Welche Art eines resupinaten, weichen Porling auf Nadeltodholz mit Schnallen in den Hyphen?

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 796 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Brauner Waldvogel.

  • Hallo zusammen,

    für alle die besten wünsche und einen guten Start ins neue interessante Pilzjahr 2022.

    Vor 3 Tagen habe ich einen resupinat wachsenden Porling auf Nadeltodholz gefunden. Den weichen, milch-weißlichen Fruchtkörper konnte man gut ablösen vom Substrat. Die Poren sind rundlich bis länglichen und fein, auf einen Millimeter 3 Stück und sehen aus wie kleine angereihte Krater die zum Rand auslaufen. Der Geruch angenehm pilzig. Angefangen habe ich in Wasser zu mikroskopiert leider sieht man nicht sehr deutlich, danach in Kongorot eingefärbt um die Hyphenstruktur besser zu erkennen. Einen Sporenabwurf habe ich 2 mal versucht, leider ohne Ergebnis. Wenn die Temperaturen etwas wärmer werden kann es noch zur Sporenreife kommen?

    Vielen Dank für eure Hilfe!


    Liebe Grüße Annerose







    Mikroskopisch:

    100x Öl Wasser

    leider undeutlich


    Kongorot 100x Öl Wasser

    besteht aus einer Hyphenstruktur dicker und dünnwandig, Septen mit Schnallen






    Das innere der Hyphen erinnert an einen aufgeschnitten kleinen Ast mit dickem Mark der innen hohl ist


    stellenweise inkrustiert, wie kleine Kristalle?


    welche Elemente sind dies und gehören sie zu dem Pilz oder zu der Anwachsstelle zum Substrat?





    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Annerose!


    Da auch die sickwandigen Hyphen septiert zu sein scheinen (also keine echten Skeletthyphen?) könnte das zu Oligoporus / Postia s.l. gehören.

    Um es genauer einzugrenzen (bzw. die These zu bestätigen oder zu verwerfen) wird man aber schon noch ein paar Sporen brauchen - und auch nach Zystiden suchen, die sind bei Oligoporus s.l. wichtig, um in die entsprechende Sektion / Gattung zu kommen.



    LG; Pablo.

  • Hallo Annerose,


    mit was für Kongorot hast Du mikroskopiert? In SDS? Oder in NH3? Oder in Wasser?.

    Ich könnte mir hier auch Cinereomyces lindbladii vorstellen, dann würden die Skeletthyphen aber in Kalilauge oder Ammoniak sich auflösen.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Pablo und Andreas,

    eingefärbt habe ich in Kongorot/SDS mit Wasser gespült und mikroskopiert. Die dickwandigen Hyphen waren septiert, das kontrolliere ich aber noch einmal nach. Vielen Dank das wird mir auf jeden Fall weiterhelfen! Ich muß jetzt erst Literatur wälzen. Vielleicht kann ich dem Pilz dann doch noch ein paar Sporen und Zystiden entlocken, mal sehen.


    Liebe Grüße Annerose

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Annerose!


    Wenn der Vorschlag von Andreas zutrifft, dann kannst du das leicht überprüfen: Ein Präparat in Wasser anfertigen, Stelle mit reichlich Skeletthyphen (bzw. den dickwandigen, unseptierten Hyphen) raussuchen, anschließend unterm Deckgläschen KOH einfließen lassen (klappt sogar mit 3-5% nur durch Einfließenlassen!!!). Wenn's Cinereomyces ist, kannst du direkt durch die Linsen beobachten, wie die dickwandigen Hyphen erst massiv aufquellen, und sich dann rasch auflösen. Sieht famos aus, und ich kenne keinen anderen PIlz, der das in der Form macht.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo und Andreas,

    Gestern hatte ich schon einmal probiert mit 20% KOH kurz danach, und 30 Minuten später zu mikroskopieren. Die dickwandigen unseptierten Hyphen haben sich aufgelöst. Mit dem einfließen lassen des KOH direkt unter dem Deckgläschen werde ich nachholen! Das wußte ich nicht und deine Nachricht hatte ich Schussel leider zu spät gelesen. Danke noch einmal für deinen guten sehenswerten und famosen Tipp! Das ist auch etwas für unseren Mikroskopier Stammtisch bei den Pilzfreunden Saar-Pfalz, da werde ich ein paar Exsikkate trocknen damit wir uns das gemeinsam anschauen können beim nächsten Treffen. Es fehlen jetzt noch die Sporen, da gehe ich heute noch einmal auf die Suche und nehme an verschiedenen Stellen des Pilzes Proben. Wenn ich den Pilz trockne und dann schneide bekomme ich dünnere Schnitte hin, das hat auf jeden Fall besser geklappt. In Wasser, Kongorot NH3 und Melzer hatte ich auch noch einmal aus probiert, durch das dünnere Präparat konnte man die dimitrische Hyphenstruktur jetzt besser erkennen.

    Laut Literatur soll diese Art den Winter oft überdauern und dann im Frühjahr steril sein.


    Liebe Grüße Annerose


    Kongorot NH3 60x Wasser


    Kongorot NH3 100x Öl Wasser



    100x Öl Melzer

    die Beurteilung der farblichen Veränderung in Melzer fällt mir oft schwer, die unseptierten, dickwandigen Hyphen

    haben sich wenn auch nur schwach für mich amyloid reagiert?



    100x Öl Melzer



    100x Öl Melzer


    zum Vergleich hier in Wasser

    100x Öl Wasser



    100x Öl KOH 20% direkt nach auflegen des Deckgläschen



    100x Öl KOH 20% direkt nach auflegen des Deckgläschen



    100x Öl KOH 20% direkt nach auflegen des Deckgläschen



    100x Öl KOH 20% nach 30 Minuten

    keine dickwandige, unseptierte Hyphen mehr vorhanden



    100x Öl KOH 20% nach 30 Minuten


  • Hallo,


    nein, die Skeletthyphen sind nicht amyloid. Durch die andere Lichtbrechung aufgrund der dicken Wände glänzen die etwas und erzeugen auch einen leicht bläulichen Schimmer. Das hat aber nichts mit amyloider Reaktion zu tun. Das interpretieren viele falsch, auch wenn es um Sporen mit lichtbrechendem/öligem Inhalt geht.


    Auf einigen der Bilder sieht man noch die Schlieren der sich aufgelösten Skeletthyphen. Ich denke dass der Pilz Cinereomyces lindbladii ist.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    es ist auf jeden Fall Cineroemyces lindbladii - Grauweißer Resupinatporling. Das Koh 3% habe ich einfließen lassen und die Reaktion war so wie Pablo beschrieben hat, das Aufquellen und die rasche Auflösung. Da ist meine Kinnlade erst einmal gefallen wie schnell dieser Vorgang ablief. Danach hatte ich einen 2. Versuch gestartet um diesen Prozess ein zu fangen in einer Bildfolge, aber irgend wie, das Life zu sehen ist 1000x besser. Nach der Auflösung suchte ich noch nach Sporen und hatte eine unter die Linse bekommen. Man kann die allantoide Spore erkennen mit 2 Tropfen, leider nicht die beste Aufnahme. Die Größe ist etwas kleiner wie in der Literatur angegeben. Ich versuch auf jeden Fall noch welche in Wasser zu bekommen für meine Unterlagen. Das nicht amyloid habe ich notiert.

    Danke noch einmal an euch beide für eure Hilfe damit die Art bestimmt werden konnte!


    Liebe Grüße Annerose