Beiträge von bwergen


    Mann, sind die winzig! Hatte mir den Ast zum Glück mitgenommen und eben nochmal reingeholt - und mußte mit der Lupe ganz ordentlich gucken, bevor ich sie identifizieren konnte - auf dem Foto hätte ich die nicht bemerkt.
    Das macht sicher die Erfahrung!
    Danke & Gruß
    Chris


    Ja, musste auch erst mit der Lupe über das Bild gehen, um sie zu sehen :D[hr]
    Hier ist die Art übrigens vergrößert (40fach):


    cosmosporaepiphaeria1.jpg


    Fundort: Bergisches Land, 14.1.2012 an abgestorbenem Stroma von Diatrype stigma


    Cosmospora wurde eigens aufgrund des Wachsens an Kernpilzen von Nectria (= Pustelpilze) abgetrennt.

    Hi


    vielen Dank für deine Mühen, Nosozia. Das finde ich echt gut. Leider kann ich mit den Zeichnungen nichts anfangen bzw. sie nur rudimentär einer Art oder Gattung zuordnen.


    So wie ich das sehe, hast du Cheilozystiden gefunden, die durchaus in Richtung "lecythiform" gehen, also kopfig mit bauchigem Unterteil. Die Gattungen Stropharia, Hypholoma, Inocybe, Hebeloma usw. können solche Zystiden im Extremfall ausbilden, wäre aber nicht der Normalzustand. Lecythiforme Zystiden gibt es meines Wissens fast nur in Conocybe und Galerina, wobei deine Art aber makroskopisch nicht dazu passt.


    Die Sporen scheinen zudem dickwandig zu sein. Durchaus ein Merkmal für die oben genannten Gattungen.


    Amyloidität kannst du nur durch Melzers Reagenz nachweisen. Falls sich dann die Sporen blau färben, handelt es sich um amyloide Sporen, falls sie sich rot färben (rotbraun, orangebraun), dann sind sie dextrinoid. Falls keine Färbung erkennbar = inamyloid.


    sry aber ich kann dir nicht weiterhelfen, dazu müsste ich den Pilz hier haben und mikroskopieren, dann die Schlüssel durcharbeiten.


    lg björn

    Gerne, der eingekreiste Fk hat für mich deutlich sichtbar rötliche Pünktchen. Mit der 10fach Lupe kann man die Dinger einigermaßen erkennen.


    unbenannteot.jpg


    Bei Pilzwanderungen mitgehen und dort Infos mitschreiben und zuhause dann nachschlagen ist schonmal sehr gut. Gerhardt oder Laux stellen de fakto gängige Bestimmungsbücher dar, sind aber leider nicht nur begrenzt, sondern an vielen Stellen auch wenig informativ, insbesondere im Bereich der Taxonomie, der Giftwirkung von Pilzen, "realistische" Verwechslungsgefahren usw.


    Als interessierter Mykologe wie ich es vielleicht bin schaue ich in diese Bücher nicht mehr rein, weil sie keine Infos liefern, die für mich relevant wären. Es handelt sich eben um Bilderbücher, die man mit in die Natur nimmt, um darauf zu hoffen, gerade die Seite aufgeschlagen zu haben, wo der gefundene Pilz abgebildet ist, und zwar in genau den Farben, Formen und Größen. Das ist relativ ein Manko der modernen Bestimmungsweise von Amateuren, die glauben, etwas über Pilze zu wissen, und ich denke mal, dass diese Art von Bestimmung das Verwechslungsrisiko nicht senkt, ja ich würd sogar sagen, es erhöht es sogar noch, weil man ja sicher denken kann, dass Sprüche kommen wie "ja das muss mein gefundener Pilz sein, schließlich ist es ja ein Pilz-Bestimmungsbuch, dem man glauben kann und das ja auch was gekostet hat [Laux kostet glaub ich 24,99 oder so]).


