Russula spec vom Riederinfelsen

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 1.069 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Sebastian_RLP.

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bräuchte nochmals eure Hilfe, denn mit einer Russula komme ich nicht weiter bzw. lande nach Bestimmungsschlüssel (Bresinsky in MXM) immer wieder in Sackgassen, weil ich zu Arten geführt werde, die nicht passen.


    Der Pilz stammt noch aus dem bayrischen Wald. Nun bin ich noch zum mikroskopieren von Huthaut und Sporen gekommen.

    Dort fand ich ihn am Riederinfelsen zwischen zahlreichen verschiedenen Baumarten (also auch nicht hilfreich): Fichte, Birke, Buche, Esche, Tanne ... da stand wirklich so ziemlich alles im Kreis um den Pilz:


    Standort:


    Riederinfelsen (mit schönem Ausblick auf Bodenmais, auch für Wanderungen sehr zu empfehlen).



    Der Pilz präsentierte sich folgendermaßen:

    • Hut ca. 4cm
    • glänzende (frisch geregnet) rote Huthaut, mit orangenen Untertönen (Hutmitte dezent dunkler, teilweise purpurne Einschläge; nach trocknen Huthaut eher purpur)
    • Huthaut etwa bis Mitte abziehbar, darunter Fleisch deutlich rötlich, rosalich
    • Hutrand deutlich gerieft


    • Lamellen am Frischpilz creme, brüchig
    • Stiel weiß, dezent rosalich überhaucht, insbesondere Richtung Stielspitze (siehe Kontrast zu Stielfleisch und Lamellen)
    • Fleisch sehr brüchig (Stiel war flott hinüber, brach schnell beim entnehmen und später im Rahmen des Transportes und der weiteren Behandlung zerbröckelte er weiter)


    SPP landete bei IIC (dazu muss ich sagen, dass ich diese nicht direkt mit der Sporenpulvertafel überprüfen konnte, sondern erst zu Hause nach etwa 7 Tagen Aufbewahrung)

    Chemische Reaktionen: Guajak ziemlich direkt und stark, FeSO4 so orange-lachsrosa (SV konnte ich nicht prüfen).



    Mikromerkmale:


    • Sporen 8-9µm x (7-)8µm, ziemlich isoliertwarzig, entferntstehend, vereinzelt gratige Verbindungen; Warzenhöhe ca. 1-1,2µm


    HDS in Kongorot/NH3 bei 400-fach (auffällig hier schon die keuligen Pileozystiden):



    • Keulige Pileozystiden mit 5µm Breite in SV (400fach)



    Tja, bin zwischendurch mal bei RUSSULA cf. VELENOVSKYI, aber da passte einiges nicht: Sporengröße, Hutfarben, Buckel in der Mitte usw.


    Bei denn Tenella passen auch viele nicht, lande deswegen auch da in Sackgassen, insbesondere bei denen mit cremefarbenen Sporenpulver. Auch ockerfarben bin ich gegangen: Vielleicht ist die Art auch gar nicht abgebildet. Auf Seite 39 lande ich im Schlüssel IVf: (Tenellae mit ockerfarbenem bis gelbem Sporenstaub) bei: "12b Pileozystiden nackt. Laubwald. Sp. mit starken Stacheln >"


    Das schwarze Dreieck bedeutet: "Hinweise auf weitere, hier im Schlüssel nicht genannte Arten werden durch das Symbol > vermittelt


    Tja, vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen.


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian,

    die Gesamtheit der von dir erhobenen Merkmale ergibt leider kein eindeutiges Bild.

    Gehst du nach der für eine Tenellae in der Tat recht blassen Sporenfarbe, müsstest du angesichts der vorliegenden Mikrodaten bei R. puellaris rauskommen. Form der Dermatozystiden sowie Sporenornament passen für R. puellaris recht gut. Bei dieser Option sollte dir allerdings stark gilbendes Fleisch aufgefallen sein.

    Ignorierst du die Sporenpulverfarbe, vielleicht weil du sie doch nicht ganz korrekt erhoben hast, geht es dann mehr in Richtung Russula nitida, deren Fleisch nicht gilbt. Nachteil: die hätte Sporenpulverfarbe 3b/c. Die Nachbarart R. roberti hätte zumindest Sporenpulver 2d, könnte also auch mal gecheckt werden, die soll aber teilnetziges Sporenornament haben und kommt eher an sumpfigen Standorten vor. Die von dir gezeigten Sporen würde ich nicht als teilnetzig ansehen, da sieht man nur ein paar vereinzelte Verbindungslinien zwischen den Warzen. Darüberhinaus soll R. roberti Guajak-schwach, die beiden anderen Arten dagegen Guajak-stark sein.

    Die von dir vorgeschlagene R. velenovskyi ist eher orangerot bzw. ziegelrot und hat auch 3a/b als Spp-Farbe.

    Den markanten, in deiner Dokumentation gut zu sehenden Hutbuckel haben alle vier.

    Rosa am Stiel ist von den fraglichen Arten am ehesten R. nitida.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    2 Mal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo Oehrling,


    Vielen Dank für deine Einschätzung. Ich habe deine Vorschläge nochmal studiert und komme zu den Ergebnissen bzw. Einschränkungen, die du im Grunde bereitsumfassend beschrieben hast. Es bleibt also schwierig.


    Puellaris und Nitida haben schon zahlreiche Überschneidungen, aber auch einzelne gravierende Abweichungen. Ähnlich ist es mit R. velenovsky.


    Das SPP kann sich selbstverständlich geändert haben. Was ist da deine bzw.

    eure Erfahrung? Das Sporenpulver würde ja wenn vermutlich nachdunkeln, oder kann es auch ausblassen mit der Zeit?


    Nicht so einfach wie gedacht :)


    Beste Grüße

    Sebastian