Filzröhrlingsrätsel

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  • Hi.


    Da meine Hassliebe, die Filzer, ja noch Pause machen, habe ich mal ein kleines Rätsel gebastelt. Vielleicht habt ihr ja Spaß dran.

    Und ja, ich weiß, dass man die Filzies nicht nur mit Schnittbild bestimmt, aber schauen wir einfach mal was so bei rumkommt. :)



    Wer miträtseln mag, am besten den Spoiler Tag benutzen - dann können andere Mitlesende selbst entscheiden ob sie spicken wollen.


    Auflösung erfolgt übermorgen denke ich.


    LG,

    Schupfi

  • Hallo,


    Ich find's klasse. Ein schönes Rätsel für die röhrlingsfreie Zeit. :)

    Bin gespannt!

    LG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

  • Hallo Eric,


    Filzröhrlinge =O und deren Verwandte sind ja genau die, welche ich hasse. Bei Nr. 2. 3 und 8 gehe ich mit Thiemo mit. Den Rest überlasse ich Pablo und allen anderen die da irgendeinen Durchblick haben.


    VG Jörg

  • Hi,


    schönes Rätsel!

    ich kam bei den meisten auf das Gleiche Ergebnis wie Thiemo, bis auf:


    Liebe Grüße

  • Huhu!


    Etwas später als angekündigt folgt die Auflösung und freundlicherweise hat Thiemo die Auflösung für mich bereits vorgearbeitet. :) Ich habe sie jedenfalls ebenso nach meinem besten Wissensstand bestimmt.


    1. Brauner Filzröhrling Xerocomus ferrugineus

    2. Blutroter Röhrling Hortiboletus rubellus

    3. Starkblauender Rotfußröhrling Xerocomellus cisalpinus

    4. Eichenfilzröhrling Hortiboletus engelii

    5. Falscher Rotfußröhrling Xerocomellus porosporus

    6. Gemeiner Rotfußröhrling Xerocomellus chrysenteron

    7. Ziegenlippe Xerocomus subtomentosus

    8. Bubalinusröhrling Hortiboletus bubalinus


    Die Nummer 9 kann ich leider nicht sicher auflösen. Die habe ich gemeinerweise eingebaut, weil ich gerne ein paar Fremdeinschätzungen dafür hätte, weil ich mir selbst nicht sicher bin. :saint:

    In meinem Fotoalbum liegt er als Xerocomellus cf. chrysenteron aber ich schwanke wie Emil ob's nicht auch X. pruinatus sein könnte. War ein Einzelexemplar auf einem Friedhof. Einer von beiden wird's denke ich schon sein.


    Die Nummern 2,3,4,5,7 und 8 halte ich für einigermaßen typisches Schnittbildverhalten der jeweiligen Art, so weit man bei den Filzern überhaupt von typisch sprechen kann. Bei Nummer 1, Xerocomus ferrugineus, ist die bräunliche Zone über den Röhren auffällig. Die habe ich bisher noch nie bei X. subtomentosus gesehen, bei X. ferrugineus ist sie meiner Erfahrung nach immer mal da.

    Ein "ordentlicher" X. pruinatus ist nicht dabei, da ich festgestellt habe, dass ich von der Art keine Schnittbilder in meinem Fotofundus habe. Ansonsten sind die abgebildeten die Filzer, die man hier bei mir in meinen Pilzgründen am häufigsten antrifft. Wie man sieht fehlen natürlich noch einige weniger gängige Arten über die ich hoffentlich irgendwann noch stolpern werde. Schauen wir also mal ob ich das "Schnittbild-Bild" irgendwann mal vervollständigen kann.


    LG.

  • Hallo Schupfi,


    da hab ich dir gut zugearbeitet, was. :cool:

    Die Nr 9 ist schon arg komisch. Mich irritiert vor allem die im Schnitt dunkle Stielbasis. Wenn ich das als pathologische Veränderung abtue und somit ignoriere, wäre das für mich schon ein (älterer) X.pruinatus. Eben weil die rote Subkutis derart ausgeprägt erscheint und das gelbe Stielfleisch unterhalb der Stielspitze schwach blaut.

