Beiträge von bwergen

    Ha, Rada, es ist zwar nicht Sonntagabend, aber immerhin habe ich heute noch so gut wie alles wichtige durchmikroskopiert und alles fotografisch festgehalten, sogar jedes kleinste Detail.


    Rada und ich waren vergangenen Samstag insgesamt 5 Stunden in einem der umliegenden Gebiete unterwegs und streiften nicht nur durch morastige Erlenbrüche, sondern stiegen auch noch geschätzte 80% Steigung hinauf zu einem knapp unterhalb der Wolkendecke liegenden Kiefern-Birken-Mischwald, in dem es derzeit von Pilzleere nur so strömte.


    Einen guten Vorsatz für das Jahr 2012 war das Berücksichtigen auch der sonst wenig beachteten Rindenpilze und kleineren Becherchen (von denen einer noch nicht untersucht ist, folgt die nächsten Tage aber!). Naja, ein anderer Vorsatz hängt da "leider" unweigerlich mit dran: Arbeit, und zwar jede Menge. Ich bin für die Zusammenstellung dieser Fotos hier durch die mykologische Hölle gegangen und hab den Sonntag zu einem Werktag verhackstückt. Ach die einfachen Sammler haben es leicht :D


    Naja kommen wir zu den Funden, da war auch diesmal wieder einiges schönes dabei und mein Rindenpilzhorizont hat sich beträchtlich erweitert :)


    BASIDIOMYCETEN


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    Crepidotus luteolus, Gelbweißes Stummelfüßchen


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    Resupinatus trichotis, Flaumiger Zwergseitling


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    Schizophyllum commune, Spaltblättling


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    Antrodia serialis, Reihige Tramete an Nadelholz


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    Gloeophyllum odoratum, Fenchelporling


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    Peniophora incarnata, Fleischfarbener Zystidenrindenpilz in Kongorot angefärbt und anschließend in KOH untersucht


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    Peniophora incarnata, Gloeozystiden angefärbt in Sulfovanilin


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    Tulasnella violea, Lilafarbene Wachskruste


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    Exidia recisa, Kreiseldrüsling, Mikrodetails (links: längsgeteilte Basidie mit langen Sterigmen).


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    Vuilleminia comedens, Rindensprenger


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    Resinicium bicolor, Zweifarbiger Harzrindenpilz (2. und 3. Foto mind. 50x Vergrößerung).


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    Resinicium bicolor, oberes Foto zeigt kopfige Halozystiden mit einer dicken, durchsichtigen, gelartigen Schicht an der Spitze. Unteres Foto zeigt eine "Aculei" (das, was makroskopisch als "Zähnchen" sichtbar ist" mit einer Basidie auf der rechten Seite.


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    Hyphodontia pallidula, Blasser Filzmattenrindenpilz mit säulenartig aufragenden, auffällig verdickten Zystiden [pers. Erstfund][hr]
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    Athelia bombacina, Seidig-weiße Gewebehaut [pers. Erstfund]


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    Cerocorticium confluens, Zusammenfließender Rindenpilz


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    Hyphoderma sp.
    Hier gibt es wieder das Problem, dass keiner der Arten, die in meiner Literatur vorhanden sind, passend ist. Ich hefte diese Funde erstmal ab und warte, bis ich mehr Erfahrung im Umgang mit dieser Gruppe habe bzw. bis sich jemand meldet und mir ein paar Hilfestellungen dazu gibt. Eventuell werden diese Funde auch noch in anderen Foren erscheinen.


    SCHLAUCHPILZE


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    Arachnopeziza aurata, Blassgelbes Spinnwebbecherchen


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    Cosmospora epiphaeria, Aufsitzender Pustelpilz auf Diatrype stigma


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    Diatrypella favacea, Birken-Eckenscheibchen


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    Glyphium elatum, Keilförmiger Kohlenpilz


    DEUTEROMYCETES (Nebenfruchtformen)


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    Möglicherweise eine Konidienform einer Botryobasidium sp. (Traubenbasidie) aufgrund des resupinaten Wachstums und der apikal an sich teils verzweigenden Endhyphen absprossenden Konidiosporen.


