Beiträge von Clavaria

    Hallo,


    ich denke das ist irgendwas aus der Gruppe um Clitocybe metachroa.

    Was genau lässt sich kaum sagen, ohne genaure Untersuchung und nur mit einem Exemplar.

    Zumal es in dieser Gruppe mehr Unklarheiten als Klarheiten gibt, was die Artabgrenzung angeht.


    Gruss Raphael

    Hallo Dieter


    Das ist sehr spannend... hast du Kontakt zu Beatrice Senn-Irlet? Wir haben hier zwei oder drei Kollektionen die auch in die Nähe von T. confusa gehören, es wurde alles sequenziert. Den aktuellen Stand kenne ich aber nicht im Detail. Könnte spannend sein diese Kollektionen zu vergleichen.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Es sieht nach einem super Pilzfrühling aus. Endlich nicht zu trocken, für die Jahreszeit ist die Artenvielfalt viel besser als die letzten Jahre.

    Gestern und heute konnte ich einige schöne Sachen finden, die ich euch nicht vorenthalten möchte.


    1: Eine Becherlorchel

    In einem Auwald wuchs Helvella leucomelaena in grossen Mengen.


    Sporen nichtssagend wie meistens bei Helvella.


    2: Eine Scheibenlorchel

    Diese schöne Gruppe wuchs auf einem liegenden Birkenstamm.

    Wir erwartet unreif, vermutlich ist es Gyromitra ancilis, sie liegen nun zum Nachreifen im Kühlschrank.


    3: Eine Grubenlorchel

    Auch unreif, aber makroskopisch bestimmbar. Helvella fusca, eine nicht ganz alltägliche Lorchel.


    4: Verpeln

    Verpa bohemica gab es reichlich.


    Ganz reif waren sie nicht, aber die riesigen Sporen waren bereits zu sehen.


    5: Ein Porling

    Ich blicke nicht mehr durch welcher Name gerade gültig ist. Lentinus ciliatus? Naja der Mai-Porling mit seinen Mini-Poren, ihr wisst schon was ich meine.


    6: Ein Trichterling

    Mit diesen auffallenden Rhizoiden war die Bestimmung schon im Feld möglich: Rhizocybe (Clitocybe) vermicularis.

    Der deutsche Name ist wohl Lärchen-Trichterling, was irreführend ist, er kann auch mit anderen Nadelbäumen. Hier bei Pinus.


    Die Schwester-Art Rhizocybe pruinosa hätte grössere Sporen.


    7: Ein Schwindling/Rübling

    Das ist ein schwieriger Fall... eine sichere Bestimmung habe ich noch nicht. Ich tendiere zum Hügel-Schwindling, Marasmius collinus.

    Der soll gemäss Ludwig bevorzugt auf Hügeln wachsen, das war hier nicht so. Ich denke das ist auch kein hartes Merkmal.

    Er wuchs auf einem Ruderalplatz neben einem Forstbetrieb.

    Aber der Stiel ist mir zu zäh, deshalb ziehe ich auch sehr untypische Nelkenschwindlinge in Betracht.

    Dagegen spricht das büschelige Wachstum, es gab noch dichtere Büschel die ich nicht fotografiert habe.

    Geruch unangenehm cristatoid, sicher nicht nach Bittermandeln.


    Die Sporen würden gut zu M. collinus/oreades passen. An der Lamellenschneide gab es einige zystidoide Elemente, aber keine eindeutigen Cheilozystiden. HDS hymeniform.


    Hat jemand eine Meinung dazu?


    8: Ein Stielbovist

    Die wuchsen in einem kargen Trockenrasen. Ich denke es ist einfach Tulostoma brumale.


    Die Sporen haben kleine, aber noch erkennbare Warzen.


    Beim Capillitium fallen die stark verdickten Septen auf.



    9: Ein Schleimer

    Ich denke der ist einfach, obwohl ich keine Ahnung von Schleimpilzen habe. Reticularia lycoperdon.


    Sporen netzig-stachelig.


    10: Aprilpilze

    Mit seinem Mehlgeruch kaum zu verwechseln, der Maipilz, Calocybe gambosa.



    Und ja, Morcheln gab es auch, ich war aber zu faul um sie zu fotografieren.


