Beiträge von Ingo W

    Hallo Craterelle!


    Zitat


    Mein Anlass, mich mit der ganzen Thematik auseinanderzusetzen, war die Bemerkung eines Pilzfreunds, dass einer seiner Kollegen die Mykologie an den Nagel hängen wollte, weil er seine Arbeit durch die Sequenzierungen gefährdet/missachtet/entwertet sah (den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr, tut aber wenig zur Sache, weil ohnehin nur aus zweiter Hand).
    Da läuft doch offensichtlich etwas gewaltig schief?


    Ist wohl wie überall, liegt daran, wer was womit daraus macht.
    Mir haben die Ergebnisse sehr geholfen beim Verstehen einiger Holzmollisien. Ich sags gleich, irgrendwelche endgültige Bewertungen anhand nur einer Sequenz ist für mich Unsinn. Da kann nämlich einiges schief laufen, und dann kommt man eben auch mal zum Ergebnis, dass der Fliegenpilz eigentlich ein Birnengitterrost ist.


    In den wenigsten Fällen haben die Sequenzergebnisse meine Bestimmungen boykottiert, lediglich anders sortiert.
    Also wenn man z.B. meint, dass 2 aus menschlicher Sichtweise sehr ähnliche Arten unbedingt im Bäumchen beieinanderstehen müssen, weil wir eben bisher erst wenig Unterschied gefunden haben, dann wird man manchmal überrascht.


    Per Evolution sind manchmal recht gleiche (momentane) Ergebnisse rausgekommen über unterschiedliche Wege, was man dann halt im Bäumchen der Abstammungsherleitung sieht.
    Als Beispiel würde mir einfallen, dass ja sehr unterschiedliche Gattungen für die Oberflächenvergrößerung der Fruchtschicht mit der Lamellenform "rumgespielt" haben.
    Die genauen Zusammenhänge kenne ich jetzt nicht, aber der Spaltblättling, der Speisetäubling und der Riesenschirmling sind ja nicht gerade sehr verwandte Arten.
    Oder für einen Mykologischen Wenig-Auskenner (MWA) sind ja auch Pfifferling und Falscher Pfifferling fast gleich, und sollten deshalb bei einer Pilzausstellung besser nebeneinander liegen, auch wenn das entwicklungstechnisch falsch ist.


    Ich glaube, das ist das, wovor man so ein bisschen Angst hat.
    Als aktuelles Beispiel könnte man eben Psilocybe aufführen, die Zuwachs durch Stropharia kriegt, sich aber Deconica verabschiedet oder so ähnlich.


    Dass jetzt alles vom Feldmykologen nicht mehr bestimmbar ist, glaube ich nun nicht.
    Als Makroskopiker und allumfassend interessierter Feldmykologe hat man ja ohnehin immer schon besser die Finger von bestimmten Gattungen sein lassen sollen wie Schleierlinge, Rötlinge, Weichbecherchen, helle Corti-Belage usw.
    So nach und nach sind Filzröhrlinge per Auge nicht mehr bestimmbar gewesen, Neben dem Weißen Jungfernhaarbecherchen stellen sich plötzlich 50 andere, Pezizen gehen selbst mit Mikro schlecht usw.


    Und jetzt mit der Sequenziererei sieht man sich auch noch der letzten Pilzgattungen beraubt, und offizielle Pilzwanderungen müssen ausfallen, weil der führende PSV ein schlechtes Gewissen kriegt, wenn er einen Perlpilz als Perlpilz verkauft.


    Ich denke, da liegt die Hundsrute begraben.


    Ich selbst bin ja wie einige andere davon überzeugt, dass Makromerkmale weiterhin aktuell sind, und dass Mikromerkmale nichts widersprüchliches zu Sequenzergebnissen darstellen.
    Suspekt sind mir aber die Aufdröseler, die für jede Abweichung innerhalb der Gattung sofort eine neue brauchen. Ob das immer so sein muss?


