Beiträge von Beorn

    Hi.


    Naja, normalerweise geht das recht flux. Zumindest bei richtigen Pilzen, also solchen die mehr oder weniger flächige Beläge auf Totholz bilden, bzw. die an Totholz wachsen und irgendwie Löcher haben.
    Der Rübling hier hat etwas länger gedauert, auch wenn man's kaum glauben will. :D



    LG; Pablo.

    Tach.


    Noch eine Kollektion von neulich, Oberrheinebene nördlich Mannheim; Rotbuchen-Mischwald auf sandigem schwach saurem Boden; an einem noch recht stabilen, liegenden und eher dünnen Rotbuchenstämmchen; Fruchtkörper wohl durch den steten Wechsel von sonnig-heiß zu klatschnass-kühl ziemlich stark verfärbt.









    LG, Pablo.

    Pycnoporus cinnabarinus (Jacq.) P. Karst.
    Zinnoberporling, Zinnobertramete
    Synonyme:
    - Boletus cinnabarinus Jacquin
    - Polyporus cinnabarinus (Jacq.) Fr.
    - Trametes cinnabarina (Jacq.) Fr.


    Familie: Polyporaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper einzeln bis dachziegelig –“ verwachsen; ungestielt aber normalerweise deutlich pileat, höchstens an Substratunterseiten oder schräg überhängendem Substrat mit kleineren Resupinatanteilen; anfangs knubbelig, bald mit ausgebreiteten, aber recht dickfleischigen Hüten, im Schnitt meist dreieckig; Hutkanten jung abgerundet, später auch scharf; im Wachstum oft mit einer fein filzigen, sterilen Zuwachszone am Hutrand; Konsistenz fest und zähfleischig, getrocknet hart; Hutoberfläche feinfilzig, vor allem frisch, im Alter von der Ansatzstelle her verkahlend und dann vor allem feucht glatt und glänzig; oft ziemlich uneben auswachsend mit allerlei chaotisch verlaufenden Runzeln, Grübchen und Huckelchen, manchmal auch mit einzelnen, konzentrischen Zonierungen; anfangs leuchtend orangerot gefärbt bis satt zinnoberrot, im Alter ockerlich ausblassend; Poren meist noch intensiver gefärbt, vor allem bei älteren Exemplaren vom Zentrum her blutrot, um 2-4/mm; Fleisch +/- zoniert; zähfaserig; orange, orangeocker bis orangerot; Geruch und Geschmack unspezifisch; Hutoberseite reagiert mit KOH 5% dunkel graubraun bis schwarz.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur trimitisch; generative Hyphen teils schwer zu beobachten, hyalin, dünnwandig, Septen mit Schnallen; Skeletthyphen dickwandig, unseptiert, kaum verzweigt; Bindehyphen etwas schmaler, ebenfalls dickwandig, reich verzweigt; Hymenium ohne Zystiden, Basidien keulig (2-)4-sporig, mit Basalschnalle; Sporen glatt, dünnwandig, inamyloid, elliptisch, bei reifen Fruchtkörpern um 5,5-7 x 2-3 µm, Sporen von unreifen Fruchtkörpern auch aus Abwurfpräparaten können abweichen (siehe unten).


    Vorkommen: Typischer Initialzersetzer von frischen, gefallenen Stämmen und Ästen von Laubholz; besonders gerne in offenem, sonnenexponiertem Gelände; häufig mit Trametes hirsuta und Schizophyllum commune vergesellschaftet; aber auch mit anderen Zersetzern der Initialphase.
    Insgesamt eine weit verbreitete und häufige Art.



    Bilder:










    Mikroaufnahmen von der Kollektion auf den Bildern 7+8; Sporen aus Abwurf, in KOH 3%