    Am meisten Probleme hatte mir nach der ominösen Nr. 9 die Nr. 6 gemacht. Ich fand die Rotfärbung ziemlich schwach aber letzlich doch ausreichend für den gemeinen X.chrysenteron.

    LG Thiemo

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  • Hi Emil,


    ich glaube ganz so einfach ist's vermutlich nicht. Rötliche Zonen im unteren Stielbereich können wohl beide mal haben (ebenso wie X. porosporus und X. cisalpinus, bei den anderen seltenen müsste ich nachgucken), wobei das bei X. chrysenteron meistens ausgeprägter ist. Zumindest war es aber schon deutlich rötlich in natura, nicht bräunlich, und es kam bei allen FK am Standort vor, weshalb ich mich für X. chrysenteron entschieden habe. Die Information hattet ihr aber natürlich nicht...

    Ich gebe auch gerne zu, das ich bei der Entscheidung zwischen X. chrsenteron und X. pruinatus gelegentlich auch so meine Probleme habe, vielleicht liege ich hier also auch falsch...


    Womöglich hätte ich lieber das Schnittbild hier nehmen sollen, das mMn etwas typischer für X. chrysenteron ist:



    Habe das Bild leider erst nach dem Erstellen des Rätsels gefunden - weil ich das Benennen im Katalog verschlampt hatte...


    LG.

  • Moin!


    Oh, das habe ich gar nicht rechtzeitig entdeckt.
    Es ist in der Tat schwierig, Filzer nur anhand vom Schnittbild zu beurteilen; zumal in der Gattung das Gleiche gilt, wie zB auch für schleierlinge: Ein fruchtkörper ist kein Fruchtkörper. Man braucht halt einen Gesamteindruck, innen außen (und oft auch mikroskopisch).


    Die Schnittbilder sind aber weitgehend schon ganz typisch in diesem Fall.

    Die 9 fällt halt raus, das wird vermutlich ein einzeldruchtkörper gewesen sein (?), und da muss man immer mit Ungereimtheiten rechnen. Ein leichter (unsichtbarer!) Goldschimmelbefall kann schon reichen, um merkmale wie Röhrenfarbe, verfärbungsverhalten, Stielfarbe und Kontextfarbe zu verändern.
    Abgesehen davon, daß durch zersetzungserscheinungen so gut wie alle Röhrlinge mal rötliches Stielfleisch in irgendeiner Form entwickeln können, gibt es neben chrysenteron schon noch eine ganze Reihe Arten, die physiologisch rotes Stuelfleisch bilden (Intensität und Menge ist altersabhängig). Neben den von Schupfi genannten, kommen dann auch noch Arten wie X. poederi und X. redeuilhii vor.


    X. chrysenteron fällt zwar oft durch rotes Stielfleisch auf, aber die Stielbasis ist innen meistens anders gefärbt und nicht rot, sondern olivgelb, olivbraun oder olivgrau. Sieht man andeutungsweise auch auf Schupfis letztem Bild - und das ist dann auch ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung zB von X. poederi (Eichenbegleiter).


    Die 9 kann ich jedenfalls so nur vom Schnittbild her auch nicht einschätzen.



    LG; pablo.

  • Hallo Pablo,

    X. poederi und X. redeuilhii

    Ich weiß, dass ich nichts weiß ... =O

    Kommen die bei uns (schon) vor oder sind das nur mediterrane Arten? Auch Pilze Deutschland kennt diese Arten nicht.

    LG Thiemo

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  • Huhu.


    Ja, X. sarnarii gäbe es wohl auch noch mit deutlichen dunkelroten Anteilen in der Stielbasis, aber die Art würde ich hier um Leipzig wohl eher nicht erwarten. Bei X. redeuilhii und X. poederi dachte ich eigentlich ebenfalls, dass das eher mediterrane Arten sei, oder gab's da auch in Deutschland schon Funde von einem der drei "Südländer"? X. redeuilhii darf ich eh nicht finden, da ich mich bei der Aussprache blamieren würde.


