Puccinia alnetorum?

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  • Hallo zusammen,


    Anfang des Jahres gab es im Rahmen der Vortragsreihe der ÖMG einen sehr spannenden Vortrag von Stefan Zinke zum Thema Rostpilze. Dieser hat mich motiviert, mir die eine oder andere Pflanze etwas genauer anzusehen und bin dann recht bald auf Schilf tatsächlich fündig geworden. Der Fund stammt vom 13.02.2026 aus einem Auwald bei Gaißau nahe der Mündung des Alten Rheins in den Bodensee.



    Im Buch von Julia Kruse finde ich auf Schilf (Phragmites australis) als mögliche Kandidaten aus der Gattung Puccinia: P. phragmitis, P. graminis, P. magnusiana und P. alnetorum. Ich denke P. phragmitis und P. graminis kann man aufgrund der Form der Teleutosporen ausschließen. Bitte korrigiert mich, falls ich hier falsch liegen sollte.


    Bzgl. Unterscheidung der beiden verbleibenden Arten bin ich auf die Beschreibung von Ernst Gäumann gestoßen https://www.zobodat.at/pdf/Hedwigia_80_ ... 8-0140.pdf. Dieser hebt den Unterschied von P. alnetorum zu P. magnusiana (Schilf-Braunrost) wie folgt hervor: "Auch in der Gestalt weichen die Teleutosporen in ihrer Mehrzahl von denjenigen der Puccinia magnusiana ab. Ihr Scheitel ist meist verjüngt und läuft meist in einer rundlichen, zuweilen schiefen Spitze aus (Abb. 1); seltener ist er gerundet oder abgestutzt. Bei der Puccinia magnusiana ist er dagegen meistens gerundet oder abgestutzt und nur ausnahmsweise vorgezogen."


    Maße für die Teleutosporen werden von Gäumann für P. alnetorum mit 52.5 x 19.5 um (Q = 2.69) angegeben. Somit sind diese im Vergleich zu P. magnusiana (44.2 x 22.2 um, Q = 1.99) doch deutlich größer und schlanker.


    Ich messe bei meinem Exemplar eine Größe von 55.6-66.8 x 15.5-19.3 um (Q = 3.0-4.0). Das ist größer als die von Gäumann angegebenen Werte, aber laut Reinhard Berndt https://www.zobodat.at/pdf/Carolinea_57_0057-0064.pdf können die Teleutosporen von P. alnetorum sogar Längen von 70 um erreichen.


    Ich denke daher, dass es sich vor allem aufgrund der Form mit den meist verjüngten Scheiteln bei diesem Fund um P. alnetorum handelt. Was mich nun doch wundert sind die zwei folgenden Funde, bei denen es sich meiner Ansicht nach auch um die selbe Art handeln dürfte. Der erste der beiden stammt vom 28.02.2026 aus einem Auwald am Bodensee bei Bregenz. Die Sporen sind bei diesem (35.3) 46.2-53.4-61.5 (69.4) x (15.2) 15.7-18.3-20.7 (23.3) groß mit einem Q-Wert von 2.2-3.6. Die meisten Sporen sind am Scheitel verjüngt, aber es gibt hier auch einige mit stumpfem Scheitel.



    Der dritte Fund stammt von letztem Wochenende aus einem Auwald am Alten Rhein bei Hohenems. Die Sporen sind hier mit 41.4-56.7 x 17.2-22.8 um und einem Q-Wert von 1.9-3.3 etwas kürzer und breiter als bei den beiden zuvor. Viele Sporen sind auch hier am Scheitel verjüngt, aber es gibt auch hier einige mit stumpfem Scheitel.



    Kann es sich wirklich bei allen drei um P. alnetorum handeln oder übersehe ich etwas? Dann wäre die Art hier im Umkreis von etwa 20 km doch recht häufig. P. alnetorum führt einen Wirtswechsel auf Waldreben (Clematis) durch, welche an allen drei Fundorten auftreten sollten.


    Für eure Einschätzung wäre ich dankbar. Auch eine Aussage, dass eine sichere Bestimmung auf dieser Grundlage nicht möglich ist, würde mir schon helfen.


    Mit freundlichem Gruß,

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    ich würde deine Funde auch für P. alnetorum halten. P. graminis und P. phragmites hätten größere Telien und die Teliosporen sähen, wie du ja auch schreibst, etwas anders aus. Bei P. magnusiana sind die Teliosporen nicht so zugespitzt:



    P. alnetorum habe ich selber zwar noch nicht an Phragmites gefunden (nur an Clematis:


    aber insbesondere wenn man mit den Sporenzeichnungen von Gäumann vergleicht, bleiben da eigentlich keine Zweifel. Was die Sporengrößen angeht, sollte man da bei Rosten nicht ganz so viel Gewicht drauf legen. Zum einen schwanken die Sporenmaße doch stärker als bei anderen Pilzen, zum anderen beziehen sich Literaturwerte meistens auf Messungen an Herbarmaterial in Lactoglycerol.


    Björn