Servus beinand,
heute habe ich beim Gassigehen einen wunderschönen Befall eines Löwenzahns mit puccinia silvatica gefunden und mitgenommen. Ich mache daraus – zusammen mit früheren Aufsammlungen – ein kurzes Artportrait. Dieser Rostpilz erzeugt deutliche Wucherungen an den Blättern, also verdickte Bereiche an den Blattflecken. Zuerst findet man dort die Spermogonien (Foto vom Fund von heute, auch die ersten Mikrofotos danach):
Die Spermogonien sind diese kleinen, oranglichen Punkte auf dem jungen Blattfleck. Im Mikroskop sieht das dann so aus:
Kleine, unterschiedlich geformte Konidien. Man findet auch Konidienträger:
(ein Konidienträger in zwei Schärfeebenen)
Man findet in diesem Stadium schon die schönen gelben bis orangefarbigen Pigmente, jedenfalls in den Konidienträgern.
Zurück zur Makroskopie (Fotos aus dem Mai 2025):
Man erkennt´deutlich befallene Pflanzen schon "im Vorbeigehen" durch die vielen Blattflecken.
Hier beginnen die Aecien breits, sich zu öffnen.
Selbst die Hochblätter des Blütenstands können betroffen sein
Hier sind die Aecien richtig schön reif.
Jetzt wieder zum Fund von heute, Fotos mit dem Bino:
Und etwas näher herangeholt:
Es gibt allerdings mehrere Rostpilze an Taraxacum, also an Löwenzahn. Puccinia variabilis bildet hierbei ebenfalls Aecien, aber keine so deutlich angeschwollenen Blattflecken. Zudem bildet sie auch Uredien und Telien aus, macht also keinen Wirtswechsel, sondern zeigt alle Stadien gleichzeitig. Da aber zunächst nur Aecien vorhanden sein können, also Uredien und Telien noch fehlen, sollte man sicherheitshalber immer mikroskopieren, denn Puccinia silvatica zeigt die typischen abfallenden "Plättchen" an den Aecidiosporen, die bei Puccinia variabilis fehlen:
Hier sieht man schön ein "Plättchen" an der Aecidiospore rechts oben (am oberen linken Sporenrand). Die Plättchen fallen leicht ab, weshalb man sie dann überall im Präparat einfach so finden kann:
Besonders gut gefallen mit immer die dickwandigen Zellen des Aecienrands, der reif nach hinten umgeklappt ist. Hier im Mikroskop schön zu sehen.
Und noch ein paar Fotos von einem Fund von 2025 (zu den Makrofotos oben zugehörig):
Fein warziges Sporenornament und zwei Plättchen an der Spore.
Es gibt noch Puccinia taraxaci, wie der Name schon besagt, an Löwenzahn. Diese Art bildet aber keine Aecien am Löwenzahn aus, sondern Uredien und Telien. Man kann diese Art daher gar nicht mit Puccinia silvatica verwechseln.
Puccinia silvatica wirtswechselt zu Seggen, z. B. zu Carex brizoides. Bei mir ist Puccinia silvatica doch ziemlich häufig – ich finde sie immer wieder mal. Vermutlich habe ich sie sogar im Garten, habe da allerdings nur ein junges Stadium mit Spermogonien gefunden und der Rasenmäher hatte dann die weitere Entwicklung verhindert. In der gesamten Umgebung ist dieser Rost aber so gut verbreitet, dass ich deshalb kein schlechtes Gewissen habe (ich muss dazu sagen, dass ich gar nicht gemäht hatte, daher den Pilz nicht retten konnte).
Systematik:
Puccinia silvatica – Gattung Puccinia – Familie Pucciniaceae – Ordnung Pucciniales – Klasse Pucciniomycetes – Abteilung Basidiomycota
Liebe Grüße und viel Spaß beim Suchen nach dieser häufigen, auffälligen Art,
Christoph
