykorrhizapartner aus den Gattungen Lactarius (Milchling), Russula (Täubling) sowie Inocybe (Risspilz) und einige Cortinarien (Schleierlinge).


    Quercus kann enorm viele Mykorrhiza-Verbindungen eingehen, u.a. mit Cortinarius, Inocybe, Amanita (Wulstlinge), Tricholoma (Ritterlinge) usw.


    Alnus dagegen scheint weniger Auswahl zu haben, insbesondere häufig sind Naucoria (Erlenschnitzlinge), Russula pumila, Lactarius obscuratus, Cortinarius bibulus, Cortinarius helvelloides, Cortinarius alnetorum sowie der Röhrling Gyrodon lidivus (Erlengrübling).



    Saprobionten gibt es in dem Wald auch einige, einen davon (Exidia) hast du bereits entdeckt. Die Saprobionten an Erlen, Eichen und Haselnuss sind extrem vielzählig, da musst du einfach mal gucken, was sich da so finden lässt. Im Frühjahr sind die Kätzchen von Alnus (ab Februar!) von der sehr häufigen Ciboria amentacea besetzt. Kannst ja mal drauf achten und wenn du mehr Material, Bestimmungshilfe oder einfach Bilder haben willst, meld dich.


    lg björn

    Interessant. Sprosst die Spore auf dem letzten Bild Sekundärsporen ab?? Den Vorgang hätte ich mal näher betrachtet, er wird in der Literatur für S. flavida nicht erwähnt.
    Lediglich MEDARDI (2006) beschreibt für S. rufa "kleine Konidien an der Sporenoberfläche".


    Sehr interessanter Vorgang. Derzeit wird ja diskutiert, ob die Gattung mitsamt ihrer Familie Cudoniaceae in die Rhytismatales einzuordnen ist (siehe auch indexfungorum.org). Wenn man sich das mal überlegt, klingt das schon sehr abenteuerlich und zeigt ein ums andere mal, dass die Schlauchpilze morphologisch, molekularphylogenetisch und zusammenfassend evolutiv kaum erfasst sind.


    lg björn


    Gerdhardt, Laux und wie sie alle heißen sind in dieser Hinsicht begrenzt...SEHR begrenzt!


    lg björn

    Merlena: Der untere ist wahrscheinlich Mycena galericulata, zumindest sind die typisch anastomosierenden Lamellen erkennbar. Der Hut ist auch vergleichsweise groß und das Substrat passt sowieso (Laubholz).


    Der erste dürfte auch ein Helmling sein, dieser ist so anhand der Bilder aber für mich nicht bestimmbar.


    lg björn

    Hallo,


    angesichts eines schönen Fundes von Lepista personata, Lilastiel-Rötelritterling, möchte ich euch hier auf mikromorphologischer Ebene skizzieren, wie ein Pilzfruchtkörper aufgebaut ist. Selbstverständlich ist die Gattung Lepista nicht repräsentativ für die ganze Agaricales (Ordnung der "Lamellenpilze"), hat aber gewisse Merkmale, die absolut typisch sind für einen Pilz, der Fruchtkörper mit Hut, Lamellen und Stiel bildet.


    Die Gattung Lepista, zu deutsch Rötelritterling, ist eine vergleichsweise kleine Gattung mit etwa 20 mitteleuropäischen Arten, die sich in der Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae) befindet. Ritterlinge sind gewöhnlich robuste Pilzarten mit dicken Stielen und kompakten Hüten. Sie weisen mikroskopisch keinerlei Besonderheiten auf, d.h. weder strukturell auffallende Zystiden, keine Sporenoberflächenstruktur und keine pigmentierten Sporen. Sie stehen somit weit unten auf der evolutionären Leiter innerhalb der Agaricales. Die Lepista-Arten dagegen haben nicht nur leicht gefärbte Sporen, diese sind auch noch mit einer Oberflächenstruktur versehen (fein warzig). Mehr zu dem Thema Evolution gibt es aber in einem Vortrag ab April 2012 zu sehen.


    Kommen wir doch zur Mikroskopie. Wie man mikroskopiert und welche Gegenstände notwendig sind, um dies auch richtig zu machen, habe ich bereits in Kapitel I erläutert. Weit verbreitet ist das Anfertigen eines sogenannten Quetschpräparats, dabei wird das Objekt einfach zwischen Objektträger und Deckgläschen mit Hilfe eines Radiergummis leicht gequetscht, sodass die Hyphen auseinandertreiben und sich somit die Sichtbarkeit einzelner Strukturen deutlich verbessert. Man sollte nur vor allem bei Oberflächenpräparaten nicht zuviel quetschen, sonst erkennt man unter dem Mikroskop nicht mehr, was die Oberfläche eigentlich ausgemacht hat.


