Hallo Sandra,
heut hab ich endlich mal Zeit, etwas in Deinen schönen Beitrag zu schreiben:
5 Jahre alt, das erste Mal Pilze sammeln mit den Eltern! Ich sehe noch meine allerersten beiden Pfifferlinge gelb hinter einem riesigen moosbewachsenen Stein herausleuchten, der wie ein Wegweiser am Waldweg stand. Jedesmal, wenn ich daran denke, spüre ich diesen Moment der Faszination, als ob es jetzt wäre. Es war dann auch egal, dass wir an dem Tag sonst fast nichts finden sollten…
Dieser Stein (des Anstoßes im positiven Sinn?) liegt immer noch dort im hinteren Südtiroler Passeiertal, auch wenn sich der Wald, der mein Lieblings(pilz)Wald wurde, mittlerweile verändert hat. Dort habe ich zu jeder Tages- und Jahreszeit viele Stunden verbracht und alles erdenkliche, Pflanzen Pilze und Getier, oft zum Entsetzen meiner Eltern mit nach Hause genommen. Dadurch und durch die Entdeckung des „Cetto“ im Bücherregal meines Vaters war der weitere Weg irgendwie vorzeichnet. Ich kam zum BioStudium an Innsbrucks Uni, in die Arbeitsgruppe Mykologie, damals (1996) geleitet von Reinhold (Bodo) Pöder. Auch Meinhard Moser war damals noch am Institut und so waren oft Verfasser mykologischer Standardwerke zu Gast. Doch wie ich schon mal wem hier geschrieben habe, werden allein dadurch, verdiente Mykologen getroffen zu haben, die eigenen Pilzkenntnisse nicht größer. Allerdings ändert sich das, wenn man als Grünschnabel öfters dabei sein kann, wenn solche beispielsweise vor einem Tisch voller Phlegmacien oder einem Korb mit mediterranen Boleti stehen und diskutieren. Zusätzlich herrschte der nette Brauch, Funde bei den Kaffeepausen zu diskutieren und manchmal auch bis spät zu mikroskopieren. Alle brachten mit, was sie interessierte. Und die Interessen waren vielfältig: von allem was auf Erde und Holz wächst über Pflanzenparasiten bis hin zu den Myxomyzeten.
Ich wechselte dann von der Seite der Lernenden für einige Zeit auf die der zusätzlich Lehrenden (u.a. Pilzsystematik), betreute mykologische Uni-Exkursionen vom Mittelmeerraum bis unters Nordkap mit, was meinem Selbstverständnis, dass man auch als Mikrobiologe kennen darf, was rund herum wächst, krabbelt und flattert auch sehr entgegen kam.
Ebenso schaute ich den Kollegen bei Pilzvergiftungsgutachten über die Schulter und arbeitete an Forschungsprojekten mit. Die Umweltbedingungen an der Uni führten später dazu, dass ich mein Brot in der medizinischen Forschung verdienen sollte. Doch seit einiger Zeit begleite ich - nach gefühlten 10 Jahren mykologischem Stillstand - wieder als Mykologe „nebenbei“ Naturinteressierte/Lernende jeden Alters in Kursen, Exkursionen etc... (sozusagen etwas Honig aufs Brot). Damals, 2016 habe ich auch dieses Forum entdeckt, das mich motiviert hat, endlich an meinem Wissensstand von anno 2006 wieder etwas zu ändern und wo in angenehmer Weise über verschiedenste Themen der Mykologie und auch über den Tellerrand hinaus diskutiert werden darf und…
…ach ja, es sollte nicht 3 Stunden dauern…
Schöne Grüße aus Innsbruck, allen, und alles Gute in dieser eigenartigen Zeit
Eberhard