    VG Ingo W


    'n Abend,


    Die Sequenzen lassen jedoch keine weitere Untergliederung in Varietäten erkennen. Eine solche Trennung könnte, falls überhaupt, eventuell mit Hilfe der Analyse weiterer Loci, erreicht werden. Einstweilen können diese Varietäten und Formen einzig aufgrund der morphologischen Merkmale unterschieden werden.


    Objektiv meine ich, könnt ihr da mitgehen?


    Hallo Peter!


    Alleine, dass du bei der Auswertung der Sequenzen bei nicht 100%-iger Übereinstimmung des untersuchten Materials das Wort "objektiv" benutzt, wäre der Anlass für mich eine abendfüllende Gesprächsrunde anzuzetteln, schätze ich.


    Nach Durchlesen des Artikels ziehe ich als Ergebnis für mich heraus, dass einige mit unterschiedlichen Namen abgelegte Psilocyben im geprüften Sequenzabschnitt wohl nicht sehr differieren.


    Ob man da jetzt schon soweit ist, alles als Varietät runterzustufen? Keine anderen Sorgen?
    Ich würde da erst mal fleißig sammeln und genau Pilze und Sequenzen produzieren gemäß des schlauen Spruchs zur Art-Sequenz "Eine Sequenz ist keine und zwei sind nicht viel mehr".
    Aber insgesamt sind die Leute vom Fach, die werden wissen, was sie tun.
    Ich rede mir den Artikel jetzt einfach als Zwischenstandsbericht schön.


    VG Ingo W


    P.S.: Ist da eigentlich kein Bäumchen mit abgedruckt?

    Hallo Jan-Arne!

    Zitat


    ...oder das eine subjektive APR-Erfahrung ist, ist unklar: Besonders häufig finden wir die Dreifarbige Tramete (Daedaleopsis tricolor) an Kirsche.


    Zumindest habe ich das auch schon mal so gedacht:
    http://www.pilzforum.eu/board/…ttling?pid=34792#pid34792
    Inzwischen glaube ich, dass das regional verschieden ist.


    Dass die "richtige" braunrote D. tricolor viel dichter und konsoliger wächst, ist auch so eine Erkenntnis, die ich gerne teile.


    VG Ingo W

    Zitat


    Möglicherwise unterschätzt Du die Flut an Proben, die dann auf die jeweiligen Spezialisten zukommen. Und selbst wenn diese sauber dokumentiert sein sollten, glaubst Du tatsächlich die freuen sich über hunderte Proben Jährlich? Nein, können sie gar nicht. Sie werden sich maximal die für Sie interessantesten Proben rauspicken, völlig zu Recht und verständlich. Und der Rest wird nicht bearbeitet, kann ja auch gar nicht. Somit ist das Groß der Probensammler enttäuscht und wird das über kurz oder lang einstellen.


    Aber Ralf, es sollte doch klar sein, dass es nicht einen einzigen Sequenzierer gibt, der dann alles von allen zugeschickt bekommt.
    Freilich müssen sich da Leute zusammentun, die sich als Team ein kleines Feld raussuchen, woran sie gemeinsam arbeiten.
    Es gibt aber auch inzwischen die Möglichkeit, dass man sich so eine Sequenz und deren Auswertung als Dienstleistung machen lässt (habe ich auf jeden Fall schon gehört).


    Ich glaube übrigens nicht wirklich, dass ihr beide so verschieden seid in euren Meinungen.
    Da ich Stephan kenne, möchte ich auch noch sagen, dass er feldmykologisch gut unterwegs ist. Es ist mir bei den wenigen Treffen immer eine große Freude, mit ihm über Morphologie und Ökologie der gefundenen Pilze zu diskutieren.


    VG Ingo W

    Hallo Peter!

    Zitat


    Ingo,
    die knolligen jungen hat Werner 10.16, die alten Pilze 02.17 gefunden und aufgenommen.


