Hallo Dieter,
ich muss Oehrling hier vollkommen recht geben und ich bin ihm sehr dankbar, dass er das ähnlich sieht. Wenn ich den Text lese, kann ich schon eine gewisse Überheblichkeit reininterpretieren (es klingt wie, teilweise "vom hohen Ross runter" und kann auch Schuldgefühle beim Leser implizieren, wenn man es nicht so macht usw.). Wie misst man Sporen "genau"? Streng von der Aussagenlogik her (Titel deines Threads) müsstest du in dem Thread beschreiben, wie Sporen vermessen werden und wie man ein Mikroskop eicht.
Stattdessen beschreibst du die statistische Auswertung von Daten. Das hat mit dem Messen der Sporen an sich wenig zu tun.
Zur fachlichen Seite an sich, wie du sie dargestellt hast, habe ich wenig beizutragen. Du hast das schön dargestellt. Ich hatte mal eine komplette Vorlesungsreihe über die statistische Auswertung von Messdaten und musste dieses auch im Studium und im späteren Berufsleben immer anwenden und habe demzufolge auch Erfahrung mit so was.
Mich machen hier aber 2-3 praktische Aspekte/Sachen stutzig:
1. Matthias und du wollt eine Hebeloma rausbekommen und ihr bekommt die nicht bestimmt. Das passiert mir auch ziemlich häufig. Ich finde es auch toll, dass ihr einen unbedingten Willen und Ehrgeiz entwickelt, das Ding zu knacken. Ich würde den Fund nach 3-4 Tagen entnervt entsorgen. Das ist auf alle Fälle beachtlich.
Aber, wie Oehrling schon schrieb, Sporengrößen sind nicht alles; erst recht nicht bei Hebeloma. Da sind auch die Cheilozystiden und ggf. Pleurozystiden und das Sporenornament mindestens ebenso wichtig.
2. Habt ihr den Hebeloma-Fungi-Europaei-Band da? Das wurden die Hebelomen wunderbar aufgearbeitet; ebenso im neuen Band von Erhard Ludwig (er hat den erwähnten Hebeloma-Band da eingearbeitet, weswegen auch sein 4. Band so verspätet erschien). Habt ihr da schon mal nachgesehen?
3. Habt ihr Ursula Eberhardt schon mal konktaktiert? So wie ich sie einschätze, hat sie bestimmt Interesse an eurem Fund. 
Kommen wir zurück zu der Sporengrößenauswertung. Ich vermesse "zufällig" 20-30 Sporen und notiere mir die jeweiligen Größen und gebe die Minimal- und Maximalwerte der Sporenlänge und Breite an. Das sind nämlich auch die Werte die folgendermaßen angegeben sind: 9-11 x 5-7 µm. Damit bin ich immer "gut gefahren" und konnte die Größen mit den Literaturwerten immer gut abgleichen.
Was bei mir einige Fragezeichen aufwirft, ist die Tatsache, dass ich nicht nachvollziehen kann, was das ganze für einen praktischen Nutzen haben soll. Eine statistische Auswertung der Sporengrößenverteilung macht meiner Meinung nach nur dann Sinn, wenn man eine eine neue Art beschreiben will. Ansonsten halte ich das eher für vertane Zeit; ebenso die Messung von 125 Sporen!
Was bezweckst du damit, bzw. möchtest du damit bezwecken? Eine größere Datengrundlage ist nicht immer unbedingt hilfreich, bzw. auch iwie realitätsfremd. Mach du mal 125 Bestimmungen von einem Mykotoxin in einer Probe (Getreide z.B.).
Außerdem sehe ich den Nutzen nicht von Sporengrößen Standardabweichungen, Varianzen usw. zu berechnen.
Zitat
Wir erkennen schon jetzt...
Aus diesem Wissen ergibt sich, dass eine bestimmte Anzahl an Messungen gemacht werden muss um überhaupt –žmin–œ und –žmax–œ aussagekräftig berechnen zu können.
Ansonsten ist es nicht besonders sinnvoll z.B. die Sporenmaße welche man misst mit Literaturwerten zu vergleichen.
Erb/Matheis geben in Ihrem Buch "Pilzmikroskopie" eine minimale Anzahl von 30 Messungen an (also bei 30 Sporen 30 mal die Länge und 30 mal die Breite = 60 Messwerte).
Ich gehe mal davon aus, dass Erb/Mattheis ähnlich dachten wie ich (fehlender Mehrwert für solche Mühen), denn diese Statistischen Auswertemethoden gab es damals schon.
l.g.
Stefan