"Nectria" samt Anamorphe auf Diatrypella favacea

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 2.168 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Werner Edelmann.

  • Servus beinand',

    ich machte den Fehler letzten Samstag im Rahmen einer Kartierungsexkursion der MAMU des VfP München eine "Nectria" an Diatrypella favacea mitzunehmen, weil sich auf dem Stroma der Diatrypella auch diese schönen orangefarbenen Teile befanden.



    Nach gängiger Literatur, wie z.B. Ellis & Ellis kommt bei N. magnusiana raus, wo auch eine Anamorphe, als "Dendrodochium" ausgebildet erwähnt wird.

    Die Mikroskopie ergab aber dann Ascosporen, die mit 13-15 x (5,5) 6 - 8 (9) µm zu groß, vor allem zu weit sind.



    Außerdem sind für die Anamorphe, wie auch im Abgleich mit Booth, nur Mikrokonidien mit 4,5-6 x 1,5-2 µm erwähnt.

    Bei dieser Anamorphe stellte ich aber neben den mit 6-8 x 1,5-2 µm zu großen Mikrokonidien auch Makrokonidien fest.

    Die 2-3fach septierten Makrokonidien hatten ca. 45-65 x 3-4 µm.



    Hier noch die Bilder der Zellen, an denen die Konidien abgegeben werden.



    Bei meiner Recherche im Netz hab ich mitgekriegt, dass erst 2019 eine Dialonectria diatrypellicola neu beschrieben wurde, bei der die Ascosporenmaße ziemlich gut passen würden. Leider keinerlei Angaben über die Anamorphe, außer daß sie zum Fusariumtyp gehört und wohl nur aus Kultur bekannt ist.

    Die Art wurde in diesem Artikel beschrieben, der mir leider nicht zugänglich ist.

    Lechat, C; Fournier, J; Gardiennet, A. 2019. Three new species of Dialonectria (Nectriaceae) from France. Ascomycete.org. 11(1):5-11

    Was meinen die Nectrialeskenner?

    Kann es sich um Dialonectria diatrypellicola handeln?


    An liabn Gruaß,

    Werner

    • Offizieller Beitrag

    Hi Werner,


    ich kenne die Fusarien etwas; zumindest weiß ich genug, dass ich mir keine Artbestimmung zutraue. ==21 Auf jeden Fall ein feiner, interessanter Fund. Waren die Makrokonidien septiert? Wenn nein, dann ist das auch kein "echtes" Fusarium, aber das nur am Rande. Eine ehemalige Arbeitskollegin war noch eine der wenigen Menschen in Deutschland, welche Fusarien morphologisch bestimmen konnten. Ich hab für mich eine Liste erstellt, auf der ich die Pilzgruppen, mit denen ich mich nicht befassen möchte, verewigt habe. Die Hypocreales stehen da sehr weit oben. ==Gnolm7==Gnolm10


    Hast du mal mit Herrn Jaklitsch Kontakt aufgenommen? Ansonsten kann ich mal meinen Freund "Toffel" anschreiben. Vielleicht hat er die entsprechende Arbeit. Er hat sich in letzter Zeit intensiver mit Nectria s.l. beschäftigt.


    Danke auf jeden Fall für den Beitrag. Übrigens als Fehler würde ich das nicht bezeichnen, dass du das mitgenommen hast. So was bildet immer ungemein, wie ich finde. ==Gnolm10


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • GriasDi Stefan,

    danke für Deine Antwort.

    Die Makrokonidien sind 2-3fach septiert, ja. Hab ich Beitrag schon geschrieben gehabt.

    Das ist vollkommen neues Terrain für mich. Ohne die Nff hätt ich den Fund gar nicht mitgenommen.

    Ich hab den Artikel mittlerweile bekommen.

    Die Ascosporen von D. diatrypellicola sollen noch größer sein, als die von mir gemessenen. (14-18 x 8-10 mü.)

    Evtl sind die von mir gemessenen aber auch noch nicht ganz reif. Sporen mit 15 x9 mü waren aber schon dabei.

    Die Makrokonidien aus Kultur sollen nur 1fach septiert und etwas kleiner sein (35) 40 - 52 (56).