    Verwechslungen: Die weiteren Arten der Gattung (die sich im grunde nur durch die Färbung der Fruchtkörper von Trametes unterscheidet) haben eine tropische bis subtropische Verbreitung. Allerdings wurde Pycnoporus sanguineus in Südfrankreich dokumentiert, mit weiteren Funden im Mediterranraum wäre wohl zu rechnen. Pycnoporus sanguineus soll sich im Wesentlichen durch dunkler rot gefärbte, etwas trübere Fruchtkörper unterscheiden, mit etwas feineren Poren und dünneren Hüten mit schneller und gründlicher verkahlender Hutoberfläche. Pycnoporus sanguinolentus soll auch etwas kleinere Sporen haben, doch das Merkmal kann in die Irre führen: Siehe Sporenbild oben, die Maße der dort untersuchten Kollektion passen in das Spektrum von Pycnoporus sanguinolentus, wie zB in –žPoroid Fungi of Europe–œ angegeben.
    Hapalopilus –“ Arten sind weicher in der Konsistenz und weniger leuchtend gefärbt, zeigen eine blutrote bis violette KOH –“ Reaktion, die bei P. cinnabarinus fehlt, und sehen mikroskopisch ganz anders aus (monomitisches Hyphensystem).
    Pycnoporellus fulgens ist anders gefärbt (heller, mehr ins gelborangene), bewohnt vorwiegend Nadelholz, hat gröbere Poren und unterscheidet sich mikroskopisch durch seine Zystiden, größere Sporen und ein monomitisches Hyphensystem ohne Schnallen.
    Höchstens ganz entfernt ähnlich kann die eine oder andere Fomitopsis –“ Art aussehen, aber eigentlich gibt es da nichts mit solchen Farben.


    Vergleichsvorschläge:
    >Pycnoporus sanguineus = Blutroter Zinnoberschwamm<
    >Hapalopilus nidulans = Zimtfarbiger Weichporling<
    >Hapalopilus croceus = Safrangelber Weichporling<
    >Pycnoporellus fulgens = Leuchtender Weichporling<
    >Fomitopsis iberica = Iberischer Baumschwamm<

    Gymnopus fusipes (Bull.) Gray
    Spindeliger Rübling
    Synonyme:
    - Agaricus fusipes Bull.
    - Collybia fusipes (Bull.) Quel.
    - Agaricus crassipes Schaeff.
    - Collybia crassipes (Schaeff.) Ricken
    - Agaricus contortus Bull.
    - Agaricus fusipes var. contortus (Bull.) Fr.
    - Collybia contorta (Bull.) Raitelh.
    - Collybia fusipes var. contorta (Bull.) Gillet



    Familie: Omphalotaceae
    Ordnung: Agaricales
    Klasse: Agaricomycetes



    Hut:ausgewachsene Einzelhüte in großen Büscheln meist um 4-8 cm im Durchmesser, einzeln stehende Exemplare auch größer; Hutoberfläche immer glatt (nie samtig, filzig, haarig), jung und / oder feucht speckig und glänzend; gerne etwas runzlig / radialfaltig (kann auch fehlen); Hutrand lange herabgebogen; Huthaut etwas hygrophan, dunkel rotbraun bis weiß; mit starker Tendenz, braune Flecken zu entwickeln, und das gelegentlich auch schon recht früh.


    Stiele: meist recht lang (länger als Hutbreite); zäh und kräftig, schlank spindelig geformt (Name!) und in aller regel tief wurzelnd; oft schon jung kräftig längsrunzlig bis faltig; Oberfläche ganz glatt, höchstens jung mit sehr feiner, flockiger Bereifung an der Stielspitze; jung cremefarben, aber bald schon von unten her braun fleckend und dunkel rotbraun überlaufen.


    Lamellen: Ausgebuchtet bis breit angewachsen; ziemlich dick und entfernt stehend; fast etwas wachsartig in der Haptik; cremeweißlich bis rotbräunlich (auch jung), im Alter oft zunehmend fleckig; Sporenpulver im Abwurf rein weiß


    Fleisch: zäh und elastisch, weißlich; im Alter im Stiel auch mal etwas bräunend; Geschmack mild bis etwas herb; Geruch unspezifisch (nicht nach Kohl, nicht nach Knoblauch, nicht nach fauliger Zwiebel)


    Speisewert: eventuell in großen Mengen schwach giftig; individuelle Unverträglichkeiten möglich; normalerweise aber gut erhitzt wohl unproblematisch; Geschmack fragwürdig; insgesamt wohl als –žKeinspeisepilz–œ einzuteilen


    Vorkommen: Meistens büschelig, seltener einzeln um den Stammfuß alter Laubbäume herum (vorzugsweise Eichen, Esskastanien und Rotbuchen), auch an den Stümpfen gefällter Bäume; betätigt sich als Schwächeparasit und Folgezersetzer; in Mitteleuropa weit verbreitet und in den meisten gegenden häufig bis sehr häufig.



