Servus beinand,
von Puccinia sessilis wurde hier ja schön des öfteren berichtet, ein Portrait fehlt bislang aber noch, was ich hier nachholen möchte. Ich finde die Aecien von Puccinia sessilis am häufigsten an Bärlauch, Aaronstab und Salomonssiegel/Weißwurz. Es werden Wirte aus folgenden Familien für die Aecien befallen: Araceae, Iridaceae, Liliaceae und Orchidaceae. Es erfolgt ein Wirtswechsel auf Glanzgras (Phalaris) und Schwingel (Phalaris), wo dann die Uredien und Telien gebildet werden. Puccinia sessilis hat eine sehr breites Wirtsspektrum in Bezug auf den Haplonten, was "danach riecht", dass es sich um einen Artenkomplex handeln könnte. Im "Puccinia sessilis-Komplex" wird teils unterschieden in:
Puccinia phalaridis (P. ari-phalaridis) auf Aronstab (Arum),
Puccinia schmidtiana auf Knotenblume (Leucojum),
Puccinia winteriana (P. allii-phalaridis, P. angulosi-phalaridis) auf Allium, Paris und Polygonatum.
Puccinia digraphidis (P. smilacearum-digraphidis Kleb.) auf Convallaria, Maianthemum, Paris und Polygonatum
Puccinia orchidearum-phalaridis auf Orchideen (Orchidaceae).
Ich zeige hier Puccinia sessilis an Bärlauch, also die Kleinart Puccinia winteriana:
Wenn es nicht keine Melampsora ist, wo Bestimmug schwierig bis unmöglich ist (Melampsora allii-populina kann man mit etwas Glück an den kegelförmigen Spermogonien erkennen), sondern schöne, becherförmige Aecien hat, dann kann man den Rost gut bestimmen.
Hier die Mikrobilder:
Ein bisserl aufpassen muss man, denn es gibt weitere Roste an Bärlauch. Puccinia mixta s.l. und Puccinia hordei s.l. bilden ebenfalls Aecien. Bei Puccinia mixta sind sie blattober- und unterseits und sie sind in Ellipsen angeordnet. Letzteres finde ich nicht klar als Unterschied, denn auch bei dem hier vorgestellten Fund variiert das von kreisrund bis ellipsoid. Aber hier sind die Aecien nur blattunterseits.
Dann sind wir bei Puccinia hordei-Komplex. Diese Arten sollen laut Klenke & Scholler (west-)mediterran-alpin auftreten (Seealpen also, denke ich). Bei uns also nicht. Da wären die Aecidiosporen größer und die äußere Wand der Peridienzellen wäre dünner, nur bis 2 Mikrometer dick. Bei Puccinia sessilis sind diese dicker (siehe erstes Mikrobild).
Zur Systematik:
Gattung Puccinia, Familie Pucciniaceaea, Ordnung Pucciniales, Klasse Puccionomycetes
Liebe Grüße,
Christoph
