Radulomyces confluens, Zusammenfließender Reibeisenpilz

  • Radulomyces confluens (Fr.) M.P. Christ. (1960)

    Zusammenfließender Reibeisenpilz

    Synonyme:

    - Thelephora confluens Fr. (1815)

    - Corticium confluens (Fr.) Fr. (1838)

    - Cerocorticium confluens (Fr.) Jülich & Stalpers (1980)

    1 Makroskopische Eigenschaften:

    Die Fruchtkörper beginnen als kleine Flecken, die aber rasch zu größeren Gebilden zusammenwachsen. Vollständig resupinat, frisch mit wachsartiger Haptik, trocken spröde mit etwas ledriger Haptik; beim Trocknen auch relativ stark ausdünnend und verflachenden Konturen; je nach Frische, Durchfeuchtung, Wuchsweise und Beschaffenheit der Unterlage in der Form sehr variabel: Von nahezu glatt über fein knubbelig bis grob warzig und Warzen teils zusammenfließend zu amorphen Gebilden; Ränder frisch oft fransig gewimpert, je nach Entwicklungsstadium aber auch fein flaumig ausdünnend oder ganz unauffällig; farblich ebenfalls variabel: Von cremeweißlich, blass grau, ockerlich, gelblich bis hin zu violetten oder olivockerlichen Schattierungen ist Vieles möglich.


    2 Mikroskopische Eigenschaften:

    Hyphenstruktur monomitisch, Septen mit Schnallen, Hyphen hyalin, vorwiegend dünnwandig, normalerweise recht dicht gepackt und vor allem im Subhymenium auch etwas verklebt (und dann nicht leicht zu beobachten); im Subhymenium aufsteigend, im Subikulum eher parallel zum Substrat; im Subikulum und Übergangsbereich zwischen Subikulum und Subhymenium gelegentlich mit eingelagerten Kristallen;

    Hymenium mit relativ großen (bis 40x10 µm), unregelmäßig keuligen Basidien mit Inhalt aus diversen Tröpfchen; Zystiden fehlen; Hyphidien sind in den meisten Kollektionen ausgeprägt aber eher unauffällig, selten verzweigt;

    Sporen inamyloid, breit elliptisch bis subglobos (selten einzelne fast kugelig), mit deutlichem Apikulus, dünnwandig aber bisweilen undeutlich doppelwandig wirkend, wegen dem Inhalt aus (in Leitunsgwasser) vielen kleinen oder auch wenigen bis einem einzigen großen Tropfen, der die gesamte Spore ausfüllen kann; Sporenwand glatt bis etwas unregelmäßig knubbelig, manchmal auch mit einzelnen, fein warzigen Sporen; Sporen normalerweise um 6-9(10) x 5-7(8) µm; Q meist um 1,1 - 1,5


    3 Vorkommen:

    In ganz Europa verbreitet und wohl überall sehr häufig, dürfte eigentlich nirgendwo fehlen, wo es liegendes Laubholz gibt. Besiedelt werden vorwiegend liegende Äste und dünnere Stämme von der späteren Initialphase bis weit in die Optimalphase der Vermorschung hinein; tendenziell bevorzugt werden +/- bodenfeuchte Areale, wobei das bei passender (feuchter) Witterung Funde in an sich trockenen Gebieten nicht ausschließt. Fruchtkörper können das ganze Jahr über gebildet werden (Voraussetzung wie gehabt: ausreichende Durchfeuchtung des Substrates); Funde an Nadelholz sind selten, aber möglich.



    4 Bilder:



















    5 Verwechslungen:

    Radulomyces confluens ist makroskopisch und in einigen Aspekten auch mikroskopisch sehr variabel. Durch die meist knubbeligen, wachsartigen Fruchtkörper, die großen unregelmäßig keuligen Basidien, die großen Sporen, und fehlende Zystiden aber recht gut definiert.

    Radulomyces rickii ist allerdings nicht leicht zu unterscheiden. Das solideste Merkmal dürften dabei die Sporen sein, die bei Radulomyces rickii konstant kugelig oder unregelmäßig kugelig sein sollten. Auch bei Radulomyces confluens kommen in nahezu jeder Kollektion einzelne +/- rundliche Sporen vor, aber eben immer gemischt mit +/- deutlich elliptischen Sporen. Hier ist auch die Lage der Sporen wichtig, weil zB –žauf dem Kopf stehende–œ Sporen von Radulomyces confluens rund aussehen. Da sollte man auf den Apikulus achten, damit man nur Sporen in Seitenansicht beurteilt. Neben der Form sollen die Sporen von Radulomyces rickii relativ regelmäßig warzig sein, was sich als Merkmal aber dadurch relativiert, daß auch Radulomyces confluens gelegentlich Sporen mit knubbeliger oder sogar fein warziger Oberfläche bildet. Die Länge der Basidien scheint keine große Rolle zu spielen (vgl. Ghobad-Nejhad & Kotiranta in Mycotaxon 102 / 2007). Dafür kann die KOH - Reaktion der Fruchtkörper noch Aufschluss geben: Radulomyces confluens gelb; Radulomyces rickii gelbbraun (und zuvor wohl auch rötlich).

    Globulicium hiemale hat noch größere, kugelige Sporen und eigenartige, mit stäbchenförmigen Kristallen besetzte Hyphidien.

    Dazu gibt es natürlich einen Haufen weitere, makroskopisch sehr ähnliche Arten (je nach Variation der Fruchtkörper), die sich aber jeweils mikroskopisch recht deutlich unterscheiden. Eine - sicherlich unvollständige - Liste an Vergleichsvorschlägen siehe unten.



    6 Vergleichsvorschläge:

    Radulomyces rickii = Kugelsporiger Reibeisenpilz

    Radulomyces roseolus = Rosafarbener Reibeisenpilz

    Radulomyces molaris = Gezähnter Reibeisenpilz

    Globulicium hiemale = Winterlicher Kugelspor-Wachsrindenpilz

    Phlebia livida = Bleifarbener Kammpilz

    Phlebia lilascens = Lilafärbender Kammpilz

    Phlebia albida = Weißlicher Kammpilz

    Phanerochaete tuberculata = Zystidenlose Zystidenkruste

    Phanerochaete cumulodentata = Raspelzahn - Zystidenkruste

    Phlebiopsis gigantea = Großer Zystiden-Kammpilz

    Gloeocystidiellum luridum = Ockergelber Gloeozystidenrindenpilz

    Hyphoderma cremeoalbum = Cremeweißer Rindenpilz

    Hyphoderma mutatum = Veränderlicher Rindenpilz

    Hyphoderma roseocremeum = Rosafleckender Rindenpilz

    Sistotremastrum niveocremeum = Cremeweißer Scheinschütterzahn

    Cylindrobasidium laeve = Ablösender Rindenpilz

    Exidiopsis effusa = Ausgebreitete Wachskruste

    Exidia thuretiana = Weißlicher Drüsling


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