    Bilder:










    Verwechslungen: Die Art ist makroskopisch eindeutig bestimmbar. Zu beachten sind die glatten, längsfaltigen, wurzelnden Stiele; speckig –“ glatte Hüte; dicke und eher entfernte Lamellen; weißes Sporenpulver; Tendenz zur Entwicklung von braunen Flecken und der büschelige Wuchs.
    Ähnliche Blassporrüblinge (Gymnopus) haben entweder einen schlankeren Wuchs und oft einen deutlich bereiften oder zumindest an der Stielbasis striegligen Stiel; Rosasporrüblinge (Rhodocollybia) haben schmalere, meist deutlich gedrängte Lamellen und einen leichten Rosa- oder Ockerton im Sporenpulver.


    Vergleichsvorschläge
    >Gymnopus brassicolens = Kohlstinkender Blassporrübling<
    >Gymnopus peronatus = Brennender Rübling<
    >Rhodocollybia maculata = Gefleckter Rosasporrübling<
    >Rhodocollybia prolixa = Drehstieliger Rosasporrübling<
    >Tricholoma ustale = Brandiger Ritterling<
    >Hypholoma lateritium = Ziegelroter Schwefelkopf<

    Hallo, Jörg!


    Ich fürchte, daß auch die Sporenpulverfarbe ein überbewertetes Merkmal ist. Zugegeben habe ich beim Lungenseitling noch kein richtig sattes violett gesehen, aber dafür beim Austernseitling (Pleurotus ostreatus), und beim Rillstieligen auch mal nur ein weiß mit ganz schwachem, ockerlichem Stich wie beim Lungenseitling. Auch das scheint nicht konstant bei den einzelnen Arten zu sein.
    Dieser komplette Mangel an wirklich harten Merkmalen hat mich bei denen auch so ein wenig mutlos gemacht, also habe ich die Gattung erstmal beiseite gelegt. Irgendwann vielleicht mal wieder, aber dann müsste man es richtig machen, mit vielen akribisch untersuchten, morphologisch detailliert dokumentierten und auch sequenzierten Kollektionen.



    LG; Pablo.

    Hallo.


    Interessant übrigens:
    Bei einer kleinen Runde gestern durch ein nahes Odenwald-Tal verhübschten an sehr vielen Stellen Mengen an Fingerhut die Ansicht, wie ich sie da noch nie gesehen habe.
    Gibt es das bei Pflanzen auch, solche "guten Jahre" oder liegt das plötzliche massenhafte Auftreten wohl eher an einer ökologischen Veränderung des Gebietes? Ob es vielleicht der zu massive Holzeinschlag im vorletzten Jahr war, der an einigen Stellen schwere Waldschäden verursacht hat, weil der Baumbestand zu stark ausgedünnt wurde? :/



    LG, Pablo.

    Salut!


    Ja, die auf dem Monnemer Hauptfriedhof auch. Das Problem ist nur: Die hier blauen nicht schnell genug. Plus einige weitere oben erwähnte Details, die nicht gut ins Gesamtbild von bubalinus passen.



    LG, Pablo.

    Genau! :thumbup:


    Denn wenn man nicht echt jeden Filzer auf Herz und Nieren auseinandernehmen will, kann man auch gut einfach zwei Arten unterscheiden:
    Xerocomus esculentus: Fleisch knackig, wurmfrei, fest und farblich ansprechend, ohne Schimmelbefall
    Xerocomus venenatus: Fleisch weich, oft schon wabbelig von den Huträndern her, durchlöchert, farblich unbefriedigend, oft ausßen mit weißlichen Flecken und Belägen versehen.



    LG, Pablo.

    Ahoi!


    Eine weitere, hübsche Kollektion, vielleicht 200 Meter entfernt von der zweiten Kollektion im Startbeitrag, ebenfalls an Rotbuche, unterseits (also "versteckt") wachsend und vergesellschaftet am selben Stamm mit Stereum insignitum und Scopuloides rimosa:






    Die grauen, dünnen, etwas glasigen Beläge mit dein kleinen Zähnchen zwischen den Fruchtkörpern von Aporpium canescens sind Scopuloides rimosa. :)



    LG, Pablo.