    Hab ich gelesen, bringt mich aber nicht weiter, weil ich nicht weiß, wo die gewachsen sind.
    Am Stumpf ja sicherlich nicht, sonst hätte Werner die ja gleich gezeigt bei der anfänglichen Anfrage.

    Zitat


    Bestimmbar wären somit eh nur die älteren Fruchtkörper.


    Müssen wir halt warten, bis die jungen Knubbel reif sind.


    VG Ingo W

    Hallo Ralf!

    Zitat


    ...... weil sie in zugesandten Proben förmlich ersoffen sind.


    Keine Ahnung, wie lange es dauert, Mineralien von einem diesbezüglichen Mineralienfreund ordentlich zu beschreiben, aber bei einem gefundenen Pilz dauert das mit Makro und Mikro schon eine beträchtliche Zeit.
    Insofern hätte ich da weniger Ängste, dass Pilzsequenzierer von "akkurat dokumentierte Proben" zugeschüttet werden.


    Ich bleibe auch bei der Sequenziererei naiv und finde, dass die erst mal ein hilfreiches Werkzeug ist.
    Es ist auch nicht so, dass mir die Ergebnisse jetzt alles durcheinanderbringen oder meine mikroskopische Analyse ständig über den Haufen werfen....Nein....ganz im Gegenteil bestätigen die recht oft genau das, was ich auch rausgekriegt habe.


    Da, wo mal was anderes rauskam als vorvermutet, war das echt auch eine neue Erkenntnis, auf die man sich nach und nach auch einlassen kann.


    Und ich bleibe auch dort naiv, wo gesagt wird, dass Vielbeschreiber sich für Profilierungszwecke überengagieren. Sollen sie doch! Man muss erstens nicht alles mitmachen und zweitens gibt es schon viele beschriebene Arten, die jetzt nur noch Synonyme sind. Die Zeit wird ´s regeln.


    Ich werde momentan ja auch noch verstanden, wenn ich Inonotus radiatus zum Erlenschillerporling sage statt Xanthoporia radiata und wenn mir jmd. sagt, dass ich einen Perlpilz nicht mehr als Perlpilz ansprechen kann, weil es da gewisse Formen gibt, dann lass ich den einfach plaudern und sage PERLPILZ.


    VG Ingo W


    P.S.: Was eines der störendsten Dinge ist, wenn man sich mit Sequenzen beschäftigt, ist übrigens der schon angesprochene Müll.
    Wenn also andere Fliegenpilz-Sequenzen bei Rötlingen oder Dachpilzen oder Nebenfruchtformen des Birnengitterrostes auftauchen (Stark überspitzt dargestellt, aber im Prinzip erlebt man das so).
    Wöllte man dann nachschauen, wie ihr sequenzierte Fliegenpilz denn aussieht (also der, der bei den Rötlingen gelandet ist), um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, ist natürlich prinzipiell nirgends etwas hinterlegt oder man kommt nicht ran.

    Hallo Nochmal!


    Ich möchte mein Beispiel mit dem Fliegenpilz (oben von Rada zitiert) hier noch weiter strapazieren, um ein in meinen Augen wesentliches Problem darzustellen.


    Nehmen wir an, die erste gültige Beschreibung dieses Beispiel-Fliegenpilzes wäre vom Engländer John. Dieser Fliegenpilz hat im Schnitt 50 Punkte auf dem Hut.
    Wir erinnern uns, der Spanier Juan hatte ähnliche Fliegenpilze sequenzieren lassen (mit 48) Jeans Fliegenpilz in Frankreich hatte noch 47 Punkte, herausgekommen ist also eine nur geringe Abweichung und kreuzen lassen die sich auch noch alle miteinander.


    Am Ural angekommen, stellt der russische Sequenzierer Iwan fest, die Abweichung vom englischen Typus ist viel zu groß (auch für die Feldmykologen nachvollziehbar: der russische Fliegenpilz hat nur noch 40 Punkte, die haben hier einen Ockerton und sind im Schnitt dafür etwas größer) und kreuzen lassen die sich auch nicht mit dem Engländer.
    Er beschreibt also eine weitere Fliegenpilzart.


