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letzter Beitrag von Mreul am

Keule/Koralle/Grashalm mit Befall?

  • Hallo, wieder auf der Weide, an/unter älterem Pferdemist habe ich dieses Objekt gefunden. Nur ein Einzelstück, deswegen bisher nicht angeschnitten oder ausgegraben. Wirkt zunächst, vor allem farblich, wie eine Xylaria, aber wenn ja welche? Das Ganze ist etwa 7 cm lang und an der dicksten Stelle so um die 4 mm dirck. Ziemlich ausgeprägt der Übergang von schwarzem Stiel, su grauem Hut. Ganz ausschließem möchte ich trotzdem nicht, dass es ein Halm von irgendetwas mit Pilzbefall ist - eher der Vollständigkeit halber, als dass ich das momentan glauben würde.

    Hat jemand eine Idee?

    LG, Bernd

  • Hallo,


    das sieht sehr spannend aus, ich bin gespannt was Nobi dazu meint!

    Ich halte es für eine Xylariales, und da kommt dann am ehesten die Gattung Wawelia in Frage, aber ich kenne keine dieser Arten und außerdem sollen die alle nur auf Hase oder Reh/Hirsch vorkommen und wohl auch viel fädiger sein.


    beste Grüße,

    Andreas.

  • Hallo,

    ich hätte hier spontan an irgendwas aus der Gattung Cordyceps gedacht, die (parasitisch) auf einem Gliederfüßer lebt. Dann wärs doch interessant da mal nachzugraben.


    Grüße,

    Eberhard

    Chiprechnerei:

    284 (Zeitrechnung < APR 2020), minus 30 (APR-Teil-(und Aus-)nehm-Gebühren) =254

    - 3 ("Top-10-wette" mit Hans) = 251.

    Nun +5 (Platz 10 geteilt) +5 (schnellstes 3-Joker-Ziehen) +5 (schnellstes Alle-Joker-Loswerden) +5 (Phählhellseherei, dank Habicht!) = 271 ...Minus2 fürs FFPR = 269

    ...sic transit gloria unki...

  • Hallo, danke erst mal für Eure Ideen. An Cordyceps hatte ich auch kurz gedacht, aber nur an die, die auf Trüffelzeug wachsen (vor Jahren hatte ich mal C. ophioglossoides und erst zu Hause bei der Bestimmung festgestellt, das da hätte gegraben werden müssen). Dass der an Mistkäfer/Kurzflügler oder irgendwas von den Zweiflüglern parasitieren könnte, ist ein plausible Idee.

    Den hier finde ich auf alle Fälle wieder. Aber vielleicht hat ja noch jemand eine konkretere Idee bevor es ans Buddeln geht.


    Gruß,

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    ein interessanter Fund, der mich jetzt eine Weile beschäftigt hat!

    das sieht sehr spannend aus, ich bin gespannt was Nobi dazu meint!

    Hmmm. Ich habe mal Wawelia und Podosordaria gecheckt und bin überzeugt, dass diese Gattungen nicht infrage kommen.

    Auch die coprophilen Species von Xylaria scheiden habituell aus.

    Also meiner Meinung nach ist das kein Dungpilz.

    ich hätte hier spontan an irgendwas aus der Gattung Cordyceps gedacht,

    Die hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, aber da passt wohl auch nix so richtig.


    Ich denke schon, dass es eine Xylaria ist, eine die sich unter dem Dung entwickelt hat und dann hindurch gewachsen ist.

    Makroskopisch gefällt mir Xylaria delitschii sehr gut, welche an Carpinusfrüchten fruktifiziert. Könnte doch sein, dass eine Hainbuche in der Nähe stand?

    Auch Xylaria oxyacanthae an Crataegusfrüchten wäre eine Option, allerdings keine bessere.


    Die genannten Arten und viele mehr findest Du in dem "Update on European Species of Xylaria" von J. Fournier, 2014.


    LG, Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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    Chips: 88 nach diversen Verlusten - 10 APR 2019 = 78 + 6 (150er Prämie APR 2019) = 84 -10 APR 2020 = 74

  • Hallo Nobi, danke. Also das ist mitten auf der Weide. Das war bis 1990 Kolchos-Acker. Dann einige Jahre Brache. Seit 15 Jahren extensiv beweidet. Gelegentlich gemäht, meist im Herbst. An Bäumen stehen da nur einige Kiefern als Schattenspender. Die Hainbuchengrenze verläuft hier zwar in der Gegend, aber bis zum nächsten früchtetragenden Baum dürften es 10...15 km sein. Der nächste Jungbaum steht am anderen Ende des Dorfes in der Strauchschicht, m.E. nicht fruktifizierend. Weißdorn steht vielleicht 200 m entfernt. Aber außerhalb der Reichweite vom Pferd. Das Federvieh kann die Früchte natürlich schon durch die Gegend tragen. Keine Ahnung ob z.B. Eichelhäher Weißdornfrüchte vergraben.