    Moin!


    Mit welcher Literatur bestimmst du Peziza, Jan-Arne? Irgendwo hatte ich gespeichert (neurobiologische Festplatte, irgendwo schräg unter der Kopfhaut verankert), daß es mehrere gelbmilchende Pezizen gibt.


    Noch eine weitere Frage zu dem Filzröhrling: War das Fleisch tatsächlich so gelb, wie es auf den Bildern aussieht?
    Weil bei einem langsamen Verfärbungsverlauf, und wenn die Stielrinde das erste war, was verfärbt hat, kann das auch ganz gut einfach >Xerocomus pruinatus< sein. Daß der sp stark (und vor allem auch im Hutfleisch) verfärbt, wäre zwar ungewöhnlich, aber ganz ausschließen würde ich das nicht. Den Bereich, wo beim Eichenfilzer die Pünktchen sein sollten, hast du nämlich sehr wohl voll erwischt. Stimmt zwar, daß das bei manchen Kollektionen mal nur schwach ausgeprägt ist, aber die sollte man dann auch besonders vorsichtig auf andere Arten (zB auch Xerocomus bubalinus = Hortiboletus bubalinus) abklopfen. Und auch mal einen mikroskopischen Blick in die Huthaut und auf die Sporen werfen.
    Nur für den gefiele mir weder die Färbung des Stielfleisches, noch die des Hutfleisches (normalerweise mit noch deutlicherer Zweiteilung: Oben rosa, unten blau im Schnitt).



    LG, Pablo.

    Hallo.


    Ich würde sogar sagen, daß die drei in Frage kommenden Seitlingsarten nur makroskopisch zu trennen sind (wenn überhaupt), und die hier und da mal angeführten Mikromerkmale eher inkonstant sind. Aber dem müsste man wohl auch nochmal nachgehen und auch etliche Sequenzierungsreihen starten, mittlerweile habe ich sogar den verdacht, daß bestimmte Sippen von Pleurotus pulmonarius mit einigen Sippen von Pleurotus ostreatus duchaus kreuzbar sein könnten.


    Bei den eingengs gezeigten Fruchtkörpern sollte zumindest Pleurotus cornucopiae auszuschließen sein, denn da stimmt dier Wuchsform nicht, die Stiele sind viel zu wenig entwickelt und die Fruchtkörper insgesamt zu dünn. Rein von der Optik her ginge meine Tendenz zu Pleurotus ostreatus, weil auch Pleurotus pulmonarius deutlich gestielt ist, insbesondere wenn so an Substratunterseiten wachsend. Aber das ist eine sehr unsichere Diagnose, ohne die gesamte Kollektion am Stamm beobachten zu können.



    LG; Pablo.

    Hi.


    Ja, Stropharia rugosoannulata (Rotbrauner Riesenträuschling) sollte das sein. :thumbup:
    Beim Krönchen - Träuschling ist die Hutoberfläche heller und reißt nicht so schuppig ein wie hier. Mir sind auch hin und wieder schon so einzelne, ziemlich klein geratene Exemplare von Stropharia rugosoannulata begegnet, das kann auch mit dem Susbtratangebot zusammenhängen.



    LG, Pablo.

    Hallo.


    Nein, schädlich dürfte der nicht sein.
    Die ausbreitung verhindern: Das allerdings wird schwierig. Im grunde würde das bedeuten, alle Sträucher am Standort rückstandslos zu entfernen. Es sieht so aus, als wäre der an den Wurzeln zugange, sonst würde er nicht auch am Erdboden erscheinen.
    Ich habe wirklich keine Ahnung, was es sein könnte. Der von Hübchen vorgeschlagene Tyromyces fissilis sollte eigentlich auch nicht so direkt am Boden Fruchtkörper bilden, auch die Zonierung des Fleisches scheint mir nicht recht zu passen. Ich denke schon, daß es ein Porling im weiteren Sinne ist, aber daß auch die neuen Exemplare noch nicht ausgereift sind.
    Schwierig, da dies sehr gut auch eine subtropische Art sein kann, die in Europa gar nicht verbreitet ist.