    Naja, darüber könnte man noch viel diskutieren, aber mein Standpunkt dürfte klar sein: Die beste Methode zum Kennenlernen von Pilzen ist eine Exkursion.


    lg björn


    Bei dem auf Buchenholz wachsenden Schichtpilz würde ich Stereum hirsutum vermuten, aber vielleicht käme auch subtomentosum in Frage. Oder liege ich ganz verkehrt? Die Oberseite fühlte sich durchaus samtig an, aber die Scheibchen hatten durchaus teilweise etwas mehr als die 3 cm Durchmesser, die im Gerhardt angegeben werden.


    Nimm den Gerhardt weg und steig in die richtige Pilzbestimmung ein :D


    Ne, im ernst: Lycoperdon pyriforme ist richtig. Der zweite Pilz ist so nicht ansprechbar, von oben sieht er aus wie Trametes versicolor, aber ohne die Unterseite zu betrachten, kann man hier nicht viel sagen.


    Stereum subtomentosum wächst eher selten an Buchenholz (eher ein Auenwaldpilz). Würd ich also ausschließen. Schau dir mal die Unterseite an. Falls porig, dann ist es die Trametes, falls nicht, dann eben eine Ausnahme des Stereum subtomentosum an Buche.


    lg björn

    Das ist Hypoxylon fragiforme zusammen mit einem Rindenpilz, möglicherweise Cylindrobasidium laeve UND einem Kernpilz, Cosmospora episphaeria (auf dem 2. Bild auf einem der Fruchtkörper unten links zu sehen!).


    lg björn

    Meine Vermutung hat sich bestätigt:


    Crepidotus cesatii var. cesatii, Kugelsporiges Stummelfüßchen. Danke an Chris für das Zuschicken seines Fundes.


    Fotos lohnten aufgrund der eingetrockneten Sporen nicht. Die Post war leider etwas langsam mit dem Verschicken des Päckchens.


    lg björn

    Willkommen zu einer neuen "Ausgabe" des Chemistry Cabinets, in der ich etwas näher auf die sogenannten Gloeozystiden eingehen möchte.


    Was sind Zystiden?
    Es handelt sich hierbei um mehr oder weniger stark aus der Oberfläche eines Pilzes (besonders häufig bei Rindenpilzen) herausragende Zellstruktur, genauer gesagt, eine "Endzellstruktur". Die Hyphen in einem Fruchtkörper laufen zur Oberfläche und bilden an ihrem Ende sozusagen eine Zelle aus, welche eine ganz bestimmte Merkmalskombination aus Oberfläche, Form, Farbe, Größe, Abundanz und chemischer Reaktion hat.


    Gloeozystiden sind spezielle Zystiden, welche sich mit Sulfovanilin anfärben lassen. Sie sind im "Rohzustand" hyalin, also durchsichtig oder ganz leicht gelblich gefärbt. Mit der Chemie werden aus solchen eher unscheinbaren Zell-Enden dann auffallend schwarzblau gefärbte Objekte.


    Was ist Sulfovanillin?
    Sulfovanillin muss jeweils vor dem Anfertigen eines Mikropräparats angefertigt werden aus mind. 65% Schwefelsäure (H2SO4) und einigen Vanillinkristallen. Dazu die Kristalle auf einen Objektträger legen, einen Tropfen H2SO4 danebenlegen und mit einer Präpariernadel beides vermischen, bis die Vanillinkristalle sich aufgelöst haben (so ganz aufgelöst kriegt man sie wohl nicht, aber das macht nichts). Die Substanz wird sodann gelblich und kann für das Anfärben von Gloeozystiden genutzt werden.


    Man schneidet ein Fragment aus dem Fruchtkörper des zu untersuchenden Objekts (welches möglichst klein sein sollte) und legt dieses in das Sulfovanillin. Bei einer hohen Abundanz von Gloeozystiden färbt sich das Fragment bereits makroskopisch sichtbar dunkelblau. Unter dem Mikroskop erkennt man dann dieses hier:


    peniophoraincarnata1d.jpg


    peniophoraincarnata1e.jpg
    Gloeozystiden im Hymenium des Rindenpilzes Peniophora incarnata


