Hallo Stefan,
du bist ja noch ein eher jüngeres Semester. Meine Erinnerung ist, dass meine Mutter beim Fleischer Rinder- oder Schweine-Hack gekauft hat und dass daraus Hackepeter zubereitet wurde. Den muss man nicht mögen, aber das Fleisch durfte damals roh gegessen werden und dass vor Kontakt zu anderen Lebensmitteln gewarnt bzw. auf die gründliche Reinigung aller mit dem Fleisch in Berührung gekommener Gegenstände inclusive. der Hände gedrungen wurde, war fern jeder Vorstellung. Ähnliche Aufschriften stehen übrigens auch auf Schweineverpackungen u.a. aber immer nur beim Fleisch. Nie bei Käse. Butter oder Gemüse wie z.B.auch bei Champignons oder Austernseitlingen. Ok, manche Pilze sind roh giftig. Die muss ich abkochen, wenn ich sie essen will. Aber darum geht es beim Fleisch doch gar nicht.
Es sollte uns allen zu denken geben, dass bei Eiweiß auf Pflanzenbasis weniger strenge Hygienerichtlinien gelten, als bei fleischlichem aus der Massentierhaltung. Warum wohl? Ein Schwein braucht ca. 5 Monate um sein Schlachtgewicht von 100 kg zu erreichen. Die Bedingungen dieses kurzen Schweinelebens sind so abartig, dass es es die überwiegende Zahl de Schweine nur unter Antibiotikagaben schafft zu überleben. In vielen Mastanstalten funktionieren die "normalen" Antibiotika nicht mehr, weil die Keime Resistenzen entwickelt haben. Schon heute werden Reserveantibiotika gegeben, die eigentlich verboten sind, weil sie schwer heilbaren menschlichen Erkrankungen vorbehalten sind. Multiresistente Keime überleben hin und wieder diese Antibiotikagaben. Wer solches Fleisch isst, konsumiert nicht nur Antibiotika sondern riskiert eine Infektion mit multiresistenten Keimen, wenn er das Fleisch nicht ausreichend erhitzt, es nicht isoliert verarbeitet und die Küchenwerkzeuge nicht gut genug reinigt. Inzwischen wird die Zahl der Todesfälle durch multiresistente Keime auf mehrere zehntausende pro Jahr geschätzt. Wenn die Entwicklung der multiresistenten Keime wie bisher fortschreitet, werden unsere Antibiotika wirkungslos, d.h. wir Menschen werden bald keine wirkungsvollen Mittel gegen bakterielle Entzündungen mehr haben. Das Mittelalter mit seinen Seuchen lässt grüßen.
Es mag sein, dass meine These falsch ist und sich Glyphosat nicht in tierischem Gewebe akkumuliert. Dann habe ich das falsch verstanden. Jedoch ist die Kontamination des industriell und billig produzierten Fleisches mit Keimen leider ebenso abgesichert wie die Tatsache, dass die Gülle aus der Massentierhaltung die Natur in immer stärkerem Ausmaß zerstört.
Ich bin keine Bio-Fetischistin aber ich denke, dass das Bio-Siegel eine Richtschur darstellen könnte für Produkte, die umweltfreundlich erzeugt sind. Könnte, weil immer wenn's um Profit geht, auch schnell mal die Regeln nicht eingehalten werden. Vor kurzem gab es einen Marktcheck, nach dem auch Bio-Eier-Hühner unter inakzeptablen und dem Bio-Versperechen gänzlich widersprechenden Bedingungen gehalten wurden. Wenn es den kleinen Laden des Vertrauens um die Ecke gibt, der das Vertrauen wirklich wert ist, dann ist das toll. Ich versuche nur, mich mit einem einigermaßen guten Gewissen gut zu ernähren. Für mich gehört das Billigfleisch aus dem Supermarkt nicht dazu - definitiv zu viele Risiken und Nebenwirkungen für Tier, Mensch und Umwelt.
Lieben Gruß
Claudia