    So hier aber erstmal das "Material":


    lepistapersonata1a.jpg
    Lepista personata, Lilastiel-Rötelritterling


    lepistapersonata1c.jpg
    Hyphen im Stiel. Die meisten verlaufen geradewegs nach oben, sind dünnwandig, regelmäßig septiert und jeweils mit Schnallen (nächstes Foto). In jedem der Zellen befinden sich 2 Kerne (=dikaryotisch). Die Hyphenlänge hat eine gewisse Grenze, das heißt ab einer bestimmten Phase teilen sie sich nicht mehr, sondern wachsen nur noch in die Länge. Das macht im Sinne des Wachstums der Hyphen auch Sinn.


    lepistapersonata1e.jpg
    Hyphe mit Septierung und Schnalle. Solche Schnallen entstehen bei der Teilung der Kerne, wobei einer geradewegs in die jeweils vorangegangene Zelle wandert, der andere einen "Bogen" und somit die Schnalle macht.


    lepistapersonata1d.jpg
    Stieloberfläche mit herausstehenden Hyphen, welche im Ganzen den Stiel rau, faserig, genattert oder schuppig erscheinen lassen kann.


    lepistapersonata1f.jpg
    Schnitt durch eine Lamelle. Gut erkennbar ist unten das regulär verlaufende Lamellentrama (Hyphen verlaufen parallel zur Lamellenschneide hin und biegen knapp unter der Lamellenfläche zur Bildung des Hymeniums um (das Hymenium mit den Basidien ist im Bild oben zu sehen).


    lepistapersonata1b.jpg
    Blick auf das Hymenium mit Sporen im Vordergrund.


    lepistapersonata1g.jpg
    Blick auf die Hutoberfläche. Oben erkennt man irregulär verlaufende, dünne Hyphenstrukturen mit Zwischenräumen. Dies ist die Huthaut des Pilzfruchtkörpers, und diese ist hier etwas gelatinös, d.h. die oberen Hyphen sind in eine gelatinöse Schicht eingebettet. Darunter sind die Hyphen dicker.


    lepistapersonata1h.jpg
    Hyphen der Huttrama (Hutfleisch) deutlich dicker.
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    In der Präsentation sieht dies dann so aus:
    pptlepistapersonata.jpg
    Mikromorphologie von Lepista personata



    Die Art wurde übrigens mitten in Köln auf einer kleinen Grasfläche zwischen einem Fahrradweg und des Ehrenfeldgürtels gefunden.


    lg björn


    Björn, ich dachte, ich hätte gelesen, Du ißt keine Pilze? ;)


    Datanem, ich habe Deine Zeitrafferaufnahme sehr genossen, vielen Dank dafür! :) Aber Du bist Schuld, dass ich die halbe Nacht auf war und viel zu müde zur Arbeit fuhr :D Nachdem ich aufgrund Deines Links schon mal auf Youtube war, klickte ich verheerenderweise auch noch weitere "Pilzfilme" an und konnte mich dann nicht mehr vom Laptop lösen *gäähhn* ;)


    LG,
    Kuschel


    Ach so verrückte Sachen kann man doch mal machen, ausnahmsweise :D


    ...Generell sind das Gemeine Stummelfüßchen (Crepidotus variabilis) sowie das Kugelsporige Stummelfüßchen (Crepidotus cesatii var. cesatii) relativ häufige Vertreter dieser Gattung. Das kann man nur mikroskopisch klären.


    Hallo Björn,
    hättest du Lust dazu, das mal mikroskopisch anzugucken? Dann würde ich dir ein paar dieser Pilzchen schicken.
    Besten Gruß
    Chris


    Na klar. Trockne sie an dem Substrat etwas und pack sie ein (sie sollten nicht zu feucht sein, Stummelfüßchen halten sich nach meiner Erfahrung in einem guten Zustand etwa 4-5 Tage).


    Adresse hast du noch?

    Nicht alleine die Konkurrenz dürfte das entscheiden, sondern vielmehr die geringe Wahrscheinlichkeit bei einer geringeren Anzahl von Sporen, auf geeignetes Substrat zu treffen. Deshalb wird die Sporenanzahl so angepasst, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Vermehrung erhöht.


    lg björn

    Ja das macht die ganze Sache interessant. Noch interessanter wird es, wenn das Moos NICHT Orthotrichum affine, sondern vielleicht sogar Orthotrichum diaphanum oder noch etwas anderes ist. DANN kommen auf einmal weder O. affine, noch O. otrhotrichum (diese Art soll nur an O. diaphanum wachsen) in Frage, sollten die Mikromerkmale nicht deutlich für eine der beiden Arten sprechen.


    Also: Entweder bekommt Herr Benkert schon wieder Post von mir, oder ich schaffe es diesmal, die Art korrekt nach einer bereits von ihm beschriebene Art zu bestimmen (letzteres wäre mir lieber :D )


    lg björn

    Zitat

    Auch die befallene Wirtsmoosart führt schnell zu einem Ergebnis. So parasitiert Octospora wrightii ausschließlich an Amblystegium serpens s.l. und Octospora hygrohypnophila an Hygrohypnum luridum. Allein Octospora affinis ist spezialisiert auf Orthotrichum affine.


    Das sagt einiges, und zwar dass man auf das Wirtsmoos achten muss. Mikroskopisch sehen sich die drei Arten (ich kenne die Sporen von O. wrightii und O. affinis) sicherlich sehr ähnlich und wurden deshalb auch längst zu einer Gruppe zusammengefasst.


    Da das Moos hier aber weder Amblystegium noch Hygrohypnum ist, bleibt eigentlich nur O. orthotricha übrig, eine Art mit elliptischen, aber ebenfalls warzigen Sporen.


    lg björn