    Danke fürs Mitkommen... Korrekturen/Ergänzungen willkommen.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo,


    Ja eine der Arten aus dem spadioceogrisea Aggregat wird es wohl sein.

    Um weiter zu kommen brauchst du mehrere Exemplare von jung bis alt, und die neusten Fachartikel die sich obendrein noch widersprechen.

    Die mikroskopischen Unterschiede in dem Aggregat sind minim und lassen sich nur mit viel Geduld interpretieren.


    Was habe ich mal von Andreas Melzer gelesen? Hände weg von der spadiceogrisea-Gruppe, die hat der Teufel an einem Montag gemacht. :D


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Also nur an der grauen Hutfarbe kann man Strobilurus griseus nicht festnageln. Womit ich nicht sagen will das die Bestimmung zwangsläufig falsch ist.

    Der normale kann auch grau oder sogar weiss sein. Ohne Mikrobilder kommt man auf keine belastbare Bestimmung.

    Ich habe schon einige graue Exemplare untersucht, es war immer Strobilurus esculentus.


    Ob die Kaulozystiden ein arttrennendes Merkmal sind weiss ich nicht.

    Die werden in der Literatur meist stiefmütterlich behandelt oder gar nicht erwähnt.

    Bei "Pilze der Schweiz" muss man immer vorsichtig sein, die haben jeweils nur eine oder zwei Kollektionen untersucht und niedergeschrieben was sie dort sahen.

    Damit decken sie meist nicht die volle Variabilität der Merkmale ab. Ludwig geht einen Schritt weiter, ist aber insbesondere in Band 1 zu oberflächlich bzw. zu wenig detailliert.


    Ich würde immer die Cheilozystiden untersuchen, damit sollte es recht schnell klar sein.

    Str. esculentus mit dickwandigen, metachromatischen Zystiden; Str. griseus mit dünnwandigen, nicht metachromatischen Zystiden.


    Weil Strobilurus lange als "einfache Gattung" galt, gibt es auch meines Wissens keine umfangreiche Untersuchungen.


    Hier noch ein (schlechtes) Bild von Kaulozystiden einer esculentus-Kollektion:


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Eine Krause Glucke die unter dem Schnee den Winter überlebt hat? Hm... das Zeug wirkte jedenfalls nicht verfault.

    Substrat waren alte Blätter und andere pflanzliche Abfälle.


    Naja egal, wir werden wohl nicht rausfinden was das war.


    Gruss Raphael

    Hallo Nobi


    Hmmm, ein 20cm grosses Porlingsbaby? Kann ich mir nicht vorstellen, auch nicht mit dieser schwammigen Konsistenz.

    Es war viel weicher als eine Morchel.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Letzte Woche auf einem Spaziergang traf ich auf ein merkwürdiges Etwas, mit dem ich nichts anzufangen weiss.

    Ich bin nicht einmal sicher ob es ein Pilz ist.



    Das Gebilde ist etwa 20 cm im Durchmesser, fühlt sich an wie ein Badeschwamm und schien vital zu sein, zumindest war es geruchlos.

    Es ist keine Kruste, sondern etwa 5 cm hoch und leicht ablösbar.


    Hat jemand eine Ahnung was das ist?



    Und das hier noch so nebenbei:


    Sarcoscypha coccinea (mikroskopisch bestätigt)


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Also das erste ist m.E. weder eine Rhizocybe noch ein andere Trichterlings-Art.

    Ich meine nun auch dass es eine Lepista s.l. ist. Dieses büschelige Wachstum könnte zu Lepista ovispora passen.

    Oder eben Paralepista flaccida, wie schon vorgeschlagen wurde.


    Sind die Hüte hygrophan?


    Ein Blick auf die Sporen würde das Rätsel klären.


    Gruss Raphael

    Hallo Frank


    Da ich mich auch sehr intensiv mit dem Thema "Pilzdatenbank" befasse, versuche ich dir mal Feedback zu geben.

    Mein Traum war auch immer eine solche Datenbank, in dem man all die Merkmale strukturiert ablegt und dann auf dieser Basis sogar bestimmen kann.

    Das Problem dabei: Sobald man mehr als "08/15" Pilze erfassen will, steigt die Anzahl der Merkmale und die Komplexität rapide.

    Und wenn man nur "08/15" Pilze erfasst, weiss man nie ob der Pilz, den man gerade in der Hand hält, nun ein "08/15" Pilz ist oder nicht.