    Auch wenn keine Gefahr von dem Pilz ausgeht: Wenn es dich doch jucken sollte, eine solidere Einschätzung dazu zu bekommen, kannst du >Frank Dämmrich< eine PN schicken, mit einem Link zu diesem Thema. Wenn er nichts dazu sagen kann, kann es wohl niemand hier im Forum.



    LG; Pablo.

    Hallo, Norbert!


    Ein kleiner Tip noch zu Agrocybe pediades (der wohl konstanter ist als die KOH - Reaktion): Spätestens beim Zerreiben riecht das Pilzchen mehlgurkig.
    Das machen andere kleine Ackerlinge nicht. :)



    LG, Pablo.

    Moin!


    Ja, da musste ich auch eben mal zynisch lachen, als ich das las.
    Klar, die Stickstoffbelastung der Umwelt... Aber solange davon nur tausende unwichtige Arten betroffen sind, die halt aussterben, ist das ja nicht der Rede wert.
    Aber jetzt: Kaum daß es um Geld geht, wird es auch für die breite Öffentlichkeit zum Problem!
    Weil Geld ist doch so viel wichtiger als einzelne Lebewesen, die man doch erstmal gar nicht sieht, weil sie zu klein sind. Daß das Ganze eine Kette (beim Artensterben) ist, die sich fortsetzt, ist ja auch erstmal nicht wichtig. Solange es nicht irgendwann Arten betrifft, die wirtschaftlich relevant sind.
    Was natürlich zwangsläufig früher oder später passiert, aber man guckt eben erst dann hin, wenn es um Geld geht.


    ---> Sarkasmusmodus aus.


    Immerhin: Vielleicht bewirkt das nun doch endlich ein stärkeres Umdenken in einigen Bereichen.



    LG, Pablo.

    Morgen!


    Jan-Arne hat recht, Björn.
    Es lohnt sich immer, auch Proben von Pilzen mitzunehmen. Um die Becherchen müsste jemand anders sich kümmern (zB Ralf, wenn es die "richtigen" sind), aber solche Porlinge und Holzkrusten kann man wunderbar trocknen, und da freue ich mich zB über Zusendungen. :)


    Weil die Bilder sind echt schick, nur manchen kann man makroskopisch nicht wirklich einen Namen geben.


    3.: Kann schon eine Phlebia (aus der Mycoacia - Gruppe, das sind jetzt alles Phlebias) sein, muss aber nicht. Am Anfang denkt man, die odontioiden Rindenpilze wären einfacher als die komplett glatten, ist aber nicht der Fall.
    5.: In der Vergrößerung hat das dann ja doch abstehende, hyaline Haare an den Rändern. Die Haare von Melastiza sind dunkel und anliegend, also dürfte es wohl eher eine Scutellinia sein. Die Bilder 5.4 und 5.5 sollten eigentlich Scutellinia crucipila zeigen, jedenfalls wäre ich da sehr überrascht, wenn was Anderes rauskommt.
    9.: Super. :thumbup: Das wäre auch was für mich zum Beispiel. Sieht erstmal nach "Porling auf Porling" aus. Wobei die Unterlage wohl eine >Buckeltramete< ist, aber auf dem Hymenophor scheint sich ein anderer Porling auszubreiten und Fruchtkörper anzulegen.
    12.: Das kann eigentlich nichts anderes als ein >Sklerotienporling< sein, wenn auch in einer untypischen Form und Ausprägung. :thumbup:
    21.: Die Namenskombination "Neoboletus" + "erythropus" ist unzulässig. >Boletus erythropus< wurde nie gültig zu "Neoboletus" umkombiniert. Dennoch ist es ja alles die selbe Art, dem ganzen Namenschaos zum trotz. Nur: Wenn man Neoboletus als Gattungsnamen verwenden will, dann geht das eigentlich nur mit dem Epithet "luridiformis" dazu. Wenn man "erythropus" verwenden will, müsste man Boletus erythropus sagen. ;)
    22: Komischer Filzer. An einen Eichenfilzer (Hortiboletus engelii, Xerocomus communis usw.) glaube ich eher nicht. Werde aber momentan auch nicht schlau draus. Diese durchgehende Blaufärbung im Schnittbild, wie lange nach dem Durchschneiden hat das bis zu dem Stadium gedauert?



    LG, Pablo.

    Moin!


