Millenium Falke
Pünktlich zum Pilzwochenende hatte ich meine Bella Macchina beim Händler abgeholt. Bis zuletzt war ich auf einem Modell unterwegs, was man sich 1987 in Hamamatsu ausgedacht hatte. Und jetzt 2017er Technik aus Bologna. Gespannt fuhr ich hinaus in den strömenden Starkregen, neuen Abenteuern entgegen.
Brüder zur Sonne, zur Freiheit
Meine Unterkunft hatte ich, mangels Rückmeldungen auf meine diesbezügliche Anfrage im Forum, selbst gewählt. Das netteste im Internet zu findende Foto bildete die Brauereistube –žZur Sonne–œ ab. Ich buchte. Dort angekommen musste ich feststellen, dass keine Rezeption, kein Schalter, Counter, Empfang oder Kontor existierte. Die Gastwirtschaft war zu. Nach einer Zeit des Suchens fand ich einen Zettel hinter einer Scheibe. Dort war in Arial 8pt. eine Telefonnummer angegeben. Ich wählte. Zehn Minuten später erschien der Chef. Die Seitentür zum Gebäude war –žimmer auf–œ, meine Schlichtunterkunft lag unter dem Dach. Der Zimmerschlüssel sah präzise aus wie der zu meinem Kinderzimmer in den späten Sechzigern. Beim Kofferholen lernte ich den rumänischen Koch kennen. Er hatte zwei Tage zuvor offenbar Geburtstag gefeiert. Seit dieser Feier –žich defekt–œ. Mit diesen Worten hielt er sich die Seite. Möglicherweise hatte ihm jemand dort ein Messer hineingesteckt.

Das Wiedersehen
Kann man mit Menschen auf das Herzlichste verbunden sein, die man kaum kennt? Die in einer ganz anderen Gegend leben? Die man nur alle Jubeljahre sieht? Kann man sich ein Loch in die Mütze freuen, wenn man die mal wieder sieht? Ja, das geht.

Fahrsicherheitstraining
Die Ferienhausbewohner (der engere Zirkel aus Forianern und Pilzfreunden aus dem Bergischen) strebte nach vollendetem erstem Seminartag dem besten Restaurant am Platze zu. Vervollständigt durch einen –žSonne–œ-Bewohner. Das Restaurant lag auf dem –“grob geschätzt- zwölften Hügel den wir ansteuerten. Die elf anderen Höhenzüge nutzten wir zum Perfektionieren der Fertigkeit des –žengen Wendens am Hang bei Dunkelheit–œ.
Schreie im Wald Pt. 1
Oleg! Oleg! Oleg, komm jetzt her! Oleg! Bei Fuß, Oleg! Habicht! Oleg! Ich hab gesagt, Du sollst herkommen! Oleg! Oooooleg! Trompeeeten! Oleg! Hierher, soofort! Oleg! Tintenfisch! Oleg, bei Fuß!
wo ist Hans?
Der Wetterbericht meinte es gut mit mir. Der Abend sollte trocken werden. –žIch geh kurz rüber zur Sonne und zieh mich um, in 10 Minuten bin ich am Parkplatz bei den Autos–œ. –žKeine Sorge, wir warten auf Dich–œ. Eine Viertelstunde später rollte ich mit dem Millenium Falken auf den verlassenen Parkplatz. Keiner da! Helm ab, Handy raus, Melliiee anrufen. Mailbox. Kuschel anrufen. Mailbox. Tuppie anrufen. –žDer Teilnehmer ist nicht erreichbar–œ. Nochmal zum Haupteingang. Keiner da. Und jetzt? Einsamer Abend in der –žSonne–œ unterm Dach statt Pilzpfanne satt im Ferienhaus? Wollten die nicht noch Einkaufen? Vielleicht beim Rewe, so viel Auswahl ist hier ja nicht. Beim Rewe auf dem Parkplatz, ein schwarzer Golf mit –žMK–œ- Kennzeichen. Ein Glück, das muss Jan-Arne sein. Zehn Minuten, dann kommt die Hälfte der Gang mit vollen Tüten auf den Parkplatz hinaus. Die andere Hälfte ist offenbar mitsamt Tuppie schon zum Haus gefahren. Einkäufe und Pilzfreunde werden im braunen –žBOT–œ- Auto verstaut. Der schwarze Golf steht da rein zufällig und hat mit uns überhaupt Nichts zu tun. Der eben noch beträchtlich angestaute Ärger wird vom einsetzenden Dauerstarkregen auf den 15 Kilometern Anreiseweg erstklassig und restlos heruntergekühlt.
Sahnesauce nur mit Muskatnuss! :yumyum:
Vor Ort wechsele ich die ziemlich wassergesättigte Motorradhose gegen eine mustergültig abgehangene Shorts aus der Björn ´schen Kollektion. Der Gewinn an Bewegungsfreiheit ist enorm. Während Jan-Arne und Björn hinter Stereolupe und Mikroskop versinken, beginnen die Anderen mit dem Putzen der beträchtlichen Ausbeute an nebenbei gesammelten Speisepilzen. Ein erster Verkostungsversuch mit Würzigen Tellerlingen endet mit Hochgenuß und allseitiger Belobigung dieses epochalen Naturproduktes. Ein ähnlich angelegter Test mit gleichfalls geernteten Habichtpilzen endet ziemlich schnell in der Biotonne. Für den Hauptgang wird schließlich Björn mit Schneidbrenner und Kuhfuß hinter dem Mikroskop herausoperiert. Er zeigt seine ganze Klasse und zaubert die beste Pilzsauce, die ich jemals gegessen habe. Satt und zufrieden lenke ich gegen Mitternacht zurück nach Bad Laasphe. Der Regen hat glücklicherweise aufgehört. Abgelöst hat ihn dichter Nebel.
Schreie im Wald Pt. 2
Oleg! Oleg, komm jetzt her! Oleg! Bei Fuß, Oleg! Erdzungen!! Oleg! Ich hab gesagt, Du sollst herkommen! Oleg! Oooooleg! Saffftlinge! Oleg, wo steckst Du? Hierher, soofort! Oleg! Herkules! Oleg, bei Fuß! Oleg!
Rücksturz zur Erde
Auch die schönsten Sachen gehen einmal zu Ende. Ich mutmaße, die schönen Sachen gehen sogar schneller zu Ende. Die Seitentür zur –žSonne–œ war –žimmer auf–œ, nur gerade jetzt nicht, wo ich mit Wanderstiefeln und Pilzbüchern beladen auf mein Zimmer wollte. Sprühregen setzte ein, als ich erneut den Chef anrief. Zehn Minuten später schloss er auf. –žHat wohl die Frau abgeschlossen–œ. Aha. Hundert Euro wechseln den Besitzer –“ cash und keine Fragen. Ich packe meine Koffer und den Tankrucksack. Ich starte den Millenium Falken und fahre los. Am Ortsausgang klappe ich die Sonnenblende im Helm herunter und schwebe in den Sonnenuntergang. I ´m a poor lonesome mushroomboy–¦. 

