Hallo liebe Regenfreunde ![]()
wir kennen das alle: in der Wetter-App im Handy werden Gewitter gemeldet, aber es kommt nichts. Die Wetterseite gibt 40 Liter Niederschlag für die nächsten 7 Tage an, aber am Ende sind es nur 0,4. Morgen soll es endlich abkühlen, aber dann bleibt es doch heiß.
Warum ist das so? Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert die Wettervorhersage gefühlt immer unzuverlässiger wird? Tatsächlich sind die Modelle und Vorhersagen in den letzten Jahrzehnten deutlich akkurater geworden, aber die Art und Weise, wie wir Wettervorhersagen konsumieren, hat sich auch deutlich verändert.
Vor 20 Jahren noch hat man sich abends in der Tagesschau über das Wetter in den nächsten 2 Tagen informiert. Da kam dann sowas wie "Im Norden bewölkt, im Süden freundlicher. Vereinzelt sind Schauer und Gewitter von Westen her möglich. Die Höchstwerte im Norden bei 16, im Süden bei 25 Grad. Am Wochenende dann unbeständiger." oder sowas. Wenn man vorhatte, am nächsten Tag an die Ostsee in den Urlaub zu fahren, wusste man, dass man sich besser eine Regenjacke einpackt.
Heutzutage schauen die meisten Leute in die Wetter-App am Handy. Die gibt einem für das letzte 100-Seelen-Dorf in Buxtehude für die nächsten 7 Tage eine standortspezifische Vorhersage. Das Problem an der Sache: die globalen Wettermodelle sind gar nicht in der Lage, so ortsbezogen für solche Zeiträume eine auch nur halbwegs akkurate Vorhersage zu geben! Das wird dem User aber nicht vernünftig vermittelt.
Die Modelle, welche für 7-Tage-Vorhersagen genommen werden, sind Globalmodelle wie ECMWF oder GFS, und diese sind viel zu grob aufgelöst, um regionale Vorhersagen zu machen. Bei einer Gittergröße von ~22 x 22 km (GFS) werden beispielsweise unsere Mittelgebirge regelrecht weggebügelt. Es gibt zwar Regionalmodelle wie das ICON-RUC, welche sehr fein aufgelöst sind und auch Berge und Täler und die dort entstehenden Gegebenheiten ganz gut abbilden können, aber die sind sehr rechenintensiv und reichen deshalb auch nur einige Stunden in die Zukunft.
Wer sich für das Thema interessiert, es gibt von Kachelmannwetter eine gute Einführung in Wettermodelle und wie das mit den Gittern funktioniert:
Teil 1 (Grundlagen): https://www.youtube.com/watch?v=KlEx4BWToIA
Teil 2 (Auflösung und Lokalmodelle): https://www.youtube.com/watch?v=XScW0b7tLBM
"Okay, aber wie kriege ich denn jetzt eine seriöse Vorhersage über das Wetter in den nächsten 48h?"
Ich demonstriere das Ganze mal an einem Beispiel mit der sehr nützlichen Wetterseite wetterzentrale.de.
Oben links kann man seinen Heimatort eingeben.
Ich nehme mal "Dresden" und erhalte folgendes Bild:
Wie wir sehen können, ist das Globalmodell GFS (1) für das 10-tägige Meteogramm (2) ausgewählt. Rechts (3) sehen wir dann ein lustiges Diagramm mit einer Temperaturkurve und blauen Niederschlagsbalken.
Was fällt auf? Für heute, Freitag, und den folgenden Samstag, sind einige kleine Niederschläge drin.
Aber Obacht: wer jetzt in Dresden wohnt und sich über ein wenig Regen freut, könnte enttäuscht werden!
Ich schalte das ganze Mal auf das Regionalmodell ICON-D2 um und erhalte folgendes Bild:
Der Vorhersagezeitraum reicht plötzlich nicht mehr 10 Tage in die Zukunft, sondern nur noch bis Sonntag. Und die Niederschläge für Freitag und Samstag? Sind weg.
Das ICON-D2 ist viel genauer in der Kurzfristvorhersage als das GFS und sieht frühestens ab Sonntag wieder ein paar Niederschlagssignale.
Das Problem ist, dass viele Wetter-Apps oder Wetterseiten euch auch einen Tag vorher noch einen 10-Tage Output eines Globalmodells zeigen, wenn ein Regionalmodell für den Kurzfristbereich viel mehr Sinn macht!
Die Globalmodelle sind deshalb nicht automatisch nutzlos. Für längerfristige Tendenzen sind ECMWF und GFS sehr potente Werkzeuge. Aber man muss halt immer im Hinterkopf behalten, dass sie im Nahbereich (nächste 48h) für lokale Vorhersagen nur sehr bedingt zu gebrauchen sind.
Wer sich für eine längerfristige Prognose interessiert, kann sich den Ensemble-Output eines Globalmodells anschauen:
Dafür klickt man auf "ECMWF" bei den Globalmodell-Ensembles (1) und wählt dann unten als Parameter den Niederschlag (2).
Das Diagramm zeigt jetzt den Verlauf von 50 verschiedenen Modelllösungen für die nächsten 2 Wochen an. Das ist deutlich nützlicher als ein Diagramm, wo nur Einzelwerte drinstehen. Wir sehen hier konstant Niederschlagssignale im Diagramm, das heißt, den Dresdnern stehen voraussichtlich eher unbeständige Tage bevor. Natürlich ohne Gewähr
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Ich hoffe, dieser Post ist halbwegs verständlich geworden, und ich freue mich über Feedback. Ich bin kein Meteorologe, sondern beschäftige mich nur hobbymäßig mit dem Wetter. Korrigiert mich gerne bei Falschinformationen oder Ungereimtheiten.
Gewittrige Grüße
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Suillus