    Der gewissenhafte deutsche Mykologe Johann, alle im eu.Forum nennen ihn Hans, will nun die deutsche Fliegenpilzkollektion mit 45 Punkten testen und vergleicht seine Sequenz des Fliegenpilzes mit den hinterlegten Sequenzen des Russen und des Engländers.
    Er stellt in beide Richtungen fest, dass die Abweichungen doch gar nicht so groß sind, sondern lediglich 5 Punkte. Und Kreuzungsversuche gelingen ebenfalls noch sowohl mit dem westlichen als auch mit dem östlichen.


    Was ich insgesamt damit sagen will:
    Wir machen uns große Gedanken darüber, wie wir was richtig abgrenzen können mit unserem menschlichen Schubfachdenken, und die Natur kommt beim Menschenbeobachten aus dem Lachen nicht mehr raus.


    Ich hatte jetzt kurz die Möglichkeit dank Florian und Zotto in die ganze Geschichte etwas reinriechen zu dürfen.
    Hochinteressant, wahnsinnig hilfreich und ohne am Ende ein Sequenzfeedback zu bekommen, macht eigentlich die ganze Mikroskopiererei keinen Spaß mehr.


    Wahrscheinlich wird man sich aber damit abfinden müssen, dass es gut festgelegte Arten gibt, und welche, die sich auseinanderentwickeln und deshalb in dargestellten Bäumchen wahnsinnig streuen.


    VG Ingo W

    Hallo Maren!


    Ich glaub, das ist ein Phänomen relativ frisch geschlagener Bäume.
    Antwort weiß ich nicht.
    Als ich sowas mal sah, bildete ich mir ein, dass vielleicht die Säfte des Baums nach oben in die Krone streben wollen, also sozusagen die letzten Herzschläge.


    VG Ingo W

    Hallo Tanja!


    Damit Hierherreingucker wissen, worum es geht:
    http://www.pilzforum.eu/board/thema-foto-bestimmungshilfe


    Ich hätte mich ja auch gern mit einer Meinung zu einer Art beteiligt, aber für mich stellt sich das einfach so dar, dass ich keine Art kenne, die man auf das Bild legen könnte.
    Wie nennt sich das bei alten Artbeschreibungen, auf die mehrere Arten passen? Epitypus?


    Demokratie ist in dem Fall wohl keine gute Lösung, weil, wenn die Mehrheit Fliegenpilz beschließt (weil die Mehrheit z.B. Bücher hat, indem er so abgebildet ist), muss das noch lange nicht die Wahrheit sein.
    Insofern würde ich vorschlagen, dem Anfragenden mitzuteilen, dass die Infolage allein mit diesem einen Bild nicht dazu ausreicht, den Pilz befriedigend zu benamsen.


    Die Abstimmung kann man natürlich trotzdem machen, ist ja auch interessant, was dann rauskommt. Mir selbst fällt allerdings keine akzeptable Tendenz ein.
    Zuerst hatte ich Gedanken wie Jan-Arne mit Rhodocollybia maculata wegen engstehender Lamellen und den Flecken, aber mit dem Hutbuckel und den dicken Stielen würde ich mir das gleich im Nachgang selber madig reden.


    VG Ingo W

    Hallo Pablo!

    Zitat


    Wie hast du's geschafft, 27 Chips für's APR zu spenden, Peter? Eek
    Ich durfte nur 10 abgeben.


    Dieses Jahr ist das APR nur von Teilnehmern oder Teilnahmewilligen (z.B. Nobi, Björn oder Rothex) des APR finanziert worden. Dabei war 10 PCs das Höchstmaß pro Mitspieler


    Die 27 PCs Abzug vom Peter-Konto müssen also aus den Vorjahren stammen, er durfte bei einem so miesen PC-Kontostand dieses Jahr nichts spenden, das hatte der Nanz-Gnolm so beschlossen.
    http://www.pilzforum.eu/board/…2016?pid=346224#pid346224


    Zitat


    Ingo meint zu Recht, die Wette wurde von dir angenommen, da kann ich nur zustimmen.


