Liebe Pilzfreunde,
heute möchte ich euch von einer Exkursion zur Waldbrandstelle Mitte Juli 2025 bei Gösselsdorf in Thüringen berichten.
Am 10. Juli brannte dort eine Waldfläche von rund 30 Hektar. In den Medien war zwar von 250 Hektar die Rede, doch das ist eindeutig falsch. Dabei handelte es sich größtenteils um bereits gerodete Stellen, die mit Gras bewachsen waren, oder um komplett abgestorbenen, noch stehenden Fichtenbestand. In der Umgebung sieht man etliche identische Flächen: gerodete Wälder oder abgestorbene, noch stehende Fichten, am Boden jede Menge Astwerk – alles überwuchert von hohem, mittlerweile abgestorbenem Gras. Wenn hier ein Funken fällt, brennt das im wahrsten Sinne des Wortes wie Zunder.
Bei so einem Brand läuten natürlich sofort die Alarmglocken – Brandstellenpilze!
Es gibt Internetseiten, auf denen aktuelle Waldbrände weltweit mithilfe spezieller Satelliten dargestellt werden. So konnte ich das Brandgebiet ziemlich genau lokalisieren, was dann vor Ort und durch Behörden bestätigt wurde.
Nach dem Brand wurde das Gebiet offiziell zum Sperrgebiet erklärt. Ein Betreten ist somit nicht erlaubt.
Grund war einerseits, dass Katastrophen-Touristen auftauchten, die einen Waldbrand live sehen wollten. Andererseits besteht echte Gefahr: unterirdische Glutnester, alte Mundlöcher aus dem Bergbau oder angeschwelte Baumstämme knapp über dem Boden. Durch den einseitigen Wind haben sich die Brände teilweise wie Fallkerben ins Holz gefressen – akute Umsturzgefahr! Gleichzeitig ermittelte die Polizei zur Brandursache. Die Sperrung des Gebiets gilt bis Ende August 2025.
Für uns Pilzfreunde ist dabei wichtig zu wissen, ob die Bäume schon vor dem Brand abgestorben waren oder ob sie lebend verbrannten. Diese Kenntnis ist für das spätere Auftauchen unterschiedlicher Arten nötig. Informationen darüber liegen mir vor.
Kurze Zeit nach einem Feuer erscheinen meist schon die ersten Pilze: die Feuerbecherlinge der Gattung Pyronema. Und genau diese wollte ich unbedingt einmal finden. Gleichzeitig wollte ich für spätere Exkursionen Ortskenntnis erwerben.
Am 24. Juli 2025 konnte ich – mit behördlicher Genehmigung und klarer Absprache – die Brandstelle betreten. Mein Ziel waren die Pyronema.
Schon bei der Anfahrt, noch zehn Kilometer entfernt, stieg mir der typische Geruch einer kalten Brandstelle in die Nase – intensiv und durchdringend.
Ich parkte etwas abseits am Straßenrand und legte die letzten paar Hundert Meter zu Fuß zurück.
Im Hintergrund der Rand der Brandstelle auf dem Hügel:
Am Waldrand angekommen, zeigte sich der Boden in verschiedenen Rottönen verbrannt – ein deutliches Zeichen für die enorme Hitze.
An der Brandstelle zeigten sich jedoch erste Zeichen der Erholung: frischer Grasaustrieb.
Teilweise waren noch Spuren der Löschwasserstrahlen zu sehen, einige Baumstümpfe und Senken waren noch feucht. Insgesamt war das Gebiet aber trocken.
Nach ein paar Schritten in der Asche hatten Schuhe und Kleidung bereits eine andere Farbe angenommen. Die feine Asche setzt sich überall fest. Und wenn man sich dann noch hinkniet, sieht man nach fünf Minuten aus wie Sau.
Ein von der Feuerwehr aufgesägter hohler Stamm, der innen wie ein Schlot weiterbrannte, zeigte noch einmal eindrucksvoll, wie das Feuer gewütet hatte.
Doch schon gleich am Waldrand entdeckte ich, wonach ich gesucht hatte: die leuchtend orangeroten Polster von Pyronema. Überall auf den Brandstellen waren sie zu finden. Die meisten bereits adult, nur wenige im Anfangsstadium.
Ich war also genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort!
Pyronema omphalodes:
Vermutlich haben der nach dem Brandende einsetzende Regen und Löschwasser etwa eine Woche später das Massenauftreten ausgelöst.
Das Fotografieren war allerdings eine Herausforderung – viel Staub, viel Asche.
Mehrfach wurde ich während meines Aufenthaltes von einer Drohne überflogen. Die Feuerwehr suchte so nach neuen Glutnestern, gleichzeitig kontrollierten Polizei und der Thüringen Forst das Betretungsverbot.
Ohne offizielle Genehmigung wäre es hier definitiv ungemütlich geworden. Auch deshalb schreibe ich meinen Bericht erst jetzt – ich wollte niemanden dazu verleiten, illegal ins Sperrgebiet zu gehen.
Ich blieb noch eine Weile, genoss die vielen Feuerkissen und suchte nach weiteren Arten. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, über eine so große und frische Brandstelle zu laufen? Die unterschiedlichen Färbungen des Bodens ließen erneut erahnen, welche Hitze hier stellenweise geherrscht haben musste.Teilweise standen noch einige Birken, welche zum Zeitpunkt des Brandes noch grün waren.
Weitere Pyronema-Arten konnte ich jedoch nicht finden; die Suche verlief optisch nach anderes gefärbten FK.
Also ging es zurück zum Auto. Zum Glück habe ich immer genug Mineralwasser dabei – so konnte ich mir wenigstens grob die Hände waschen, nachdem ich Asche und Erde aus der Kleidung geklopft hatte.
Zwei besonders schöne Polster nahm ich mit nach Hause, um sie zu fotografieren und mikroskopisch zu untersuchen. Da die meisten Fruchtkörper bereits ausgewachsen waren, ließ sich anhand der Sporenmaße Pyronema omphalodes bestimmen.
Pyronema omphalodes:
Die Anfahrt war zwar lang, voller Baustellen und nerviger Ampelphasen (teilweise 15 Minuten!), doch die zahlreichen und schönen Funde sowie das Erlebnis der frischen Brandstelle haben das alles wieder wettgemacht.
Die Fläche bleibt natürlich weiterhin spannend. Sollte es in diesem Gebiet irgendwann einmal wieder regnen – aktuell ist es auch dort extrem trocken – plane ich weitere Exkursionen.
Vielen Dank für euer Interesse, ich hoffe, ihr hattet etwas Freude beim Lesen und Anschauen.
Viele Grüße
Steffen