    Also das gleiche Problem, wie wenn man mit einem Buch arbeitet, in dem die "wichtigsten 300 Pilze" drin sind. Bei jedem Ausflug in den Wald wird man Pilze finden, die in dem Buch nicht drin sind.


    Hinzu kommt, dass Pilze die Bücher nicht gelesen haben, der Witterung ausgesetzt sind, oder einfach sehr variable Merkmale haben.

    Diese natürliche Variabilität in die Strukturen einer Datenbank zu bringen ist äusserst schwierig.

    Wenn man am Ende eine Datenbank führt, wo die meisten Merkmale dann doch wieder Freitext-Felder sind, gewinnt man nur wenig.


    Nach mehreren gescheiterten Versuchen habe ich inzwischen ein privates Projekt, das ganz gut funktioniert. Hier ein paar Eindrücke:

    Zu jeder Art kann man Synonyme, Literaturreferenzen, Verweise auf ähnliche Arten, Internetreferenzen, eigene Funde etc. eintragen.


    Die Beschreibungen umfassen inzwischen etwa 700 Merkmale, wobei viele davon nur bedingt zur Anwendung kommen.

    Die Merkmale kann man zuerst auf Gattungsebene pflegen, dann werden sie auf alle Arten der Gattung vererbt. So muss man auf der einzelnen Art nur noch spezifische Merkmale pflegen.


    Die Merkmale sind zu 99% strukturiert, also kein Freitext. Um der natürlichen Variabilität möglichst nahe zu kommen, kann man Ausdrücke formulieren die dann als lesbarer Text angezeigt werden:


    Das funktioniert alles recht gut und man kann damit sogar in schwierigen Gattungen recht gut bestimmen.

    Es gibt drei verschiedene Bestimmungsmöglichkeiten:

    - statische Schlüssel, z.B. sind Gröger, Moser, Funga Nordica und viele weitere Schlüssel in elektronischer Form vorhanden

    - frei definierbare synoptische Schlüssel

    - völlig freie, dynamische Bestimmung indem man einfach Merkmale erfasst und die Datenbank passende Arten sucht

    Hier ein Bild vom elektronischen Gröger.


    Und hier die synoptische Bestimmung eines Trichterlings.


    Meine Datenbank enthält inzwischen rund 2300 Lamellenpilze, es fehlen aber noch viele grosse Gattungen. Also noch jede Menge Arbeit, fertig wird das wohl nie.

    Hauptsächlich weil ich versuche, jeden in Europa nachgewiesenen Pilz aufzunehmen. Die damit verbundenen Literaturrecherchen sind sehr aufwändig.

    Das Erfassen einer Art dauert je nach Anzahl der Synonyme und Merkmale 15-30 Minuten.


    So, und nun die Krux bei der ganzen Sache:

    All diese Technik ist nur eine Hilfe. Aber am Ende muss vor dem Computer ein Mensch sitzen, der fähig ist die Bestimmung zu verifizieren.

    Von einer Software, die jeden Pilz besser bestimmen kann als ein erfahrener Mykologe, sind wir noch Jahrzehnte entfernt.

    Am Ende ist das ganze Projekt für mich ein Weg, um mehr über Pilze zu lernen - und natürlich nachher eine Erleichterung bei der Bestimmung.

    Aber die Kontrolle des Ergebnisses in der Fachliteratur ist trotz allem unumgänglich.


    Vielleicht hilft dir das bei deinen Überlegungen.

    In der Schweiz gibt es auch gerade ein Projekt für ein weiteres Pilz-App zum Bestimmung (nach Merkmalen, nicht nach Foto):

    3000 Pilze - Buch und App - Projekte - WSL


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Kurze Nachinfo, die Sequenzierung des Scheidlings hat tatsächlich Volvariella paludosa ergeben.

    Falls jemand die SZP abonniert hat, gibt es dann dort im zweiten Heft 2023 ein ausführliches Portrait.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Also der Stiel scheint mir rein lateral zu sein, nicht einfach exzentrisch aufgrund des Standorts. Der geht direkt in den Hut über.

    Zusammen mit dem vermutlich braunen Sporenpulver fällt mir da nur Tapinella panuoides ein.

    Der laterale Stiel kann allerdings auch eine Wachstumsanomalie sein...


    Gruss Raphael