Colletotrichum trichellum (Fr.) Pat.

  • Servus beinand,


    gestern habe ich ein Efeublatt mitgenommen, das einen deutlichen, nekrosen Blattfleck am Blattrand mit kleinen, schwarzen Punkten an der Oberseite aufwies. Unter dem Bino zeigt sich sofort, dass die "Punkte" Setae beseitzen, also kleine, schwarze Borsten. Nicht viele, aber sie sind erkennbar – es handelt sich um Colletotrichum trichellum. Das alles ist sehr klein, weshalb die Setae auf dem Foto (wegen meiner Auflichtbeleuchtung) nicht gut zu sehen sind, aber dafür git es ja auch Mikrofotos:




    Es gibt an Efeu ja noch weitere (mehr oder weniger deutliche) Blattflecken erzeugende Arten mit "schwarzen Punkten", so z. B. Asteromella hederacea, Boeremia hedericola, Chaetopyrena hdera-helicis, Microdiplodia riofrioi, Phyllosticta concentrica, Pyrenochaeta helicina oder Macrophoma ulcinjensis.


    Von diesen Arten haben nur Chaetopyrena hedera-helicis und Pyrenochaeta helicina Borsten. Erstere hat zweizellige, zylindrische Konidien (12–15 × 2–3 μm), die Pyrenochaeta helicina bildet Pycnidien auf der Ober- und Unterseits der Blattflecken und die einzelligen Konidien messen13–16 × 3–4 μm.


    Ich habe an meiner Kollektion gemessen: 19,4–22,3–24,9 × 4,4–4,6–4,9 μm. Die Gattung Colletotrichum ist sehr groß und viele Arten müssen zur Bestimmung sequenziert werden und/oder in Kultur genommen werden (z. B., um die Haustorien genau zu sehen, die auch Artmerkmale zeigen). Hier geht es aber (m.E.) klassisch, denn es gibt nicht sooo viele Arten mit gebogenen Sporen, dann der Bezug zum Wirt Hedera helix mit Blattnekrosen (die Art kommt wohl auch auf anderen Wirten vor, aber an Hedera gibt es m.W. nur diese eine Colletotrichum-Art) und dann sind die Sporen eben nicht nur schwach gebogen, sondern zudem teils etwas eingeschnütz (rote Pfeile oben). Das zeigt auch die Abbildung 4 (fig. 4 l) in dieser Publikation: https://mycokeys.pensoft.net/article/161122/ (Norphanphoun et al. 2025).


    Kurz gesagt: findet ihr mit der Lupe / unterm Bino auf den Blattflecken Pycnidien/Acervuli mit Borsten, dann lohnt ein Bestimmungsversuch. Colletotrichum trichellum gilt als generell häufig. Ich bin auf die Art gestoßen, weil ein Freund von mir aus München sie dort gefunden hat und mich diesbezüglich kontaktiert hat. Das hat mich animiert, selber nachzusuchen und bei der zweiten beiläufigen Gassigeh-Stichprobe wurde ich schon fündig. Die Blattflecken sind groß, unregelmäßig, gerne eben auch am Blattrand, nicht so, wie man es von Boeremia hedericola kennt (früher "Phoma" hedericola). Wobei dazu zu sagen ist, dass nicht jede "Phoma" mit Blattflecken an Efeu diese Art ist. Da sist aber ein anderes Thema.


    Colletotrichum ist übrigens die Nebenfruchtform der Gattung Glomerella – Colletotrichum wurde aber früher als Gattung beschrieben, weshalb hier der frühere Name der Nebenfruchtform Priorität hat. Systematisch wird die aktuell wir folgt eingeordnet: Glomerellaceae, Glomerellales, Hypocreomycetidae, Sordariomycetes, Ascomyota.


    Viel Spaß beim Suchen und Kartieren,

    Christoph