    Dann werde ich zum Abend wohl mal zu Spaten und Pinsel greifen.


    LG, Bernd

  • Hallo, Grabungsarbeiten abgeschlossen. Gefunden eigentlich nichts. Es sieht so aus, als würde der von (vor)vorjährigem Gras (vermutlich Sandreitgras) aus wachsen, der Mist gab nur die Nährstoffe, also würde ich so interpretieren. Der Boden ist Sand, sehr mager. Bei der Dicke hatte ich übertrieben, der ist maximal 2,5 mm dick. Die Länge über alles rund 7 cm haut aber hin.

    im Substrat nur etwa 1 cm bis zu alten Grasfasern, ich kann nicht erkennen, dass da irgendwas abgebrochen wäre


    Ganz wenig angeschnitten mit einer neuen Klinge

    Die Beobachter wurden vorher mit einem Eimer Roggen ruhiggestellt.

    LG, Bernd

  • Hallo,


    also sieht sehr nach einer Xylaria aus - keine die ich kenne. Müsste man mikroskopieren, reif scheint sie ja zu sein.

    Das würde sich lohnen jedenfalls zu trocknen, denke ich. Hab aber wenig Erfahrung mit den Xylarias ....


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas, den Beleg habe ich zum Trocknen ausgelegt, der ist jetzt schon geschrumpelt. Hättest Du (oder wer auch immer) einen Vorschlag, wer sich mit Xylarias beschäftigt und Interesse daran haben könnte? Vielleicht könnte es auch sinnvoll sein, den in ascofrance zu posten?

    Wenn meine Beobachtungen richtig sind und dem Schlüssel (C), den Nobi gepostet hat, folgend, kommt man nur zu 2 Arten namens X. filiformis.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    zwar beschäftige ich mich jetzt nicht speziell mit Xylaria, aber die Art würde ich mir schon mikroskopisch anschauen wollen, wenn Du sie sowieso versenden willst. Würde Dir dann noch meine Adresse schicken.

    Mit den Daten kann man ja dann weiter arbeiten bzw auch auf Ascofrance stellen oder später noch sequenzieren lassen wie auch immer.

    Sehr spannender Fund, habe ich auch noch nie gesehen sowas.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo zusammen,


    die Xylaria ist angekommen und ich hab sie untersucht. Etwas Glück war dabei, denn die war gerade so reif, die ersten Asci mit dunklen Sporen waren gerade entwickelt.


    Die Art hat es in sich, die Sporen messen (19)19,5-22,5 x 6,7-8(8,6) µm, natürlich nur reife gemessen. Dazu kommt noch eine an beiden Polen verdickte Gelhülle um die Sporen und eine gerade Keimspalte, die meist ganz durchgängig ist, mindestens aber 3/4 der Sporenlänge umfasst. Der langgezogene, sehr große Apikalapparat der Asci ist auch auffällig.

    So wie es sich an dem Exsikkat darstellt könnte die Keule den Grasresten an der Basis entspringen, diese sind von bräunlichen Hyphen umgeben und nicht ohne Weiteres von der Basis trennbar. Will aber nicht ganz ausschließen, dass die am Boden wuchs und das Gras einfach eingeschlossen hat. Jedefalls ist die Basis voll ausgegraben, es gibt keine Bruchstelle, auch bei starker Vergrößerung keine sichtbar.


    Habe die Merkmale makroskopisch und mikroskopisch hier kurz zusammengefasst:


    Hier die Gelhüllen in Tusche, die Tuschepartikel blieben hier arg dran kleben, das kenne ich sonst nur von z.B. Podospora mit klebrigen Anhängseln, normalerweise bleiben die Gelhüllen als weiße Bereiche ohne Partikel sichtbar. Kann aber auch am Präparieren des Exsikkats gelegen haben, keine Ahnung. Jedenfalls sieht man, dass die Hülle größer ist und nicht nur an den Polen die zwei Knubbel existieren:


    Und noch ein paar Asci mit Sporen etwas größer:


    Was die Bestimmung angeht, ich habe keine Ahnung. Könnte wirklich gut was komplett Neues sein, wenn seit dem Schlüssel von Fournier nicht schon sowas beschrieben wurde, was mir entgangen wäre. Mit diese Sporengröße allein sind jedenfalls sämtliche makroskopisch in Betracht gezogenen Arten wie X. delitschii, X. oxyacanthae und X. bulbosa raus, ganz zu schweigen von der Hülle und dem Rest.


