Beiträge von bwergen

    Gerade eben, kurz vor Sonnenuntergang, war ich noch kurz unterwegs zum hiesigen Seggen-Bestand an einer Straßenseite, wo besonders bei Feuchtigkeit ein kleiner Bach entlang fließt (an einigen Stellen ständig wasserführend).



    Nun gehen wir mal an die linke Straßenseite, schieben den Seggen etwas beiseite und gucken uns die unten liegenden, sehr feuchten Pflanzenreste genauer an:





    Aha? Da ist ein winziger Pilz. Der hat sogar Lamellen und einen rudimentären, seitlichen Stiel. Die Hutbreite beträgt etwa 2-6 mm :)



    Melanotus phillipsii, Seggen-Muschelfüßchen


    Aufgrund des Substrats sowie der makroskopischen Erscheinung (rosabraune Fruchtkörper) ist die Art unverwechselbar. Sie muss aber schon gezielt gesucht werden, sonst findet man sie nicht.


    lg björn

    Liebes Forum,


    es ist mal wieder soweit, nach einer kurzen Durststrecke mit vergleichsweise wenigen Neufunden gab es letzten Samstag an der Grube Cox bei Herrenstrunden (Bergisches Land) eine durchaus sehenswerte und pilzreiche Exkursion im Umfang von etwa 4-5 Stunden. Gefunden wurden dabei etwa 40 Arten (wobei hier nicht alle fotografiert und bearbeitet wurden, da etliche bereits mehrfach im BL festgestellt wurden und für uns sozusagen schon "langweilig" waren). Immerhin hat Rada seinen Maipilz bekommen :D


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    1. Inocybe dulcamara, Bittersüßer Risspilz
    => an den bohnenförmigen Sporen <10 µm sowie dem Vorkommen bei Seen und Teichen gut erkennbarer Risspilz.





    2. Inocybe fuscidula var. fuscidula, Braungestreifter Risspilz



    3. Lachnella alboviolascens var. "brunnipiloides", Weißviolettes Haarschüsselchen
    Nicht wirklich ernstzunehmender Name, da es sich hier überraschenderweise um das gewöhnliche, sonst blauweiße Haarschüsselchen handelt, welche hier in Kultur an schattiger Stelle braune Haare gebildet hat und daher aussieht wie ein Vertreter der Ascomyceten-Gattung Brunnipila.




    4. Omphalina obscurata, Sepiabrauner Nabeling




    5. Mycena acicula, Orangeroter Helmling
    Das Mikrofoto wurde mit Kongorot angefärbt. Untersucht wurde ein Schnitt durch die Hutoberfläche. Dabei ist der Teil unten links mit Kongo, der Teil oben rechts ohne (Eigenfarbe der Hutoberfläche: orangegelb).






    6. Pluteus nanus var. nanus, Zwerg-Dachpilz




    7. Psilocybe coprophila, Mist-Kahlkopf



    8. Laetiporus sulphureus, Schwefelporling



    9. Porostereum spadiceum, Dattelbrauner Porenschichtpilz



    10. Helvella acetabulum, Hochgerippte Becherlorchel



    11. Helvella solitaria, Rippenstielige Lorchel







    12. Mollisia retincola s.l. an abgestorbenen Schilfhalmen
    Aufgrund fehlender Kristalle in der Medulla (Zwischenraum zwischen Hymenium und Außenseite) sowie negativer KOH-Reaktion der Paraphysen ist die eigentliche M. retincola auszuschließen. [hr]




    13. Mollisia rosae, Rosen-Filzbecherchen




    14. Pyrenopeziza betulicola, Birkenblatt-Weichbecherchen




    15. Pyrenopeziza chamaenerii an Angelica




    16. Pezicula livida, Nadelholz-Büschelbecherling




    17. Lophodermium arundinaceum, Schilf-Spaltlippe



    18. Propolis farinosa, Grauweißes Holzscheibchen






    19. Therrya pini an Kiefernzweigen
    Die unteren Fotos: Reaktion mit Lugol.




    20. Selinia pulchra an Schafdung




    21. Mycosphaerella sp. an Birkenblättern
    Bisher nicht bestimmt. Ich werd mir aber den russischen Mycosphaerella-Schlüssel von Tomilin nochmal ranholen.