    Folgende Kollektion könnte noch interessant sein:





    ...verwirrend mit den maximal viersporigen Basidien und den ganz dünnen Fruchtkörpern. Da bin ich ganz schön durch die krustige Funga geirrlichtert, Frank hat mich wieder auf den richtigen Weg geschickt. :thumbup:
    Logisch: Bei typischen Kollektionen sind auch immer etliche 4-sporige oder gar 2-sporige Basidien dabei. Warum sollte das verhältnis nicht auch mal so sein, daß man gar keine 6-sporigen Basidien findet? Und angetrocknet ist bei den fruchtkörpern nix mehr dick und wachsartig, dann ist es halt nur noch so ein dünner, fast häutiger Belag auf dem Holz.



    LG, Pablo.

    Ceriporia reticulata (Hoffm.) Domanski
    Netziger Wachsporling
    Synonyme:
    - Mucilago reticulata Hoffm.
    - Poria reticulata (Hoffm.) Quel.
    - Polyporus reticulatus (Hoffm.) Fr.
    - Fibuloporia reticulata (Hoffm.) Bondartsev


    Familie: Meruliaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper komplett resupinat, dünn, meist kleinflächig und seltener zu ausgedehnteren Belägen zusammenwachsend; normalerweise rein weiß, selten grau, fleischfarben oder ockerlich verfärbend; Subikulum meist nur ein dünnes, wattig-filziges Hyphenlager mit flauschigen bis fein gewimperten Rändern, auf dem sich zunächst flache, unregelmäßig unrunde Einzelporen bilden (cyphelloides Stadium), später mit zusammengewachsenen, unregelmäßigen Poren; rundlich, oval, eckig oder fast sinuos; um 2-4/mm (dazwischen auch mit einigen größeren oder kleineren Poren); Röhren dabei kurz, oft niedriger oder gleich dem Porendurchmesser; Mündungen gerne fein gewimpert; von weicher, frisch wachsartiger Konsistenz, manchmal nahezu –žverschmierbar–œ, trocken brüchig


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, generative Hyphen hyalin, überwiegend dünnwandig, locker verknüpft und leicht zu isolieren; alle Septen ohne Schnallen; Zystiden fehlen im Hymenium; Basidien keulig, überwiegend 4-sporig, ohne Basalschnalle; Sporen glatt, dünnwandig, inamyloid, nicht dextrinoid, zylindrisch bis allantoid; um 6.5-10 x 2,2-3,5 µm


    Vorkommen: ziemlich häufige und weit verbreitete Art; meistens an liegendem, gut feuchtem Laubholz ab der späten Initialphase, selten wohl auch an Nadelholz oder vom Holz auf abgestorbene Porlingsfruchtkörper übergehend; Gerne –žversteckt–œ wachsend, also an den Unterseiten liegender Äste und Stämme, in Höhlungen des Holzes, so daß man die Fruchtkörper erst beim Umdrehen findet.



    Bilder (Anklicken für größere Ansicht):



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    Verwechslungen: Trotz langer Liste mit Vergleichsvorschlägen ist Ceriporia reticulata eine gut bestimmbare Art. Oft sind –“ bei typischer Ausprägung –“ schon relativ sichere makroskopische Voreinschätzungen möglich. Für eine belastbare Bestimmung muss natürlich mikroskopiert werden.
    Die Art ist sehr gut definiert durch die dünnen, weißen Fruchtkörper von weicher, wachsartiger Konsistenz, fehlende Rhizomorphen, unregelmäßige, relativ grobe Poren, die aus –žcyphelloiden–œ Einzelporen zusammenwachsen; zusammen mit dem monomitischen Hyphensystem ohne Schnallen, ohne Zystiden und mit relativ großen, inamyloiden Sporen.
    Ähnliche Arten der gleichen Gattung (Ceriporia) sind entweder auffällig gefärbt oder feinporiger oder haben kleinere Sporen.
    Anomoporia und Anomoloma haben amyloide Sporen (auch makroskopisch mit einem Tropfen Melzer im Sporenabwurf nachweisbar), Anomoloma bildet zudem Rhizomorphen.
    Physisporinus und Byssoporia haben eine ganz andere Sporenform.
    Stromatoscypha ist dimitisch und bildet deutliche Rhizomorphen.
    Ceriporiopsis –“ Arten haben an allen Septen Schnallen
    Oxyporus –“ Arten haben andere Sporenformen und bilden Zystiden im Hymenium.
    Oligoporus –“ Arten immer mit Schnallen an allen Septen.
    Trechispora –“ Arten unterscheiden sich durch eine andere Konistenz (mehr wie steife Watte, nicht wachsartig) und sehen mikroskopisch anders aus (stachelige Sporen!).
    Poroide Sistotrema –“ Arten sind durch Septen mit Schnallen und vor allem urnenförmige Basidien am leichtesten zu untescheiden.
    Skeletocutis, Antrodiella, Antrodia: ähnliche Arten all dieser Gattung sind dimitisch oder trimitisch, meist von zäherer Konsistenz und mit dickeren Fruktifikationen, alle haben Schnallen an den Septen der generativen Hyphen.
    Schizopora radula ist fester in der Konsistenz, hat andere Sporen, Septen mit Schnallen und kopfige Pseudozystiden.
    Junge, noch resupinat wachsende Fruchtkörper von Cartilosoma rene-hentic können makroskopisch mal annähernd ähnlich sehen, mikroskopisch ist der Unterschied aber sofort deutlich (viele dickwandige, gewundene Hyphen mit großen Schnallen bei Cartilosoma).


