Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    anbei ein paar Eindrücke von einer kleinen Runde durch den Duisburger Stadtwald am 3.12.2023.


    1. Immotthia atrograna an Jackrogersella cohaerens


    2. Strossmayeria basitricha


    3. Dacrymyces stillatus: Anamorphe und Teleomorphe, beide mit einem Chytridiomyceten, Rhizophlyctis sp. befallen

    Konidien

    Basidien

    Sporen im Abwurf. Um die Septierung richtig beurteilen zu können, ist wichtig, daß die abgeworfenen Sporen Kontakt mit dem Fruchtkörper haben.


    4. Tremella mesenterica ohne Makrobild

    Hier gab es im Abwurf aufgrund des jugendlichen Fruchtkörpers nur Konidien und keine Sporen


    Björn

    Hallo zusammen,


    Anfang Dezember gab es hier in der Gegend mal etwas Frost und gleichzeitig auch etwas Sonnenschein, also eine gute Gelegenheit mal in der Haard, einem Waldstück nördlich des Ruhrgebiets eine Runde zu drehen. Auch wenn ich bei den niedrigen Temperaturen nur wenige Stöckchen umgedreht habe, gab es doch einige nette Funde zu bestaunen:


    1. Amphinema byssoides


    2. Phyllotopsis nidulans


    3. Coniophora puteana


    4. Nodulisporium cecidiogenes an Coniophora puteana


    5. Kalmusia sarothamni an Cytisus scoaprius


    6. Meloderma desmazieri an Pinus strobus


    Björn

    Hallo zusammen,


    die Mykolog:innen aus den Niederlanden und Belgien haben seit einigen Jahren ein sehr schönes Projekt zu Phragmobasidiomyceten, also Basidiomyceten mit septierten Basidien. Insbesondere gibt es dort sehr schöne Schlüssel, die einen erst zur Gattung und dann zur Art bringen. Einziger Haken: Die Schlüssel sind auf Niederländisch. Das kann man zwar auch ohne Übersetzungen in großen Teilen ganz gut verstehen (spätestens, wenn man einige Fachbegriffe wie gespen=Schnallen) kennt. Aber natürlich ist es immer einfacher, wenn man einen Schlüssel in der Muttersprache hat. Deshalb habe ich mit DeepL die Schlüssel einmal ins Deutsche übersetzt (und einmal drüber gelesen, daß die KI da auch wirklich Sinniges produziert hat) und das Ergebnis dann mit LaTeX auch noch optisch ganz ansprechend gesetzt. Ich hoffe, daß das Ergebnis auch für andere von Interesse oder viellleicht sogar Nutzen ist.


    Björn

    Hallo Bernd,


    die Webseite hat eine große Menge an Namen hinterlegt und bietet auch die Möglichkeit, Namen aus diversen Online-Datenbanken zu übernehmen, wenn doch mal eine Art fehlen sollte. Und wenn alle Stricke reißen und eine Art selbst in den Datenbanken nicht auftaucht, kann man sich immer vertrauensvoll an die "Curators" wenden, die dann ebenfalls Namen ergänzen können. Zumindest bei den "echten" Pilzen funktioniert das immer total reibungslos.


    Die App enthält grundsätzlich erstmal alle Daten, die du dort eingibst und du kannst dir diese Liste jederzeit anzeigen lassen. Inwiefern es dort Exportmöglickeiten gibt, kann ich aus eigener Anschauung nicht sagen, aber grundsätzlich müßte es das schon geben.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich möchte Euch hier mal einen Pilz vorstellen, der im Feld erstmal gar nicht auffällt, aber vielleicht trotzdem nicht so selten ist. Es geht um einen Chytridiomyceten, also Töpfchenpilz, der Dacrymyces stillatus befällt. Dabei ist der Pilz nicht wählerisch und nimmt Anamorphe wie auch Teleomorphe als Wirt (dank Anamorphe erkennt man D. stillatus ja auch im Feld schon gut auf Artebene). Beschrieben wurde der Pilz das erste Mal in H. M. Canter, C. T. Ingold, A chytrid on Dacrymyces, Trans. Br. mycol. Soc. 82, 739 (1984). Einen Artikel auf Deutsch gibt es auch: H. Clemençon, M. Wilhelm, Ein parasitischer Winzling in der Zerfliessenden Gallertträne, SZP 95, 20 (2017). Bis jetzt scheint die Art noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden zu sein und muß deshalb vorerst unter dem von Canter und Ingold vorgeschlagenem Rhizophlyctis sp. laufen.


    Äußerlich sind die befallenen Gallerttränen in keiner Weise verändert:


    Mikroskopisch fallen dann aber runde Zellen auf, die eine Reihe haarfeiner Rhizoiden haben, mit denen sie an den Konidien und Hyphen des Wirts andocken. Hier zunächst mal mit Kongorot gefärbt in der Anamorphe:

    Und in der Teleomorphe:


    Ohne Färbung einfach in KOH mikroskopiert.


