Servus Claus,
ich bin zwar kein Russulologe, habe aber viel mit Guajak gearbeitet und auch bei einer breit gefasste Studie unter anderem die Guajak-Reaktion unter normierten Bedingungen an diversen Pilzen getestet: Agerer R., Schloter M. & Hahn C. (2000): Fungal enzymatic activity in fruit bodies. Nova Hedwigia 71: 315-336.
Guajak dient als Test auf Phenoloxidasen - also auf Enzyme, die z. B. Lignin abbauen können. Wenn ein Enzym Lignin spaltet, spaltet es auch Guajak und die typische Farbe entsteht - Guajak ist also ein Enzymtest.
Jetzt ist die gesamte Ordnung Russulales mit Phenoloxidasen gesegnet. Es sind alle Weißfäulepilze. Die mykorrhizierten Vertreter der Ordnung besitzen ebenfalls die Fähigkeit, Phenoloxidasen aufzubauen und zu nutzen. Man testet also bei Russula genau genommen nur, ob diese Enzymproduktion im Fruchtkörper abgeschaltet ist, da alle Arten das Potential haben. Es kann gut sein, dass es für manche Arten / Artengruppen ausgesprochen typischen ist, keine Phenoloxidasen mehr im Fruchtkörper zu produzieren. Und für andere, sehr viel davon zu produzieren. Dennoch kann nie ausgeschlossen werden, dass (einem Atavismus entsprechend) die Enzymproduktion doch eingeschaltet wird. Im Myzel können sie es alle 
Auf der anderen Seite wird Guajak auch von Sauerstoffradikalen gespalten. Ich habe auch bei Braunfäulepilzen, die gar keine Phenoloxidasen bilden, manchmal (aber selten) positive Guajak-Reaktionen erhalten. Das ist z. B. durch Bakterien erklärbar, die Sauerstoffradikale produzieren. Man muss also ohnehin vorsichtig bei positiver Reaktion sein.
Einmal war ich überrascht, denn jede Probe von hygrophorus pustulatus war in unserer Studie extrem stark Guajak-Positiv - im Gegensatz zu allen anderen Schnecklingen. Da passte es aber, denn nachträglich hat sich herausgestellt, dass er ein Parasit an Wurzeln ist - er bildet Mykorrhizen aus, mit denen er dann aber die Wurzeln verdaut - und dafür bastelt er sich große Mengen an Phenoloxidasen.
Langer Rede kurzer Sinn:
Die Guajak-Reaktion kann durchaus belastbare Ergebnisse bringen, aber es besteht immer die Gefahr von falsch-positiven Ergebnissen. Deshalb würde ich das nur als Hilfsmerkmal verwenden. Insbesondere dann, wenn alle Arten einer Gattung potentiell positiv reagieren können.
Dass man bei Russula runterverdünnt, sagt ja auch nichts anderes. Man testet dann, da ohnehin nicht, on reagierend, sondern nur, ob so schnell reagierend, dass trotz geringer Menge an Reagens noch die Farbe erkennbar ist.
Mich stört die positive Reaktion bei deiner Russula fellea nicht. Du wirst aber sehen, dass, wenn du mehrere testest, sie meist negativ/sehr schwach reagiert.
LG
Christoph
P.S.: hatte ich fast vergessen - tolle Portraits!