    lg björn

    Definitiv Mycena. Man achte mikroskopisch auf die oberste Schicht der Oberflächen, welche oft aus keuligen Zellen besteht, an deren Oberfläche sich wiederum unzähliche, fingerförmige Auswüchse befinden (die Zellen erscheinen somit bei manchen Arten stachelig). Dieses Merkmal ist sehr typisch für Mycena.


    lg björn

    Jo den hätt ich natürlich auch mal gerne gesehen, ein schwarzer Pyreno mit olivschwarzbraunen Sporen. Das dürfte in die Gattung Coniochaeta gehen, davon hatten wir schonmal einen. Vielleicht C. subcorticalis.


    lg björn

    Cronartium ribicola scheint ok. Der ist mir vor ein paar Wochen in irgendeinem Bericht über den Weg gelaufen, aber ich weiß nicht mehr wo das war, sonst hätt ich kurz nachgeguckt. Aber ich erinnere mich gut daran, dass es ein Parasit ist, der die Bäume wohl langsam zum Absterben bringt...wie auch immer, ich hab das Teil noch nie live gesehen.


    lg björn

    Das Substrat ist Laubholz.


    Schau dir mal Psilopezia nummularia an. Bei der Größe würd ich dieser Art die größten Chancen einräumen, obwohl es sicher wohl nur mikroskopisch gehen wird.


    Falls möglich, kannst du mir den Fund zuschicken. Ich wäre daran interessiert ;)


    lg björn

    Sieht nach Stropharia semiglobata aus (siehe halbkugeliger Hut!).


    Sporenmaße sind aber zu klein, vielleicht solltest du nochmal nacheichen? :D


    lg björn


    Vielleicht steht in 50 Jahren bei jedem enagierten Mykologen statt eines Mikroskops ein handliches Genanalysegerät. Dann sieht die Sache wieder anders aus. :)


    Genau, aber dann werden Pilze anhand der Atomoberflächenstruktur und der Dichte des Quarks innerhalb der Atome bestimmt...


    lg björn

    Hi Melanie,


    das sieht nach Pyrenopeziza aus. Auf Rubus gibt es z.B. P. rubi, allerdings glaube ich da eher weniger dran, mein Fund davon sah nämlich anders aus.


    Es gibt auch noch Pyrenopeziza escharodes, die wohl häufig an allem möglichem Zeugs ist.


    Letztlich nur mikroskopisch möglich :P


    lg björn

    Hallo,


    ich würd eher sagen, dass das Leucoagaricus leucothites ist (Rosablättriger Egerlingsschirmling). Erstmal hat der einen Champignonshabitus mit dem dicken Rand und der kugeligen Hutform, dann hat er aber weißlich-rosafarbene Lamellen (Knolli hat weiße Lamellen, keine Rosatöne!) und dazu einen dünnen, hängenden Stielring. Was mit der Basis ist, ist ja schwer erkennbar, weil du ihn einfach rausgerissen hast. Es gilt: Wenn du nicht weißt, welchen Namen dein Pilz hat, ihn aber rausfinden willst, dann nimm den kompletten Fruchtkörper raus, am besten rausdrehen sodass die Basis komplett dabei ist. Ich denke aber, dass da keine Hülle drum war (um die Basis), sodass es definitiv KEIN Knolli sein kann.


    Also: Rosablättriger Egerlingsschirmling.


    lg björn

    Hallo Ingo,


    in der Botanik gibt es glaub ich alle 5 Jahre oder so einen Kongress, der dazu bestimmt ist, dass neue Namen festgelegt werden. Dann wird eine Liste herausgebracht, in der man aktuell gültige Kombinationen nachlesen kann und damit hätte sich das Thema erledigt.


    Vergleicht man das jetzt mit der Mykologie, dann herrscht da ein wirres Durcheinander, weil es nicht nur keine allgemein akzeptierte "Standardliste" gibt, sondern auch noch verschiedene Datenbanken wie Indexfungorum und die von dir aufgeführte Mycobank (die jetzt ein schickes neues Design hat).


