Servus beinand,
heute habe ich einen wunderschönen Frühlingsspaziergang unternehmen können. Dackeldame Resi war wieder dabei. Da ich immer noch in der Genesungsphase nach einer Knie-OP bin, bin ich froh, endlich auch mal etwas längere Spaziergänge unternehmen zu können. Es wird immer besser. Und dann kann man sich nebenbei auch auf Pilze konzentrieren. Ich habe hierbei gezielt Scharbockskraut angeschaut und auf Blattflecken, Verfärbungen usw. geachtet.
Ich fange mit dem Pilz an, der leicht zu bestimmen ist – Uromyces poae:
Schon im Stehen/Gehen, von oben auf die Blätter schauend, sieht man gelbe Flecken. Dreht man die Blätter um bzw. rupft sie raus und schaut sie mit der Lupe an, schaut das so aus:
Blattunterseits sieht man Spermogonien und Aecien. Oben ist noch ein Blattfleck, den ich gleich thematisieren werde.
Hier sieht man göffnete, reife Aecien. Die flachen, dunkler und etwas schmutziger orangenen Kissen/Flecken dazwischen sind die Spermogonien. Oft sind die Aecien reundherum angeordnet, was ich anhand eines früheren Fundes kurz zeige:
Die flachen, ornagefarbigen Flecken, die von den Aecien umgeben sind, sind wieder die Spermogonien. Hier sieht man es besonders gut, finde ich, daher das Foto vom letzten Jahr. Damit kann man Uromyces poae eigentlich schon mit der Lupe bestimmen. Sicherheitshalber schaut man sie aber die Aecidiosporen an. Die Sporenmaße, das Fehlen von sich ablösenden Plättchen an der Oberfläche und die feinwarzige Pberfläche bestätigen dann den Befund.
Jetzt aber zur Mikroskopie:
Die farblosen/farbarmen, stark ornamentierte Zellen Bilden den Rand der Aecien (was so schön kronenartig absteht). Die finde ich immer besonders hübsch.
Hier in einer anderen Schärfeebene, um die Dickwandigkeit zu zeigen und nochmal in Aufsicht auf das Ornament.
Die Aecidiosporen sind schön orangegelb gefüllt.
Hier eine Aecidiospore links im Querschnitt, rechts in Aufsicht (feinwarzige Oberfläche).
Und da ich immer neugierig bin, habe ich auch ein Spermogonium mikroskopiert:
Faszinierend finde ich die Formenvielfalt der Konidien.
Dass da ein Blattfleck zu sehen war, war ein Zufallsfund. Unterm Bino sah das dann so aus:
Kleine, schwarze Buckel auf der Blattunterseite auf einem Blattfleck. Sowas mag ich. Klingt verrückt, ist aber so. Hier war die Präparation aber herausfordernd. Genau genommen bin ich gescheitert. Ich wollte dünne Schnitte durch die winzigen Flecke schaffen, um die konidiogenen Zellen zu sehen. Hat aber nicht wirklich geklappt. Schnitt ging, aber trotzdem waren die Konidienträger dicht gepackt, dass sie nicht gut zu differenzieren waren. Also quetschen... das hat sie dann zerrissen. Entweder dicht gepackt oder kaputt... Konidien habe ich reichlich gesehen, aber auch das war so eine Sache. Sie sind winzig, um die 2,0 – 4,0 × 0,6 – 0,8 µm, also winzig. Das bedeutet, sie drehen sich, zappeln, zucken... schwierig zu fotografieren. Die Maximallänge ist schwer zu erkennen, da sie sich gleich wieder aus der Schärfeebene drehen.Ein Beispielfoto:
Ich habe mehrfach präpariert, bis am Ende keine schwarzen Punkte mehr übrig waren. Bei der Bestimmung komme ich wegen der winzigen Konidien und der schwarzen Pyknidien an Blattflecken auf die Gattung Asteromella. Der aktuelle Schlüssel von Klenke & Kruse führt mich dann zu Asteromella ranunculi (nur soll der auf anderen Ranunculus-Arten und nicht an Ficaria vorkommen). Sehr gut passen die Sporenmaße bei Klenke & Kruse, aber in der Bearbeitung von Ruszkiewicz-Michalska (2016) – siehe https://www.researchgate.net/p…ungi_Ascomycota_in_Poland – werden längere Konidien angegeben. Demnach würde Asteromella ranunculi 5–5,5(–6,0) × 1 µm große Konidien haben, die von Asteromella trolli würden etwas besser passen, aber Scharbockskraut ist keine Trollblume. Klenke & Kruse geben 2–3 × 0,7–1,5 μm als Maße für Asteromella ranunculi an, wobei an Scharbockskraut eine unbeschriebene Art vorkommen soll, deren Konidien mit 5–7,4 × 1,7–2 μm deutlich größer sind.
Kurz gesagt: für mich unklar. Eine Asteromella sollte es aber sein...
Jetzt zu dem Fund, bei dem ich Bestimmungshilfe erhoffe. Ich habe eine Botrytis an Scharbockskraut gefunden. An diesem Wirt geben Klenke & Kruse Botrytis ficariarum an (füher bekannt als Botryotinia ficariarum, bildet schöne, gestielte Becher als Hauptfruchtform). Im Gelände hatte ich auf diese Art schon spekuliert:
Unterseits eines Blattflecks ist der dunkle "Schimmel" zu sehen. Bekannt ist z. B. Botrytis cinerea an Erdbeeren. Sieht im Prinzip genauso aus. Die Präparation war auch nicht einfach, da selbst bei der Tesafilmethode die Konidienträger sofort kaputt gingen. Einen habe ich aber, abgesehen von Lufteinschluss, hinbekommen:
Und hier die Konidien (als Tafel zusammegestellt):
Der Messbalken sind 10 μm
Als Maße ergibt das (n = 30): 11,0–14,4–171, × 7,1–8,4–10,3 μm. Damit ist Botrytis ficariarum raus! Und Botrytis cinerea, die ja an alles mögliche geht, auch raus. Es gibt eine Botrytis euroamericana, die auch an diverse Wirte geht und die eher so große Konidien ausbildet. Ich habe daher erstmal nur für mich intern den Arbeitsnamen Botrytis cf. euroamericana gewählt. Ich habe leider nur ein einziges, betroffenen Blatt gefunden – für einen kleinen Beleg reicht es so gerade. Wenn ich das zum Sequenzieren gebe, ist kaum nich was übrig und daheim kultivieren kann ich nicht. Insofern kann ich nur indie Runde fragen, ob jemand hier schonmal so eine Botrytis an Scharbockskraut gefunden hat oder sowas kennt. Für sachdienliche Hinweise bin ich immer dankbar.
Als letztes der Nicht-Pilz. Der war der häufigste Befall an Scharbockskraut auf meiner Runde: Peronospora ficariae, ein Oomyzet, also ein entfernter Verwandter der Braunalgen:
Der weiße Rasen auf der Unterseite kommt auf dem Foto nicht so gut rüber. Man erkennt denBefall aber von oben durch blasse Blätter im sonst gesunden Bestand.
Im Mikroskop ist es dann richtig nett:
Liebe Grüße,
Christoph