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    Konidienform eines Schlauchpilzes, oben rechts sind sogar Sporen erkennbar, die aus Sporenschläuchen kommen (wurden im selben Präparat gefunden). Da diese aber keinem der beobachteten Fruchtkörper zugeordnet werden konnten, bleibt erstmal unklar, welche Hauptfruchtform sich hier hinter verbirgt. Das wird die nächsten Tage noch zu untersuchen sein.


    das wars erstmal, ich will ja nicht eure Browser zum Absturz bringen :D



    lg björn

    Hallo Dieter,


    vielen Dank für die Hinweise. Ich arbeite eher selten mit den schädlicheren Materialien und falls ja, dann äußerst vorsichtig und nach der dir hier beschriebenen Methode (siehe dazu bald auch zum Thema Gloeozystiden von Peniophora in "The Chemical Cabinet").


    lg björn


    Mit Erfahrung. Konidienformen von Dacrymyces-Arten sind immer dunkler orangefarben und scheinen von der Konsistenz her dem Zerfließen nahe, während die Hauptformen kompakt erscheinen, wie fester Wackelpudding und eher hellgelblich sind.


    Auch hier: demnächst mehr zum Thema Konidienformen.


    lg björn

    Ne, gerne mehr davon, Peggy :)


    zeigt das letzte Foto einen Weberknecht? Er scheint dem Begriff "Extremität" eine neue Bedeutung zu geben :D


    Nr.1 könnte Phlebia rufa sein.


    Mit raduloid-labyrinthartigem, eher schon porigem Hymenium? Ja klar, ich lass mir bald wirklich nen Bart wachsen :D


    Schau dir besser mal Schizopora paradoxa an. Eine sichere Bestimmung ist in einigen Fällen von Vorteil, weil die Art sehr variabel ist.


    [2] und [3] zeigen möglicherweise die gleiche Art, nämlich Hymenochaete tabacina, die zumindest in der Farbe sehr unterschiedlich aussehen kann (unsere Funde waren mal gelbbraun, mal sehr blass ockerfarben bishin zu grauweißlich). Ich gehe davon aus, dass die Farbe der Fruchtkörper abhängig ist von der Menge des Lichts, die sie abbekommen sowie auch vom Alter.


    lg björn


    ...und war da vorher nicht Vuilleminia comedens (Rindensprenger) am Werk? Oder wirft Diatrype stigma auch die Rinde auf? Ist Diatrype nicht eigentlich schwarz? - Tja, und Hexenbutter (Exidia plana cf.) ist jetzt auch in Aktion.


    Viele Fragen auf einmal :D


    1. Nein! Kann natürlich passieren, aber muss längst nicht sein.
    2. Ja, kann er!
    Übrigens: Auch Peniophora laeta (im Herbst Massenpilz an Hainbuchenästen) kann sowas.
    3. nicht im jungen Zustand, da sind die Fk grau.


    lg björn

    Hallo,


    ich war heute mal kurz am sogenannten "Brandenburger Tor", das ist ein großes Waldgebiet und ein Teil des Hürtgenwaldes (Nordeifel). Die Gegend ist seit jeher berüchtigt für ihre vielfältigen Pilzvorkommen.


    Naja, Steinpilze und Pfifferlinge links liegen gelassen, ging es bergab in ein kleines Tälchen, in dem Erlen und Fichten ein Rendezvous ausgemacht zu haben schienen. Jedenfalls war hier Fehlanzeige in Bezug auf Sarcoscypha. Dafür zeigten sich aber andere Pilzchen, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar hier und dort hinter den Büschen versteckt die Köpfe einzogen, auf dass sie bloß nicht von mir entdeckt werden sollten...naja, hatten wohl Pech, die Pilze ^^


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    Mycena speira, Bogenblättriger Helmling, unteres Foto: Makro (mind. x40), unten abgebildet: Stieloberfläche mit hervorstehenden Hyphen.