    Sehr spannender Fund, war und ist mir eine Freude sowas untersuchen zu können. Wenn sowas nochmal auftaucht mache ich gerne wieder eine Mikro-Dokumentation dazu.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo Matthias, tolle Dokumentation. Ich bin heute wieder über die Weide gerobbt, alles mögliche an Kleinzeug gefunden, aber die nicht. Das Substrat kann man zu 99% Sicherheit als Calamagrostis epigejos ansprechen, an der konkreten Stelle wächst kein anderes größeres Gras o.ä.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    denke, dass diese buchstäbliche Stecknadel im Heuhaufen früher oder später wieder auftauchen wird, wünsche auf alle Fälle viel Erfolg beim Suchen. :)

    Sicher wird da auch noch das ein oder andere interessante Pilzchen dazu kommen.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo zusammen,


    habe unverzüglich eine Antwort von Jacques bekommen:

    Zitat

    Je suis d’accord avec toi, une telle combinaison de caractères remarquables devrait permettre une identification facile si l’espèce était déjà décrite. Ce n’est pas le cas, et je ne vois même pas d’espèce proche.

    D.h. es handelt sich tatsächlich um eine neue, unbeschriebene Art.

    Jacques schlug mir noch vor mich an Yu-Ming Ju (Taiwan) zu wenden, er könnte die kultivieren und sequenzieren. Da man allerdings für eine Kultur reife Sporen braucht und hier sehr wenige vollreif waren, würde ich erst mal warten, ob die Art vielleicht nochmal auftaucht, am besten etwas reifer.

    Ne Sequenz müsste sich ja auch ohne Versand nach Taiwan bekommen lassen.


    Und falls sowas nochmal auftauchen sollte wäre natürlich wieder auch die Ökologie besonders interessant, die findet Jacques nämlich auch absolut ungewöhnlich.

    Also in jeder Hinsicht ein richtiger Knallerfund!


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo Bernd,


    ja, die bulbosa habe ich in meiner Antwort auf die Anfrage noch mit erwähnt, die interessiert ihn natürlich sicher auch. Wenn er dazu noch was sagt, bekommst Du natürlich Bescheid.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Ich habe ja so die Vermutung, dass der Pilz normalerweise viel kleiner ist und hier vielleicht nur wegen des Wachstums im Fladen so groß geworden ist. Haltet Ihr diesen Gedanken für plausibel oder abwegig?

    Also jedenfalls such ich eher so nach Objekten der Größe 20 mm, da habe ich sogar einige Übung, weil die Zwerglibelle etwa in der Größe ist - und die habe ich hier reichlich kartiert. aber die hat sich wenigstens BEWEGT. Trotzdem bedarf es eines Zufallsfunds. Um auch nur einen halben qm gründlich zu durchsuchen brauch man eine halbe Stunde und wird gestört durch weiße und orange Becher, weiße Lamellenpilzchen, diverse winzigste Coprinusse, Grasstengel mir Schleimis, schmucke Spinnen ...


    LG, Bernd

  • Möglich natürlich, dass das wegen der guten Nährstoffversorgung ein besonders großes Exemplar ist. Aber am Ende wissen wir es einfach nicht, die hat ja offenbar noch nie jemand vorher gesehen. Macht aber sicher Sinn vorsichtshalber nach was kleinerem zu suchen, dann sollten größere Exemplare ja auch mit auffindbar sein.

    Dass es oft krass ist, was ich selbst nach langer Erfahrung in einer bekannten Wiese nicht finde seh ich im eigenen Garten, was ich da schon alles erst bei längerem Verweilen wegen eines anderen Funds zusätzlich gesehen habe. Und die Wiese ist ja auch noch gemäht, selbst da ist das oft schwierig genug. Meistens wird man dann fündig, wenn man am wenigsten damit rechnet.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hi,


    Jacques hat sich zur X. bulbosa noch geäußert:

    Zitat

    cette récolte de X. bulbosa est très intéressante aussi et mériterait d’être cultivée et séquencée. En culture on peut souvent obtenir le stade asexué des xylaires, qui peut donner des indications supplémentaires sur ses affinités. Il est peut-être présent sur les stromas gris observés en Juin.

    Werd mal schauen, wenn jemand die andere sequenzieren will, kann die bestimmt auch gleich mit gemacht werden.


    Viele Grüße,

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

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