Hallo Bauernhelmi!
Zitat
Ich hab die Vermutung, dass wir die Sporen an unseren Wanderschuhen "eingeschleppt" haben könnten und dort, wo der passende Boden ist, da konnte sich langsam Mycel bilden.
Ihr unterschätzt die Pilze und ihre Verbreitungsstrategie durch Sporen.
Es ist tatsächlich so, dass die Pilze sich dort ansiedeln, wo ihnen Lebensraum geboten wird.
Dabei sind anhaftende Sporen an Schuhen die minimalst benutzte Taktik, auch, wenn das natürlich nicht ausgeschlossen ist.
Ich gebe immer wieder das Beispiel: Nehmt eine Großstadt und stellt dort im Herbst im Vorgarten (der Witterung voll ausgesetz) einen Strohballen hin (das Stroh des Getreides darf aber nicht totgespritzt worden sein!), und ihr werdet ab Frühjahr mitverfolgen können, welche Pilze sich dort ansiedeln. Auf jeden Fall werden dort Blasiger Becherling (Peziza vesiculosa), verschiedene Tintlinge (Corinus spec.), oftmals der Gold-Mistpilz (Bolbitius vitellinus) und manchmal Düngerlinge (Panaeolus spec.) drauf wachsen.
Die Sporen sind irgendwie allgegenwärtig, sogar von seltenen Pilzen, das will man manchmal gar nicht glauben.
Die warten nur darauf, dass sie sich endlich in einem für sie geeigneten Lebensraum ansiedeln können. Und das ist eigentlich das ganz große Problem: geeigneter Lebensraum!
Der wenig gestörte Kompost mit den Rötelritterlingen, die dunkle Fichtenanpflanzung mit den Safranschirmpilzen, die Lärche mit den Goldröhrlingen oder die Gartenkiefer mit den verschiedenen Schmierröhrlingen, das würde alles auch passieren ohne unser Dazutun, da bin ich inzwischen sicher!
Und ja: im Erzgebirge hat sich tatsächlich der Wald erholt, und dort wachsen jetzt Pilze, die dort seit Jahrzehnten nicht mehr zu finden waren.
VG Ingo W
Edit:
Selbst mache ich mir manchmal Gedanken, wie groß das Vermehrungspotential einer Pilzart sein muss, wieviele Sporen z.B. des Goldröhrlings überall keimen müssen, bis sich "Plus-Spore" mit "Minus-Spore" zu einem Myzel vereinigt und auch noch den dazugehörigen Mykorrhiza-Partner "Lärche" vorfindet.
Das muss eine immens hohe Zahl von Blindversuchen geben.