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    Hyphenbüschel auf der Stieloberfläche


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    Zweisporige Basidien


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    Myxarium nucleatum, Kerndrüsling, an einem stehenden Laubbaum


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    Fomes fomentarius, Zunderschwamm


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    Fomitopsis pinicola, Fichtenporling


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    Botryobasidium botryosum, Navicularsporige Traubenbasidie, zusammen mit Stereum sanguinolentum an Picea


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    Hymenium von Botryobasidium botryosum, ca. x100-120


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    Botryobasidium botryosum, verschiedene Mikrodetails (Basidien, Sporen, Hyphen)


    Genaue Hinweise gibt es nur mikroskopisch, da soll die Unterscheidung der beiden Arten anhand unterschiedlich geformter Cheilozystiden vonstatten gehen. Das habe ich Anfang 2011 mal ausprobiert. Die Cheilozystiden passten selbst in EINEM Präparat mal eher zu T. hiemalis und mal eher zu T. furfuracea. Für mich also keine zwei verschiedenen Arten, weil es keine vernünftig anwendbaren Trennmerkmale gibt.


    lg björn


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    indexfungorum.org bestätigt diese Beobachtung übrigens, hier wird T. hiemalis in die Synonymieliste von T. furfuracea eingereiht.


    Ja für mich fast eindeutig Eichenholz, habs nur nicht selber in den Händen daher ist es per Foto schwierig...

    Begriffe:


    Pleurozystiden = Zystiden der Lamellenfläche. Zystiden werden dabei alle Zellen genannt, die aus einer Fläche mehr oder weniger deutlich herausragen.


    Chrysozystiden findet man bei Träuschlingen und Schwefelköpfen.


    [hr]
    Freut mich sehr, dass es dir gefällt, Andreas :)

    Hi


    in diesem verrückten Beitrag stelle ich von Zeit zu Zeit ein Bild eines Mikropräparats vor, welches ich mit z.T. mehreren Reagenzien in unterschiedlicher Reihenfolge der Anwendung behandelt habe. Insofern könnte man diesen Beitrag auch als dritten Teil der Pilzmikroskopie betrachten.
    Ich möchte hier insbesondere zeigen, was man mit den unterschiedlichen chemischen Mitteln anstellen kann, wenn man die Pilzarten mit den entsprechenden Mikrostrukturen vorliegen hat. [hr]

    Chrysozystiden


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    Chrysozystiden als Pleurozystiden auf der Lamellenfläche vom Orangeroten Träuschling, Stropharia aurantiaca, angefärbt mit Patentblau V und mehrmaligem Auswaschen in Ammoniak.


    Chrysozystiden enthalten einen basischen Inhalt, der sich mit Patentblau V anfärben lässt. Säurehaltige Substanzen werden in Patentblau V grünlich gefärbt. Heutzutage wird die Chemikalie als Lebensmittelfarbstoff (u.a. für blaue Smarties... :D ) verwendet.



    Guten Appetit.


    lg björn

    Alles tolle Fotos hier, respekt.


    @Damian: dein Kreuzspinnenfoto ist klasse. Echt krass sowas, das sieht lustig aus :D[hr]
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    Yeah, Spiderman :D


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    Ein Weberknecht (in der Krautschicht sehr häufig anzutreffen, auch hier gibt es mehrere Arten mit unterschiedlich gefärbten Körpern und Beinen).


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    Marienkäfer


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    Psyllobora vigintiduopunctata


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    Polyommatus icarus


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    Philaenus spumarius, Wiesen-Schaumzikade


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    Winzling, nur ca. 2 mm lang: Zygiella x-notata



    hab noch mehr fotos, die lade ich beizeiten auch mal hoch hier :)


    Ich hoffe ich hab die Insekten richtig bestimmt, ich bin nämlich kein Spezialist.
    lg björn

    Na gut, die Tremella ist der Rotbraune Zitterling (Tremella foliacea). Etwas anderes kommt bei einer derartigen Fruchtkörperbildung nicht in Frage.:D


    lg björn