Hallo zusammen,
der Rotfleckende Porling ist kein seltener Porling, aber für mich nach 2010 erst mein 2ter Fund.
Physisporinus sanguinolentus (Alb&Schwein.:Fr.) Pilat
Index fungorum und Mycobank führen als akt. Name Meripilus sanguinolentus
nach Neubewertung in Mycologia 117(4) /2025
Eine Art mit vielen Synonymen, wird auch oft in der Gattung Rigidoporus geführt.
RLZ: Physisporinus
Neunkirchen, 08.08.26 am Zoo, auf Unterseite (Boden), eines liegenden Nadelholzstamms.
Weißfäulerreger!! (Hmh, siehe Foto
) >> siehe Anmerkungen zur Sukzession am Schluss
Poren (bis 5/mm) verfärbten direkt vor Ort nach ca. 1min bei Berührung rötlich, später zu Hause bräunend.
Sporen 4.5-6µm breit-oval-rundlich, dünn + dickwandige Hyphen
Kleine Abweichungen bei meinem Fund zu BK2 377:
- die bei BK (und anderer Lit.) erwähnten Kristalle waren nicht vorhanden
- dünn und dickwandige Hyphen (BK: nur dünnwandige)
- Basidien bei meinem Fund kleiner als bei BK
- BK: zystidenartige Hyphenenden mit inkrustierter Spitze > habe ich keine gesehen.
> mein Fund entspricht der Beschreibung bei Ryv+ Melo (inkl. dickwandigen Hyphen).
Lit. Poroid fungi of Europe Ryv+Melo 2017 / BK2 Nr 377 /FoTE Vol2 Seite 944
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Anmerkungen zur Sukzession Weißfäule/Braunfäule
Irritiert hat mich die offensichtliche Braunfäule am Stamm (>Foto), weil
P. sanguinoletus ein ausgewiesener Weißfäulepilz ist.
Mit Hilfe der KI konnte ich dann Interessantes über die zeitliche Abfolge von holzabbauenden Pilzen (=Sukzession) erfahren.
Vorab erklärt die Ki, (Kurzfassung) dass bei Fäulearten am selben Holzstück meist zuerst die Weißfäule und dann die Braunfäule auftritt.
Auf meine Frage, wie das zu Physisporinus sanguinolentus auf dem braun vermorschten Stamm zusammenpasst, hat sie folgende Erklärung:
KI:
Dass du den Rotfleckenden Porling (Physisporinus sanguinolentus) – einen klassischen Weißfäuleerregger – auf einem braun vermorschten Nadelholzstamm findest, ist kein Widerspruch, sondern biologisch absolut logisch.
Physisporinus sanguinolentus ist ein ausgeprägter Spätbesiedler (Folgezersetzer). Er besiedelt Holz oft erst dann, wenn es bereits stark vorkultiviert, weich und feucht ist.
Wenn der Nadelholzstamm vorab jahrelang von einem typischen Braunfäulepilz (wie dem Rotrandigen Baumschwamm oder dem Zaunblättling) zerfressen wurde, ist das Holz braun, würfelig und morsch. Der Physisporinus zieht nun als Nachmieter in diese braune Ruine ein. Er nutzt die verbliebenen Lignin-Reste und andere organische Verbindungen, die der erste Pilz übriggelassen hat.
In den feuchteren Außenbereichen, direkt am Bodenkontakt (ja, war auf der Bodenseite vom Stamm) oder in Spritzwasserzonen, nistet sich der feuchtigkeitsliebende Physisporinus sanguinolentus ein und erzeugt dort lokal seine Weißfäule.
Physisporinus baut zwar biochemisch Lignin ab (Weißfäule), aber da das Holz bereits stark degradiert und mit Erde/Humus durchsetzt ist, kann es die typisch "helle, faserige" Weißfäule-Optik gar nicht mehr richtig ausbilden.
Kurz gesagt: Du hast hier ein perfektes Praxisbeispiel für eine sukzessive Stafette beobachtet. Der Stamm war zuerst braunfaulend, und der Weißfäulepilz räumt jetzt die Reste auf.
Zum Schluss hat mich die KI noch gefragt:
Hattest du die Gelegenheit, den Pilz anzufassen oder zu ritzen, um das typische blutrote Anlaufen der Poren zu beobachten?
Ist schon clever so eine KI, mit der kann sich richtig gut unterhalten. 🙂
Gruß Armin
