Hallo!
Ja, da spricht der Pablo gleich noch das andere Problem an, nämlich, dass man wohl bei jeder Gattung neufestlegen muss, ab wann ungefähr, also ab wieviel Abweichung man von einer neuen Art sprechen kann. Ich meine, dass bei Pezicula (einer Becherart) die ITS von morphologisch augenscheinlich verschiedenen Arten wohl gerne eine Übereinstimmung von 99-100% bringen. Da muss man wohl nach einer geigneteren Sequenz-Passage suchen, um die Unterschiede zu dokumentieren.
Zum Thema Kreuzung möchte ich nochmal ein altes Beispiel aufgreifen, dass mir bisher nicht aus dem Kopf ging:
Stellen wir uns im westlichen Europa den Fliegenpilz vor, fangen wir in GB an. Diese Aufsammlung unterscheidet sich nur gering von einer Nachbaraufsammlung in Portugal. Übereinstimmung der Sequenzen fast perfekt 99%.
Die Aufsammlung von Portugal stimmt fast perfekt 99% mit einer Aufsammlung in Spanien überein. Sind in Versuchen alle drei noch gut miteinander kreuzbar.
Wir ziehen auf diese Art und Weise jetzt immer weiter nach Osten, jedes Mal ist die Sequenzübereinstimmng der Nachbarn 99%, jedes Mal weicht also nur ein Basenpaar ab oder vielleicht 2, jedesmal kommen wir auf das Ergebnis muss Fliegenpilz sein.
Jetzt sind wir mit dieser Methode am Ural angekommen, auch dort sind die Pilze noch unpolitisch und der ukrainische Fund hat 99% Übereinstimmung mit dem russischen, also dort auch noch Fliegenpilz, dort auch noch miteinander kreuzbar, dort auch nur Abweichung 1 Basenpaar der Nachbararten.
Vergleicht man aber jetzt den letzten der Serie, also den russischen mit dem ersten, dem GB-Fund, und lässt sich dort die Abweichung ausdrucken, sind wir eventuell bei einer Übereinstimmung der Basenpaare von nur noch 95%, und vielleicht sind diese auch nicht mehr miteinander kompatibel.
Und jetzt?
Eigentlich könnten die russischen Mykologen ja jetzt eine neue Art beschreiben, denn die "übliche" Abweichung zur britisch hinterlegten Sequenz reicht aus.
VG Ingo W
Edit:
Beispiel Pablo
Zitat
Vermutlich gibt es immer irgendwelche Merkmale, nur haben wir die noch nicht gefunden. Da darf man ruhig etwas kreativ sein, um es mal übertrieben und etwas spaßhaft zu formulieren: Daß die Zystiden mit Mangosaft angefärbt bei der einen Art nach Krabbenbrot schmecken, und bei der anderen nach Salbeibutter.
= 
Dieter, das soll dich auf keinen Fall runterziehen oder den schönen Beitrag schmälern, aber das sind mitunter so die Gedanken, die ich mir mache.
Bei den Mollisien gibt es gleiche Beispiele. Einmal hat man welche als sehr eindeutig (die rucken und zucken nicht in den Sequezen, sind schön festgelegt, kaum Abweichung) und dann gibt es andere, die streuen wahnsinnig, da sieht man in den "Bäumchen" gar nicht wo die anfangen und aufhören wollen.