    X. fennicus wäre bei mir noch auf der Wunschliste und X. ripariellus spüre ich auch noch nach.


    LG.

    • Offizieller Beitrag

    X. ripariellus spüre ich auch noch nach.

    Hi,


    die Art ist bisher mein erster und einziger Erstnachweis für Sachsen-Anhalt. :) Im Leipziger Raum gibts die Art. Frag mal Jesko, ob er dir die Fundorte zeigt.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hi,


    ja, das hatte er mir schon mal gesagt, dass die Art hier in einigen Ecken "gar nicht so selten" ist, aber ich gehöre ja zu der Fraktion, die am liebsten selbst die Fundorte erschnüffelt. ^^

    Sollte ich dieses Jahr wieder erfolglos sein, frage ich nochmal nach oder spicke in den Kartierungsdaten. :saint:


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Servus!


    Xerocomellus redeuilhii könnte in der Datenbank auch noch unter Xerocomus dryophilus laufen. Das war ja lange Zeit auch für die europäischen Aufsammlungen der gängige Name, erst seit einigen Jahren werden die Nordamerikaner (dryophilus) und die Europäer (redeuilhii; sprich: Redo-i-li??) getrennt.


    Ob der und poederi unbedingt südeuropäisch beheimatet sind - ich würde mich da nicht drauf verlassen.
    Vor zwei oder drei Jahren wurden hier im Forum mal Fruchtkörper gezeigt (Süddeutschland), die verdächtig nach poederi aussahen. Ließ sich aber nicht ganz auflösen, gab auch keinen Beleg meines Wissens.



    LG; Pablo.

  • Xerocomellus redeuilhii könnte in der Datenbank auch noch unter Xerocomus dryophilus laufen. Das war ja lange Zeit auch für die europäischen Aufsammlungen der gängige Name, erst seit einigen Jahren werden die Nordamerikaner (dryophilus) und die Europäer (redeuilhii; sprich: Redo-i-li??) getrennt.


    Ob der und poederi unbedingt südeuropäisch beheimatet sind - ich würde mich da nicht drauf verlassen.

    Hallo Pablo,

    der erste ist zumindest auch im Bayrischen beheimatet und vom Christoph gefunden worden

    viele Grüsse

    Matthias

  • Guten Abend,


    danke für die aufschlussreichen Beiträge. X. dryophilus sagt mir zumindest etwas, dann werd ich den gedanklich zu X redeuilhii umwidmen.
    Nun lohnt es sich ja richtig, vermeintlich gemeine Rotfüße genauer anzuschauen. ^^
    Was da noch alles zu uns einwandert. Ich warte schon gespannt auf den ersten Parfümierten Trichterlings-Fund in D.

    LG Thiemo

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  • Hi.


    Zumindest scheinen alle drei ganz gerne mit Eichen anzubandeln, da lohnt sich's also besonders noch mal genau zu schauen (wobei X. sarnarii evtl. nur mit Korkeiche+Flaumeiche?). Würde mich interessieren wie denn das Habitat bei den Funden aus Oberbayern aussah. Gab's da einen Artikel dazu irgendwo oder war das per Buschfunk?


    Bei den Ziegenlippen sind wir ja mittlerweile auch bei 4 Arten angelangt. Es wird also nicht langweilig.


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Morgen!


    Da wolltest du doch eher -onemus statt -enteron schreiben, Matthias? :gzwinkern:

    Ist aber auch noch ganz schön früh...

    Danke für den Hinweis zu den bayerischen Funden! Das hatte ich schon gar nicht mehr im Kopf. :thumbup:



    LG; Pablo.

  • Sehr schön gemacht das Rätsel und eine tolle, aufschlussreiche Diskussion. Habs leider zu spät entdeckt. Lerne bei den Filzröhrlingen gerne was dazu.

    Hallo Sebastian,

    manchmal ist einfach weiterführender den Verlauf zu verfolgen und Schlüsse für sich zu ziehen.

    Ich mag solche Rätsel auch und habe festgestellt das ich durch verschiedene Gattungsspezialisten etliches für mich gewinnen konnte,

    viele Grüsse

    Matthias