Hallo zusammen,
am 29.03.2026 wuchs ein weißer, resupinater Porling auf einem stark zersetzten Fichtenstumpf. Fruchtkörper waren sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen auf einem Motorsägenschnitt zu finden:
Von dem ganz flach wachsenden Stück habe ich etwas abgebrochen. An der Bruchstelle erkennt man, dass auf das Substrat direkt die Poren folgen:
Der Geruch war intensiv angenehm pilzig mit dezent säuerlicher Note. Die Poren reagieren amyloid mit Melzers:
Sie waren so eng, dass es mehrere Minuten dauerte, bis die Jodlösung eingezogen war und sich die bläuliche Verfärbung zeigte. Leider hatte ich nicht die Mittel, die Anzahl der Poren pro mm zu bestimmen, hier aber ein vermessenes Bild eines dünnen Skalpschnitts der Poren unter dem 10er-Objektiv:
Frisch waren die Poren weiß, zwei Tage später verfärbten sie sich gelb-bräunlich:
Was die Mikromerkmale betrifft, konnte ich leider weniger feststellen, als mir lieb war – der Fruchtkörper ist schlichtweg zu jung. Hier eine Kollektion von halbwegs reifen Basidien:
Zystiden waren zumindest prominent nicht vorhanden, ich konnte lediglich einen merkwürdigen Auswuchs im Hymenium feststellen:
Zudem dominierten im Dissepiment Skeletthyphen, bei denen ich mit Melzers keine amyloide Reaktion unter dem Mikroskop feststellen konnte. Sporen konnte ich keine sicher zuordenbaren finden.
Anhand von Habitus (in der Vertikalen), Substrat, amyloider Reaktion der Poren, dimitischem Hyphensystem und zystidenfreiem Hymenium fühle ich mich auf Gattungsebene mit Amyloporia recht sicher. Was die Art betrifft, sind in Laessøe & Petersen, 2019, p. 935 vier aufgeführt: Amyloporia alpina, Amyloporia sinuosa, Amyloporia xantha und Amyloporia carbonica. Die erste Art fällt raus, weil die KOH-Reaktion (getestet mit 3 % und 20 %) bei meinem Fund negativ statt violett-rötlich war. Die zweite Art hat deutlich größere, labyrinthische Poren.
Meiner Ansicht nach ist die am besten passende Art Amyloporia xantha, denn Amyloporia carbonica hätte gröbere Poren. Probleme habe ich allerdings mit diesen beiden Punkten:
- Die Poren sollen „pale lemon-yellow“ sein, waren aber weiß.
- Der Geruch soll „like lemon-scented soap“ sein, war aber höchstens leicht säuerlich.
Punkt (1) lässt sich ggf. mit einer Erklärung aus dem alten Ryvarden, 1976, p. 95 (für Antrodia xantha) auflösen:
ZitatPore surface white to cream, pale to deep chrome yellow, to almost citric yellow.
Hier wird also die weiße Farbe nicht ausgeschlossen. Für Punkt (2) habe ich allerdings keine Erklärung – außer, dass Gerüche höchst subjektiv sind.
Mich interessiert nun eure Einschätzung, ob ihr mit diesen Informationen auch bei Antrodia xantha wärt oder ob ihr Arten habt, die ich gegenprüfen sollte. Ich freue mich auf eure Antworten!
Herzliche Grüße,
Vitus
Literatur:
Laessøe, T., & Petersen, J. H. (2019). Fungi of temperate europe 2 (Vol. 2). Princeton University Press.
Ryvarden, L. (1976). The Polyporaceae of North Europe 1: Albatrellus - Incrustoporia.