    Naja, aber Pablo hat dir auch mehrfach angeboten, das man den Einsatz durchaus ändern könnte, also stell dich jetzt nicht wieder so an!


    Werner scheint bereit zu sein, die Fruchtkörper am Stumpf nochmal zu besuchen, also die knolligen jungen.
    Bei allen anderen gezeigten Pilzen verstehe ich die Zusammenhänge nicht, lehne die deshalb ab, für die Auflösung zu benutzen.


    VG Ingo W

    Hallo Pablo!


    Naja, Schnallen hätten auch andere zähnige Pilzbeläge, aber die Kombi mit den Steccherinum-Lampros.
    Ich hoffe mal, dass ich da richtig lag. Manchmal zweifelt man ja seine eigenen Bestimmungen an, wenn sie älter als 2 Jahre sind.


    Wie gesagt, im Unterschied zu Radulomyces radula oder anderen Zähnchenrindenpilzen ist diese gezeigte Art auf jeden Fall relativ biegsam, fast wie von Plicatura crispa so. Kann aber auch an dem fast nicht vorhandenem Kontext liegen (vor 2 Tagen hätte ich noch Trama geschrieben, hoffentlich ist der Begriff aktuell korrekt benutzt).


    VG Ingo W

    Hallo Joe!


    Bei mir ist ´s ja umgekehrt wie bei Pablo: ich kenne nur den Steccherinum oreophilum (Berg-Resupinatstacheling).
    Das, was du zeigst, ist er nicht bzw. will ich es mal abgeschwächter sagen: in solchen zusammenhängenden langen Reihen habe ich Steccherinum oreophilum noch nie gesehen. Der wächst m.E. nach eher kleinflächig.
    Auch ist er im Gegensatz zur obigen Beschreibung eher leicht vom Substrat zu lösen und relativ weich.


    VG Ingo W

    Hallo!


    Wenn der Dieter noch einmal schreibt, haben wir hier auch noch ein Jubiläum, ein Beitragsjubiläum.


    Pilzmel meint:

    Zitat


    Erstmal sequenzieren, dann gucken. Auf diesem Wege hat sich übrigens ein Riesenhaufen Datenmüll in der Genbank angesammelt. Und ebenso heimlich weitergedacht, so richtig scheint sich die hardcore-Wissenschaft nicht mehr für die Morphologie zu interessieren.


    Ich habe sogar manchmal das Gefühl, dass Feldmykologen belächelt werden und gar nicht mehr zählen, sobald Sequenzen ins Spiel kommen.
    Diese Nur-Sequenzierer richten nach meiner Ansicht gar nichts ordentliches aus. Eigentlich Müllproduzenten, bloß dass der Müll auch noch wichtig genommen wird.


    Beides muss Hand in Hand gehen, nur das bringt ´s!!


    VG Ingo W

    Hallo!


    Zitat

    Nur daß mein Kommentar nicht mißverstanden wird: Erstens: Genetik ist ein wichtiges Thema und öffnet eine Menge Türen auch in der Mykologie. Also Türen, die uns einen besseren Blick und ein Besseres Verständnis von Arten und Artentwicklungen verschaffen. Zweitens: Super Vorstellung eines Fundes, dazu eine Sequenz ermittelt und beides zusammen (Morphologie und Genetik) schön dokumentiert. Genau so muss das sein, egal welcher Name da am Ende steht und welches Verständnis dieser Sippe wir in 20 Jahren haben.
    Genau so wie du das hier machst, bringt das die Mykologie wissenschaftlich voran.


    Da hat der Pablo wieder meine Gedanken aufgeschrieben. Funktioniert sehr gut außerhalb des APRs.