    Vergleichsvorschläge:
    >Ceriporia camaresiana = ???<
    >Ceriporia metamorphosa = Verwandelter Wachsporling<
    >Ceriporia viridans = Grünender Wachsporling<
    >Anomoporia kamtschatica = Kamtschatischer Wachsporling<
    >Anomoporia bombycina = ???<
    >Anomoloma myceliosum = Rhizomorphen –“ Wachsporling<
    >Physisporinus vitreus = Glasigweißer Höckerschwamm<
    >Byssoporia terrestris =Mykorrhiza –“ Byssusporling<
    >Stromatoscypha fimbriata = Gefranstes Becherstroma<
    >Ceriporiopsis aneirina = ???<
    >Ceriporiopsis consobrina = ???<
    >Oxyporus latemarginatus = Breitrandiger Steifporling<
    >Oligoporus mappus<
    >Oligoporus romellii = Schlankzystiden –“ Saftporling<
    >Trechispora mollusca = Schneeweißer Stachelsporling<
    >Trechispora hymenocystis = Blasenzellen –“ Stachelsporling<
    >Sistotrema muscicola = Moosliebender Schütterzahn<
    >Cartilosoma rene-hentic = Ockerweiße Weichtramete<
    >Skeletocutis odora = Duftender Knorpelporling<
    >Antrodiella americana = Amerikanische Tramete<
    >Antrodia hyalina = Durchscheinende Braunfäuletramete<
    >Schizopora radula = Grobporiger Spaltporling<

    Morgen!


    Dann packen wir mal auf und brechen zusammen, mit der Auflösung zur Runde 18.
    Tschaga ist es, also die anamorphe Form des Schiefen Schillerporlings (Inonotus obliquus):


    "Braunmarmoriert" ist freilich schon vage ausgedrückt, Edmund Stoiber wurde dazu "die glodernde Lut" oder "die gludernde Lot" oder sowas sagen. ;)


    Aber ihr wart wieder allesamt richtig findig beim Erkennen, ob vor oder nach dem Joker, jedenfalls kamen letztlich alle auf eben diesen Pilz:


    1. 48Pkt.: Romana (+ 10); JanMen (+ 10)


    3. 46Pkt.: Brassella (+ 8); Safran (+ 10)


    5. 44Pkt.: EberhardS (+ 8); Joe83 (+ 10); beli1 (+ 8); Linnea (+ 8); ipari (+ 8)


    10. 42Pkt.: Wutzi (+ 8)


    11. 41Pkt.: nochn Pilz (+ 8)


    12. 37Pkt.: Texten (+ 8)


    13. 29Pkt.: Lupus (+ 8)


    14. 28Pkt.: Malone (+ 10)


    15. 26Pkt.: Engelchen (+ 8)


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    Nun mal weiter gucken. Schwierig, schwierig, was man da nehmen soll. Nicht zu einfach, nicht zu schwer, hoffentlich, hier jedenfalls das Bild zu Runde 19:



    LG, Pablo.