Servus beinand,
gestern habe ich beim Spazierengehen Winterlinge mit sehr jungem Befall von Leucotelium cerasi gefunden. Ich bin auch in meinem Garten fündig geworden (obwohl ich erst vor zwei Jahren Winterlinge ausgesäht habe und noch sehr wenige wachsen). Der Reifegrad des Spaziergangfunds ist ungefähr so wie im Garten. Letztere will ich noch richtig ausreifen lassen, daher habe ich den jungen Befall mitgenommen, um das mal unterm Mikroskop anzuschauen (also das Stadium "0").
Hier erstmal der makroskopische Anblick:
Leucotelium cerasi ex Eranthis hyemalis – Spermogonien an der Blattoberseite
Leucotelium cerasi ex Eranthis hyemalis – Aecien blattunterseits, noch im Blatt und unreif (müssen sich noch öffnen)
Die Spermogonien sind, wie man am Foto sehen kann, bräunlich und haben eine helle Spitze in der Mitte. Das habe ich natürlich vergrößern müssen:
Leucotelium cerasi ex Eranthis hyemalis – Spermogonien an der Blattoberseite im 40er Objektiv in zwei Schärfeebenen (damit man die Konidien sehen kann)
Ich gehe davon aus, dass ich auch in diesem jungen Stadium kartieren kann (vielleicht kann mir da einer unserer Phytoparasitenprofis die Bestätigung geben?!). Viele Kartierungspunkte gibt es ja nicht. Der hier ist aus der Nöhe von Rott (am Lech, wobei der Lech doch noch ein Stück weg ist). Jedenfalls warte ich im Garten ab, bis die Aecien schön entwickelt sind. Praktisch ist, dass befallene Pflanzen längere Blattstiele entwickeln und die Blätter auch farblich ein klein wenig anders ausschauen. Die Blüte wird unterdrückt (oder der Rost geht nur auf nicht blühende Pflanzen, wobei ich eher vermute, dass es eine Folge des Befalls ist, dass sie nicht blüht). Am Fundort sind Sauerkrischen nicht weit und bei mir im Garten zumindest eine Zwetschge. Wobei ich nicht weiß, ob alle Prunus-Arten als Wirt genommen werden.
Die anderen beiden Funde stammen vom selben Spaziergang. Ich habe einen Brennnesselhalm (vorjährig natürlich) mit nach Hause genommen, weil mal wieder so schön die Calloria urticae drauf saß. Schöne rote Kissen, also die Nebenfruchtform. Zudem waren die obligatorischen, schwarzen Punkterl drauf. Letztere haben mich insbesondere interessiert. Es war eine Nebenfruchtform. Im Bino waren nur wenige komplett ausgereift und zeigten ein etwas verlängertes Ostiolum. Makroskopisch sah es nach Leptosphaeria s.l. aus, nicht nach Phomatodes. Natürlich muss man mikroskopieren:
Plenodomus acutus (Anamorphe) ex Urtica – Konidienmaße (n = 40): 5,8–7,0–8,9 × 2,0–2,4–2,7 Mikrometer, Q = 2,19–3,00–3,87
Ich kenne drei "Phoma"-Arten auf Urtica: Phoma piskorzii (= Plenodomus acutus), Phoma acuta (= Leptosphaeria doliolum, trotz des Namens) und Phomatodes nebulosa. Die beiden letzteren haben deutlich kürzere Konidien. Phomatodes nebulosa habe ich auch einmal in meiner Gegend gefunden, allerdings zur Bestimmung sequenziert (und dann in der Mycologia Bavarica publiziert). Man muss bei den Phoma-artigen Nebenfruchtkörpern aufpassen: Konidienform und -maße, Verteilung der Öltröpfchen, Makroskopie der Pycnidien. Hier passt (fast) alles: lange, schmale Konidien und Pycnidien mit nur je einem Ostiolum (also nicht zusammenfließend). Was ich nicht gesehen habe: septierte Konidien. Die sind für die Art von Boerema & Loerakker (1981) als "occasionally" beschrieben worden, mir fehlt da aber noch die Erfahrung, wie konstant das Merkmal auftritt und ob meine Pycnidien vielleicht noch zu jung dafür waren.
Die Hauptfruchtform von Plenodomus acutus ist ja völlig banal (muss aber auch mikroskopiert werden), denn es kommen ja zwei "Leptosphaeria"-Arten auf Brennnessel vor (wobei ich Leptosphaeria doliolum im Herbst reif finde, "Leptosphaeria" acuta im Frühling). Phoma-artige sind es dann aber schon (mindestens?) drei. Ich nenne den Fund jetzt einfach mal Plenodomus acutus ;-).
Hier noch der Vollständigkeit halber die schöne Calloria (ich hatte keinen Fotoapparat dabei, deshalb sind alle Fotos aus meinem Arbeitszimmer, hier auf dem Tisch):
Calloria urticae (Anamorphe) ex Urtica
Was soll ich sagen – Schwammerlsuche macht einfach Spaß.
Liebe Grüße,
Christoph