    Zitat

    Ganz im Gegensatz zu solchen Albernheiten, wie zB einen Kubikdezimeter Waldboden durchzusequenzieren und daraus 10 neue Arten zu beschreiben. Sowas ist Tinnef, hat wissenschaftlich null Aussagekraft und ist das Papier nicht wert, auf dem nachher die Ergebnisse gedruckt werden.


    Dieser Sport ist total verrückt und muss eine Zeitlang sehr aktuell gewesen sein, denn ich stolper ständig über solche Waldboden-Kulturen, welche dann als beschriebene Art irgendwo im besten Fall als NFF von Becherchen auftauchen.


    Zitat

    Der einzige Punkt den ich gefunden hatte war die speckig glänzende Huthaut, weshalb ich sie schon als Psathyrella cf. fatua vorbestimmte


    Siehst du, das sind die geheimen Zeichen. Ich finde den auch durchschnittlich ziemlich klein und von der Farbe her schon irgendwie abweichend.


    Vollkommen klar ist mir, dass man jetzt ein beliebig vorgelegtes Fruchtkörper-Exemplar der Ps. fatua nicht unbedingt eindeutig zuordnen kann, aber ich denke, im Idealfall, wenn man die Fundort-Ökologie selber gesehen hat, und viele Fruchtkörper der Kollektion von jung bis alt am Fundort studieren konnte, dann denke ich, dass vielleicht ein guter Art-Zuordnungsgedanke im Vorfeld möglich ist.
    Dass irgendwas geht beim Auseinanderhalten hast du ja selbst schon beinahe bewiesen mit deiner Vorbestimmung, müsste halt öfter klappen.
    Ich denke mal, so war das auch von Andreas gemeint.


    VG Ingo W

    Hallo!


    Ja, da spricht der Pablo gleich noch das andere Problem an, nämlich, dass man wohl bei jeder Gattung neufestlegen muss, ab wann ungefähr, also ab wieviel Abweichung man von einer neuen Art sprechen kann. Ich meine, dass bei Pezicula (einer Becherart) die ITS von morphologisch augenscheinlich verschiedenen Arten wohl gerne eine Übereinstimmung von 99-100% bringen. Da muss man wohl nach einer geigneteren Sequenz-Passage suchen, um die Unterschiede zu dokumentieren.


    Zum Thema Kreuzung möchte ich nochmal ein altes Beispiel aufgreifen, dass mir bisher nicht aus dem Kopf ging:


    Stellen wir uns im westlichen Europa den Fliegenpilz vor, fangen wir in GB an. Diese Aufsammlung unterscheidet sich nur gering von einer Nachbaraufsammlung in Portugal. Übereinstimmung der Sequenzen fast perfekt 99%.


    Die Aufsammlung von Portugal stimmt fast perfekt 99% mit einer Aufsammlung in Spanien überein. Sind in Versuchen alle drei noch gut miteinander kreuzbar.


    Wir ziehen auf diese Art und Weise jetzt immer weiter nach Osten, jedes Mal ist die Sequenzübereinstimmng der Nachbarn 99%, jedes Mal weicht also nur ein Basenpaar ab oder vielleicht 2, jedesmal kommen wir auf das Ergebnis muss Fliegenpilz sein.


    Jetzt sind wir mit dieser Methode am Ural angekommen, auch dort sind die Pilze noch unpolitisch und der ukrainische Fund hat 99% Übereinstimmung mit dem russischen, also dort auch noch Fliegenpilz, dort auch noch miteinander kreuzbar, dort auch nur Abweichung 1 Basenpaar der Nachbararten.


    Vergleicht man aber jetzt den letzten der Serie, also den russischen mit dem ersten, dem GB-Fund, und lässt sich dort die Abweichung ausdrucken, sind wir eventuell bei einer Übereinstimmung der Basenpaare von nur noch 95%, und vielleicht sind diese auch nicht mehr miteinander kompatibel.
    Und jetzt?
    Eigentlich könnten die russischen Mykologen ja jetzt eine neue Art beschreiben, denn die "übliche" Abweichung zur britisch hinterlegten Sequenz reicht aus.