    Ich bin durch die ganzen Hürden durchgegangen, denn ich bin derzeit dabei, ein Buch zu schreiben (Schmitz, Zenker, Wergen (2013): Pilze um Kerpen). Dabei haben wir uns geeinigt, bei der Namensgebung von Pilzen den Indexfungorum heranzunehmen, allerdings immer auch mit einem Auge auf Mycobank und sogar auf einzelne Arbeiten (ich erinnere mich an die Neubeschreibung der Gattung Royoporus, die ich mir durchgelesen hatte...denn: Polyporus badius soll jetzt Royoporus badius heißen). Sagen wir es mal so: Ich hab mich in den letzten 2 Jahren, in denen ich jetzt Woche für Woche daran bin, dieses Werk zu schreiben, mit derart vielen Hindernissen auseinander setzen müssen, dass ich insgesamt zu dem Schluss gekommen bin, dass Indexfungorum de facto die Vorlage für die Namensgebung der Arten ist, die in dem Buch gelistet sind (etwa 1050). Da Herr Zenker hier im Rheinland allerdings wenige Ascomyceten gefunden hat (104), bleiben viele winzige Arten wie Hyalopeziza, Trichopeziza, Lachnum und so weiter auf der Strecke, d.h. wir müssen uns damit auch nicht auseinandersetzen, welcher Name richtig oder falsch ist.


    Der Zeit vorauszusein maße ich mir aber nicht an...nicht in der Mykologie. Du auch nicht, es sei denn, du heißt Chuck Norris :D


    lg björn

    Ich bin da recht eigenwillig, für mich ist das die Gattung Olla wegen der Haare mit den massiven Glasspitzen. Hyalopeziza kann ich da nicht akzeptieren, auch, wenn es (noch) der derzeitig gültige Name ist. Würde ich mich aber nach den momentan gültigen Namen richten, müsste ich auch zu einigen Mollisien noch Tapesia sagen und zu einigen Hymenoscyphen Phaeohelotium usw.


    VG Ingo W


    Hallo Ingo,


    sodenn, ich möchte dazu auch nochmal Stellung beziehen:


    1. Man geht nach aktuellen Namen (siehe auch Lachnum bicolor, nicht Capitotricha b.) und belässt es so.


    ODER


    2. Wenn einem etwas auffällt, dass etwas vielleicht nicht korrekt ist oder sein kann, wie in diesem Fall (Hyalopeziza vs Olla), dann musst du Paul Kirk anschreiben und ihn darauf hinweisen, dass aus Hyalopeziza millepunctata eben Olla millepunctata als gültiger Name eingetragen werden soll.


    Weißt du was ich meine? Wenn hier jeder das macht, was er will, dann bleibt nix als Chaos übrig, jeder denkt seinen eigenen Mist und diejenigen, also z.B. Ralf und ich, die sich intensiv mit Mykologie auseinandersetzen und auch Kartierungsarbeit leisten, um "korrekt" Funde mit richtigen, aktuell gültigen Namen zu melden und zu listen, bleiben auf der Strecke (ich glaub, Ralf kann dazu sicher auch nochwas aus eigener Erfahrung sagen...).


    Das gleiche wird auch mit verschiedenen Kernpilzen passieren (z.B. Nodulosphaeria vs Ophiobolus vs Leptosphaeria). Die stehen im IF auch teilweise mit recht seltsamen Namen drin, wo man auch denken könnte "wie kommt man nur auf sowas?".


    Ich weiß, das sind viel zu hochgegriffene Worte und so ein Amateur-Mykologe wie ich sollte sich darüber eigentlich keine Gedanken machen, aber es regt mich doch immer wieder auf. Sonst wär ich ja auch nicht auf diesem Gebiet tätig, wenn ich nicht mit Leib und Seele dabei wäre!


    Punkt.


    lg björn

    Sehr interessant!


    Mit der Lorchel werd ich mich mal näher beschäftigen müssen. Da gibt es nämlich auch H. queletii (ebenfalls "Rippenstielige Lorchel"), beide Arten werden im index als gültig angegeben.


    Das blaue Becherchen ist wahrscheinlich nicht M. hydrophila. Die wäre nicht so blau und der Filz wäre nicht so ausgebildet. Ich bin natürlich auf die mikroskopische Untersuchung gespannt.


    Ansonsten: übermorgen gehts los ;)


    lg björn


    Ich denke vor allem deshalb an den Rotbraunen Riesenträuschling, weil ich einen stern/zahnradförmig aufgerissenen Ring zu erkennen glaube und ich zumindest einen Teil des Violettstichs auf den Lamellen für real halte. Für einen Voreilenden Ackerling sind mir die Hüte viel zu dunkel.
    Grüße
    hübchen


    Yo, beim zweiten Mal gucken glaub ich jetzt auch an Stropharia rugosoannulata. Allerdings nur anhand morphologischer Merkmale, farblich ist das Bild leider unbrauchbar.


    lg björn