    Ich hatte in den letzten Tagen zweimal Aufsammlungen von D. stillatus aus verschiedenen Wäldern mitgenommen, mikroskopiert und den Pilz zweimal gefunden. Ich könnte mir also vorstellen, daß er gar nicht so selten ist - aber wer mikroskopiert schon regelmäßig D. stillatus. Bei beiden Funden waren die Äste mit den Gallertränen direkt auf dem Boden und nicht trockene Äste, die in die Luft ragten. Da Chytridiomyceten ja für ihre Verbreitung auf Feuchtigkeit angewiesen sind, kann das eventuell bei der Suche wichtig sein. Ihr könnt in Euren Gebieten ja auch mal schauen, ob sich der Pilz dort finden läßt.


    Björn

    Hallo Ingo,


    was den Standort meines Fundes angeht, erkenn ich da durchaus Parallelen. Zum Boden kann ich zwar nichts sagen, weil die Halden des Steinkohlebergbaus ja potentiell beliebiges Material beinhalten, aber die Zungen wuchsen ebenfalls im hohen Moos und Sträuchern. Wenn da in der Ecke nicht sowieso schon Erdzungen an klassischerem Standort (kurzer Rasen am Wegrand) gestanden hätte, hätte man die Dinger wohl auch leicht übersehen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich selber nutze ja auch eine Canon EOS 850 D am trinokularen Panthera C von Motic und kriege damit passable Bilder hin. Das Problem der Spiegelverwackelung ist irrelevant, wenn man zum Auslösen den LiveView Modus benutzt. Die Lichtmenge ist übrigens auch bei 1000x-Vergrößerung in Zeiten von LED ja kein Problem mehr. Da liege ich mit ISO 100 praktisch immer im Bereich von weniger als 1/100 s (Ausnahme sind Bilder mit Chinatusche, aber die sind ja im Wesentlichen schwarz).


    Insbesondere wenn also schon eine Spiegelreflexkamera vorhanden ist, sehe ich eigentlich keinen Grund, warum man sich eine Einsteckkamera zulegen sollte.


    Hier mal zur Einschätzung ein Beispielbild von Sporormiella heptamera:


    Ansonsten darf man auch nicht vergessen, daß wie bei der Fotografie im richtigen Leben auch gilt, daß die Ausrüstung alleine nicht ausreicht. Man muß halt auch gute (sprich flache) Präparate erstellen, sonst wird es eh schwierig mit den Fotos.


    Björn

    Hallo Harald,


    in Diederich et al Flora of Lichenicolous Fungi 1 (2022) wird die an Peltigera parasitierende Gamundia vorgestellt und dort auch der Name G. xerophila verwendet. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß das ganze wohl noch ein recht offenes Feld ist.


    Björn

    Hallo Bernd,


    natürlich spielt das alles eine Rolle, aber in der FE5b ist ja gezeigt, wie man bei den verschiedenen Sporenformen vorzugehen hat. Das könnte man jetzt sicherlich auch sprachlich sauberer formulieren als zu sagen "Zeichne ein Rechteck um die Spore und miß dessen Kantenlängen." Aber ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte und gelesen wird heutzutage doch eh nicht mehr ;)


    Um zu demonstrieren, daß man am Ende aber immer auf ähnliche Ergebnisse kommen wird, hatte ich ja oben mal ein Beispielsporenbild hochgeladen. Ich habe jetzt selber auch mal 20 Sporen ausgemessen und komme damit auf die folgenden Werte:


    11.0+-0.5 µm x 7.8+-0.4 µm, Q=1.4+-0.1

    10.4-11.8 µm x 7.0-8.4 µm, Q=1.3-1.5


    Ich bin gespannt, auf welche Maße die anderen hier kommen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    die Situation bei heterodiametrischen Sporen wie links mag ja wirklich so sein, daß man da bei der Beurteilung, wo die Spore aufhört und der Apikulus anfängt, einen gewissen Spielraum hat. Wenn man aber berücksichtigt, daß die typische Entolomaspore 10 µm lang ist, reden wir hier von Abweichungen im Submikrometerbereich, diie komplett irrelevant sind.


    Zum Unterschied von E. verae und E. incanum: Die beiden Arten lassen sich viel besser über den Sporenquotienten als über die Sporengröße trennen.


    Björn

    Hallo Bernd,


    natürlich ist es schwer, so ein kompliziertes Objekt wie eine Entolomaspore mit möglichst wenigen Parametern zu charakterisieren. Das Problem ist ja auch, daß einerseits selbst innerhalb einer Art keine Spore der anderen gleicht. Dazu kommen dann noch Unterschiede zwischen verschiedenen Arten. Deshalb hat man sich einfach per Konvention geeinigt, die Sporen einmal durch die Anzahl von Ecken und deren Größe durch ein die Spore umschreibendes Rechteck zu charakterisieren.


    Björn

    Hallo zusammen,


    der Beitrag bringt mich aber auf eine Idee. Ich hänge mal ein Bild von einem Entoloma-Sporenabwurf an, inklusive Längenskala. Da kann jetzt jeder mal nach Belieben Sporen vermessen und dann die Ergebnisse präsentieren. Ich bin gespannt, wie sehr die Meßwerte voneinander abweichen werden.



    Björn