    VG Ingo W


    Edit:
    Beispiel Pablo

    Zitat

    Vermutlich gibt es immer irgendwelche Merkmale, nur haben wir die noch nicht gefunden. Da darf man ruhig etwas kreativ sein, um es mal übertrieben und etwas spaßhaft zu formulieren: Daß die Zystiden mit Mangosaft angefärbt bei der einen Art nach Krabbenbrot schmecken, und bei der anderen nach Salbeibutter.


    = ==Gnolm8


    Dieter, das soll dich auf keinen Fall runterziehen oder den schönen Beitrag schmälern, aber das sind mitunter so die Gedanken, die ich mir mache.
    Bei den Mollisien gibt es gleiche Beispiele. Einmal hat man welche als sehr eindeutig (die rucken und zucken nicht in den Sequezen, sind schön festgelegt, kaum Abweichung) und dann gibt es andere, die streuen wahnsinnig, da sieht man in den "Bäumchen" gar nicht wo die anfangen und aufhören wollen.

    Hallo Dieter!


    Sehr interessanter Beitrag, welcher vermittelt, was ihr euch für Arbeit für eine gute Bestimmung macht, und was für Möglichkeiten dazu genutzt werden können.

    Zitat


    Psathyrella fatua und Psathyrella spadiceogrisea agg. lassen sich definitiv weder makroskopisch noch mikroskopisch unterscheiden.


    Woher weißt du das?
    Dann müsstest du schon spadiceogriseo gegenüberstellen.


    Will deinen Optimismus nicht dämpfen, aber bisher weißt du nur, dass du einen Pilz hast, dessen Sequenz mit einer anderen gut übereinstimmt, die den Namen Ps. fatua trägt.


    VG Ingo W

    Hallo Pablo!

    Zitat


    Wenn Ingo übrigens seinen Einsatz anpassen darf, darfst du das auch, Peter.


    Geht natürlich nur bei noch nicht besiegelten Wetten!


    Also mit dem Pablo-Spruch: "Ich würde beide Wetten halten" ist natürlich theoretisch der "Vertrag" zustande gekommen.
    Schade für mich, ich hätte doch noch erhöhen sollen. Naja, muss ich durch.....


    Worauf ich noch hinweisen möchte: es geht hier natürlich schon um die anfänglich angefragten knolligen Fruchtkörper, und die dürften noch nicht reif sein.
    Dass die anderen dazugehören, ist ja nun nur Spekulation.


    Zitat


    Die Frage ist nur: Wer spielt den Schiedsrichter.....


    Ja, das müsste schon verlässliches Personal sein.........


    Mit der nötigen Fachkenntnis und so...........


    Also nicht irgendjemand, der kurz durch ´s Mikro schaut und im Brustton der Überzeugung solches Zeugs sagt: "Eindeutig Inonotus radiatus (Erlenschillerporling)."


    Also schon jemand, der auch die Interessen der Minderheiten und kleinen Leute wahrnimmt........


    Ich hab ´s!


    Schläft schon, aber bis die Fruchtkörper reif sind, ist er sicherlich wieder verfügbar:


    VG Ingo W

    Hallo Joe!


    Dann danke ich dir ganz herzlich für die Offenheit.
    Damit sollte das Problem gelöst sein:
    Bisporella citrina.


    VG Ingo W

    Hallo!


    Peter, aus dir wird nie ein erfolgreicher Pokerspieler, wenn du gleich so viel Chips reinschmeißt.
    Naja, hast ja auch nur noch 45 Chips.


    Wenn ich nach Pablos Vorschlägen Bilder suche, finde ich irgendwie schon wieder passende.
    Aber natürlich hat er nicht recht (hierher den Provozier-Gnolm ==Gnolm12) und man könnte durchaus ein bisschen Chips-Zeug setzen.
    Schätze halt, man müsste dann den Werner überzeugen, dort nochmal vorbeizuschauen, denn mit so jungen Fruchtkörpern wird das gerade nix.


