Hallo.
Da wären noch die restlichen Pilze.
01: Tremella mesenterica = Goldgelber Zitterling
Den wollte Verena wohl noch sehen, hatten wir zwar am Samstag abend schon zusammen angeguckt, aber ich habe mal noch ein paar Bilder gemacht. Kann nicht schaden.
Die wuchsen in einer Eichenschonung sehr zahlreich an allerlei ansitzenden, toten ästen, manche freilich auch abgefallen, der Wirtspilz war in der meisten Fällen Peniophora quercina (Eichen - Zystidenrindenpilz).
Was bei den Tremellales eben interessant ist, sind die längsseptierten "Phragmobasidien". Diese Basidien teilen sich in vier Partitionen, aus jeder wächst im Idealfall ein ellenlanges Sterigmum mit einer Sporen am Ende.
Wenn man so eine Basidie von oben anguckt, zeigt sich diese septierung als Kreuz:
Nur sieht man so eben keine Sterigmen.
Dazu muss man die Basidien von der Seite erwischen, nur sieht man dann natürlich kein Kreuz mehr, sondern nur noch einen Strich.
Die Fruchtkörper durchlaufen übrigens ein Konidienstadium, in dem es noch keine Basidien gibt. Die pigmentierten Hyphen schnüren dabei aber reichlich gelborange pigmentierte Konidiensporen ab, die solchen Fruchtkörpern ein knallig gefärbtes Aussehen verleihen.
Fertile Basidiosporen sehen dann allerdings so aus:
02: Ceriporiopsis gilvescens = Fleckender Harzporling
Ziemlich am Anfang der Tour hatte ich einen rosalichen, resupinaten Porling an einem Buchenstamm eingepackt.
Das war der hier:
Etwas näher ran:
Hier gibt es eine ganze Reihe sehr ähnlicher Arten aus unterschiedlichen Gattungen. Der Schönfarbige Resupinatporling (Junghuhnia nitida) sollte nicht so dick werden und auch etwas feinere Poren haben. Er unterscheidet sich auch durch andere Zystiden.
Der Fleischfarbene Spaltporling (Schizopora flavipora) kann genauso aussehen, hat aber anders geformte Sporen und einen etwas anderen Aufbau der Fruchtschicht.
Außerdem wäre Schizopora pseudodimitisch, hat also im Subikulum dickwandige Hyphen. Junghuhnia ist sogar "richtig" dimitisch, hätte also neben den dünnwandigen generativen Hyphen auch dickwandige Skeletthyphen.
Hier gibt es auch im Subikulum nur dünnwandige Hyphen, diese mit Schnallen an den Septen.
Ceriporia ist eine Gattung ganz ohne Schnallen, also muss man bei Ceriporiopsis suchen.
Da gibt es mit Ceriporiopsis gilvescens und Ceriporiopsis pseudogilvescens (resinascens) zwei sehr ähnliche Arten. Die Sporen von C. pseudogilvescens werden aber bis 3 µm breit, das ist hier nicht der Fall:
Wichtig sind übrigens auch die Hyphenenden im Bereich der Porenmündungen. Diese sind mit feinen, stäbchenförmigen Kristallen besetzt:
Bei Schizopora wären diese Hyphenenden anders inkrustiert und teils mit Tröpfchen gefüllt.
Interessanterweise sind diese Kristalle auch im Subhymenium um manche Hyphen angeordnet, und dort auch sehr viel kräftiger und größer als an den Hyphenenden. Das sieht dann so aus:
Und näher dran:
Das hat mich ziemlich irritiert, weil ich in der Literatur dazu nichts finde. Ich vermutete eigentlich Zystiden, aber da ist nichts außer normalen, dünnwandigen Hyphen, um die sich diese Kristalle gruppieren.
03: Peniophora incarnata = Fleischroter Zystidenrindenpilz
Hier an einem Prunus - Gewächs an einem abgestorbenen Stämmchen.
Die Art ist im Grunde schon makroskopisch ansprechbar, sieht aber hübsch aus innen.
Als da wären nämlich zwei Arten von Zystiden. Einmal spindelige, dickwandige, sog. Lamprozystiden (im Bild links) und zylindrische, lange Zystiden, die mit sehr vielen Tröpfchen gefüllt sind. Das wären sogenannte Gloeozystiden:
Zum Vergleich noch eine Basidie mit Sporen neben Gloeozystiden:
04: Vuilleminia comedens = Gemeiner Rindensprenger
An Eiche:
Von nahem:
Dieser hier ist schon ziemlich dick geraten (teilweise kaum unter 1mm), die Beläge können auch hauchdünn sein. Makroskopisch kann man bei dem typischen Wachstum unter der Rinde hervorbrefchend und an Eiche schon von dieser Art ausgehen. Andere Arten hätten ein etwas anderes Aussehen oder würden an anderen Substraten auftreten.
Dieser Pilz zeigt gar keine Zystiden, aber dafür ziemlich große, teils "allantoide" (würstchenförmig gebogene) Sporen:
05: Myxomphalina maura = Dunkler Kohlennabeling
Ihr erinnert euch sicher an diese seltsamen Lamellenpilze im Sandkasten unter Kiefern:
Das ist echt eine Überraschung. Ich hatte mit Trichterlingen gerechnet. Aber am näcshten tag rochen die Pilze im Döschen spermatisch, das kann keine Art der Gattung. Ein Rißpilz ist es aber dennoch nicht.
Da hatte ich erstmal keinen Plan, Kohlennabelinge habe ich noch nicht gefunden und Bilder im Netz zeigen in der Mehrzahl sehr viel dunklere Pilze.
Allerdings ist auch die Erscheinungszeit sehr ungewöhnlich, was vielleicht ein Grund für die untypische Färbung sein kann.
Nun soll Myxomphalina aber amyloide Sporen haben, also Sporen, die mit einer Iodlösung blau werden. Das ist nicht immer einfach zu sehen, hier geht es makroskopisch fast besser als mikroskopisch:
Mikroskopisch habe ich dann etwas rumgespielt, dann sieht das so aus:
Und die Sporen selbst in groß sehen dann so aus:
Die sitzen an viersporigen Basidien:
Und an den lamellenschneiden finden sich dazu noch recht unterschiedlich geformte Zystiden:
Die sollten eigentlich etwas regelmäßiger aussehen, aber auch hier kann das eine Auswirkung der späten Erscheinungszeit und des ungünstigen Wetters sein.
Womit erstmal alles durch wäre.
Jetzt könnten wir wieder losziehen, ich brauche neues Zeug zum Angucken. ![]()
LG, pablo.
