Hysterium angustatum, Ritzenschorf an Hasel

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 760 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von thorben96.

  • Hallöle!


    Vergangenen Samstag, eigentlich bei der Suche nach einem Haselporling, stieß ich an einem abgestorbenen Haselast auf hysterioide Fruchtkörper.

    Bild 1 Haselbüsche am Waldrand


    Bild 2 Entrindeter Haselast mit kleinen, schwarzen, hysterioiden Fruchtkörpern


    Bisher hatte ich diese Pilze noch nicht genauer untersucht.

    Dieses Mal nahm ich den Ast mit den schwarzen Fruchtkörpern zur Bestimmung mit nach Hause.

    Die Fruchtkörper sitzen gesellig, tw. gedrängt, auf dem Ast, sie sind glatt, länglich gesteckt und pechschwarz.

    Sie bestehen aus zwei Hälften mit einem Schlitz in der Mitte, und bleiben auch nass geschlossen.

    Die kürzeren FK erinnern durch ihre Form entfernt an Kaffeebohnen.

    Bild 3


    Die FK sitzen vollständig auf dem Substrat auf.

    Unter leichtem Druck der Präpariernadel platzen sie auseinander und das Innere wird sichtbar.

    Bild 4


    Mit etwas Glück quetscht man mit dem Deckglas die Schläuche aus den FK heraus:

    Bild 5 Gequetschte FK-Hälfte in (verdünntem) Lugol


    Die Schläuche wirken sehr dickwandig (laut Literatur sind die Schläuche von Hysterium doppelwandig/bitunicat!) und beherbergen 8 graugrüne bis gelbbraune Sporen.

    Sie reagieren nicht mit dem Färbemittel Lugol (IKI-).

    Bild 6 Achtsporige Asci mit dreifach septierten Sporen


    Die Sporen sind dreifach septiert, und an den Septen nur leicht eingeschnürt, die mittlere etwas stärker.

    Auffällig ist die Assymmetrie der Sporen, sie besitzen ein spitzeres und ein stumpferes Ende, größere und kleinere Zellen.

    Alle vier Zellen zeigen die gleiche Färbung, insesondere die beiden Endzellen sind nicht hyalin/farblos.

    Bild 7 Sporen mit gleichmäßig gefärbten Zellen


    Bild 8 Schägansicht auf Ascusspitzen


    Die Sporenmaße sind (20,0) 20,3-21,5-22,7 (24,0) x (6,0) 6,5-7,0-7,5 (8,0), mit Q=3,1, N=15

    Die Merkmale (Habitus; keine Längsseptierung, 4-Zelligkeit, gleichmäßig gefärbte Zellen) führen mich zu Hysterium acuminatum (syn. angustatum), dem Ritzenschorf bzw. Spaltkohlenpilz.


    Keine der gefundenen Sporen weist Längseptierungen auf!

    Nur eine einzelne Spore hatte sich entschieden eine der Zellen nochmals zu teilen - wieder in Querrichtrung.

    Bild 9 Einzelne 4fach septierte Spore


    Wenn die Zuordnung zu Hysterium angustatum nicht stimmen sollte, würde ich mich freuen, wenn mich jemand korrigieren möchte. :gnicken:


    LG, Martin


    Über eine Bestätigung würde ich mich gg.f natürlich auch freuen...

  • Hallo Martin,


    deine Bestimmung passt.

    Bei meinen Funden waren die Sporen deutlich kleiner (Siehe hier), aber die Sporengrößen sollen variabel sein.

    Im Schlüssel von A molecular phylogenetic reappraisal of the Hysteriaceae, Mytilinidiaceae and Gloniaceae (Pleosporomycetidae, Dothideomycetes) with keys to world species wird eine Sporengröße von (12–)14–21(–28) x (3–)4–8(–10) μm angegeben.


    VG : Thorben

  • Hallo Thorben!


    Vielen Dank für deinen Kommentar und die Verlinkung zu deinem Fund!

    Das Paper hatte ich auch entdeckt, dennoch natürlich danke auch dafür! :gnicken:

    Hab's aber noch nicht gelesen; auf jeden Fall ein tolles Paper zum Thema mit einem großen Überblick.

    Ich fand mich jedenfalls durch die Beschreibung und den Schlüssel darinnen bestätigt.


    Dein Pilz(fund) scheint ja das Holz grün zu färben... :gneutral:

    Auf deinem ersten Bild (1.0) wirkt das zumindest ein wenig so.

    Das hatte ich bisher (gut, ich verfolge das Theam ja noch nicht lange) nur bei Trichoderma strictipile beobachtet und als charakteristisch für den Pilz beschrieben gefunden!


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    Dein Pilz(fund) scheint ja das Holz grün zu färben... :gneutral:

    Auf deinem ersten Bild (1.0) wirkt das zumindest ein wenig so.

    Das hatte ich bisher (gut, ich verfolge das Theam ja noch nicht lange) nur bei Trichoderma strictipile beobachtet und als charakteristisch für den Pilz beschrieben gefunden!

    Das finde ich auch komisch, dass sich das Holz grün verfärbt hat.

    Vorgestern konnte ich einen neuen Fund machen, der ebenfalls das Holz grün verfärbt hat.

    Dieses mal war das Substrat Malus und es scheint so, als ob die Sporen genauso groß sind, wie bei den anderen Funden.

    Es dauert bis ich den Fund im Forum hochlade.

    Vielleicht ist es auch Genetisch eine andere Art, aber momentan bezeichne ich ihn erst einmal nur als H. angustatum.


    VG : Thorben