    Für den Fall, dass ein späteres Nachschauen eingeleiert werden kann, setze ich natürlich ein paar wenige Obulusse gegen Inonotus radiatus, wo kämen wir denn da hin, wenn solche Knollen plötzlich Erlen-Schillerporlinge werden wöllten.
    Wobei ------ der Stamm sieht schon wie Erle aus.......
    Naja, sagen wir 10 PCs gegen Pablos Vermutung. ==Gnolm8
    Ach, dem Pablo wird das zuviel sein, ich gehe mal runter auf 2.


    VG Ingo W

    Hi Pablo!

    Zitat


    Könnte die denn auch so zusammenfließen und so einen weißen Filz um die Apos bilden, wie auf dem letzten bild von Joe zu sehen?


    Ja, im Vergehen sieht ja alles etwas merkwürdig aus. Wird ja z.T. angeknabbert, reißt auf oder wird befallen, quillt 20mal bei Regen auf, um dann wieder zusammenzuschrumpfen bei Frost.
    Damit hätte ich jetzt keine Probleme, ist kein Widerspruch.


    VG Ingo W

    Hi Pablo!

    Zitat


    Bei etlichen Porlingen muss man differenzieren zwischen den Hyphen in Hutfleisch (oder "Subikulum" bei resupinaten Arten).......


    Erzähl fix noch, was da konkret gemeint ist.
    Gehe ich von kleinen Bechern aus, dann ist Subikulum einen Hyphenfilz auf dem die Becher sitzen, also das Verbindungsglied Becher zum Substrat.


    Wenn ich oben deinen Satz so analysiere, befällt mich der Verdacht, dass bei resupinaten Porlingen mit Subikulum was anderes gemeint ist?


    VG Ingo W

    Hi Nobi!



    Zitat

    Wie bist Du denn an die Unterlagen gekommen? 8|8|8|
    Ich war mir sicher, die in meinem Schreibtisch gut verwahrt zu haben. Die Gnolmis sollten doch jetzt ruhen, oder?
    Und wenn sie schon spionieren, dann in Zukunft bitte richtig! Kreisling heißt das, nicht Kreißling! :cursing:


    Was glaubst du denn du, wie lange der GNobi-Gnolm schon wieder bei mir im Karton ruht. Kam doch Mitte Januar schon. ==Gnolm2
    Tja, und was deine Spionage-Kritik betrifft: also die letzten 3 Jahre war er ja bei dir...........==Gnolm3


    Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist. Hast du das womöglich mit der Erziehung etwas schleifen lassen? ==Gnolm11
    Und hat er das "ß" bloß falsch abgemalt, oder hast du so eine Sauklaue? ==Gnolm4


    Fragen über Fragen
    ==Gnolm10
    I

    Hallo!


    Also ich leg die Karten mal auf den Tisch.
    Auf den ersten Blick dachte ich wie Stefan an Bisporella/Calycina citrina (Zitronengelbe Was-auch-immer), passt ja, wenn gelb und leuchtend und an Laubholz.


    Aber die hören bei 4-5mm auf (hoffe ich), schaffen keine 10mm.
    Als Alternative ist mir dann nur Stereum hirsutum (Striegeliger Schichtpilz) eingefallen, aber da sind hier die Fruchtkörper zu gleichmäßig rund und das Substrat hätte sich bewegt haben müssen, weil seitlich wachsend bilden die natürlich Halbhüte.


    Tja, bin ich also immer noch ratlos und kann nur hoffen, dass Joe kein Gefühl für einen Zentimeter hat.
    Würde ich natürlich nie sagen ==Gnolm10, sondern würde mich einfach freuen, wenn beim beim nächsten Foto ein Lineal/Maßband etc. beim größten Becher liegt.


    VG Ingo W