    Welche Auswirkungen hat das Vorhandensein von solchen Zystiden auf das System der Pilze?
    Die Gattung Peniophora, zu deutsch Zystidenrindenpilz, befindet sich in einer eigenen Familie (Peniophoraceae) und diese befindet sich innerhalb der Täublingsverwandschaft (Russulales).
    Täublings- und Milchlingsfruchtkörper bestehen neben normalen Hyphen und vielen sog. Sphaerozysten aus Gloeohyphen. Ihr könnt euch schon denken, worauf das hinausläuft. Das Vorhandensein von derartigen Hyphen oder Zystiden ist bedeutend für die Zusammenstellung einer monophyletischen Gruppe, deren Vertreter eine gemeinsame "Stammart" besitzen (hier: Rindenpilze als Stammgruppe der Russulales und Täublinge bzw. Milchlinge als Station der evolutiven Genese, deren Ziel die hypogäische Gasteromycetation ist).


    Zitat


    Merkbox:
    Der Zystidenrindenpilz ist verwandt mit dem gewöhnlichen Täubling. Dies macht man an einem gemeinsamen Merkmal, den Gloeohyphen bei den Täublingen und Milchlingen bzw. den Gloeozystiden bei den Zystidenrindenpilzen.
    Der Zystidenrindenpilz ist nur eine Stufe der Evolution, nämlich die corticioide Stufe (= Rindenpilzstufe). Der Täubling oder der Milchling sind in die Lamellenpilzstufe einzuordnen. Diese unterschiedlichen Stufen hindern das System nicht daran, beide Gruppen in eine Klasse zu stecken!


    lg björn

    [1] Gloeophyllum sepiarium könnte schon hinkommen


    [2] vllt Mycena galericulata? Da bräuchte man nähere Infos, eventuell hilft nur das Mikroskop


    [3] Nebenfruchtform von Dacrymyces stillatus.


    meld dich mal bei mir.


    lg björn


    Auch ohne nähere Angaben, rein durch Benutzung der Optik sozusagen, kannst du erkennen, was das ist: Ein Dachpilz.


    Weil: rosafarbene (mindestens aber gefärbte), eher dicht stehende Lamellen sowie ein berindeter Stiel (braun längsfaserig auf hellem Grund). Das weist relativ klar auf einen Vertreter der Dachpilze (Pluteus).


    Ich hoffe und denke doch, dass das passende Holz dabei war, Martina ;)


    Dann dürfte es sich nämlich um einen Vertreter um Pluteus cervinus s.l. handeln.


    lg björn

    Hallo,


    wieder einmal danke für den Hinweis.


    Ich habe Baumwoll-Lactophenol-Präparate bis jetzt nicht mit Nagellack behandelt, aber auch bei meiner vergleichsweise hohen Mikroskopierfrequenz hat das Objektiv nach den nun schon 1,5 Jahren, in denen ich diese Chemikalie vor allem bei den Pezizales intensivst verwende, keinerlei Schaden genommen. Wie ist das dann zu erklären? Vielleicht durch besonders vorsichtiges Mikroskopieren?


    lg björn

    Hallo,


    vielen dank für die vielen Antworten. Ich mache das auch für dieses Forum hier gerne und habe mir die Mühe nicht vordergründig zum Eigennutz gemacht, sondern auch zu Präsentations- und Lehrzwecken.


    Die Athelia bombacina ein Neufund für NRW?? Kaum vorstellbar :D


    Aber gut, ein Exikkat habe ich von dieser Art jetzt nicht (hatte ich gestern noch überlegt), aber sie dürfte leicht wiederzufinden sein. Sie war nämlich unterhalb des Fenchelporlings direkt neben der Resinicium bicolor.


    Literaturangaben zur Athelia:
    Breitenbach&Kränzlin Band 2 (1986 glaub ich)
    Kleine Kryptogamenflora, Band 2b (Jülich)
    Fungi europaei Band 12 (Corticiaceae s.l.)


    lg björn


    [hr]

    Zuletzt, nur der Korrektheit halber, bei Cosmospora epiphaeria fehlt ein "s".;)


    Ist mir auch aufgefallen, aber der Beitrag hat insgesamt 46 Bilder glaub ich...also >30, du weißt ja, dass das etwas umständlich ist^^