    Wie gesagt...ich bin von N. magnusiana mit dem zugehörigen Fusarium epistromum ausgegangen, die ich einfach nur mikroskopisch bestätigen wollte. Die kann's aber sicher ned sein.

    An Herrn Jaklitsch hab ich mich natürlich nicht gewandt. Ich kenn den ja ned. Der hätte viel zu tun, wenn da jeder mit seinen Nectrien ankommen würde.

    Asco France wär noch eine Möglichkeit, aber französisch...

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • GriasDi Eike,

    o.k., dann versuch ich noch ein paar reifere Sporen zu finden und auch ein paar mehr Macrokonidien genauer anzuschaun, und dann stell ich's die Woche mal ins AscoFrance-Forum. Herr Lechat schaut da ja manchmal rein.

    Danke und an liabn Gruaß

    Werner

  • Hallo Werner,

    Asco France wär noch eine Möglichkeit, aber französisch...

    Ich kann dir ascofrance nur empfehlen und wegen der Sprache, da kann ich mich Eike nur anschließen und sagen die sind dort flexibel.

    Das sieht man schon daran, dass man beim Beitrag schreiben auf Ascofrance, auch einen eingebauten Übersetzer benutzen kann.

    Mein Englisch ist nicht das beste, weshalb ich auch gerne deepl als Übersetzer benutze und bisher hat sich noch keiner beschwert, ganz im Gegenteil dort ist man froh, wenn interessante Pilze gezeigt werden.

    Lechat schaut da ja manchmal rein.

    Lechat, C; Fournier, J; Gardiennet, A. 2019. Three new species of Dialonectria (Nectriaceae) from France. Ascomycete.org. 11(1):5-11


    Jeder von deinen 3 genannten Personen ist auf Ascofrance vertreten und ich bin mir ziemlich sicher, dass mindestens einer von den genannten Personen dir Antworten wird ;)

    Ich bin schon gespannt, was die Experten zu deinen Fund sagen :)


    VG : Thorben

  • Hallo,

    Ansonsten kann ich mal meinen Freund "Toffel" anschreiben. Vielleicht hat er die entsprechende Arbeit. Er hat sich in letzter Zeit intensiver mit Nectria s.l. beschäftigt.

    ich habe die Arbeit leider nicht, ich kannte sie nicht mal. ;) Im Internet scheint sie nirgends abrufbar zu sein. Kannst du mir sie schicken, Werner?


    Beschreibungen der Art sind aber auch im Internet zu finden:

    All Fungi | Fungi and Lichens of Great Britain and Ireland

    Demnach sind deine Sporen in der Tat zu klein für D. diatrypellicola. Außerdem werden keine Mikrokonidien beschrieben.

    Ich glaube, bei den Sporen der Nectriaceae sollte man insbesondere die ältere Literatur nicht so ernst nehmen. Interessant ist auch, dass hier bei D. diatrypicola steht, dass die Funde auf Diatrype stigma meist D. episphaeria s. str. zuzuordnen sind. Dort gibt es aber zahlreiche Nachweise, bei denen die Ascosporen zu groß und warzig sind. Vielleicht ist die Variationsbreite bei N. magnusiana ja vielleicht auch größer als bisher angenommen. Daher würde ich deinen Funde auch erst mal unter N. magnusiana ablegen.

    Bei Ascofrance hast du es noch nicht versucht, oder?


    Viele Grüße

    Steffen

  • GriasDi Steffen,

    besten Dank für Deine Antwort.

    Bei AscoFrance hab ich's noch nicht versucht, weil ich erst noch versuchen will reifere Sporen zu finden. Immerhin war ja doch die ein oder andere dabei, die 9mü breit war, wie z.B. die oberste im mittleren Ascus auf dem ersten Mikrobild.

    N. magnusiana glaub ich auch deshalb nicht, weil nach Nectria 1959 Booth.pdf die zugehörige Anamorphe nur Mikrokonidien, und keine Macrokonidien bilden soll.

    Auch die Varianz der Macrokonidien mit deren Septierung möchte ich mir noch genauer anschaun bevor ich's im AscoFrance einstelle.

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • Hallo Werner,


    ich habe nun auch den Fehler gemacht, eine Nectria s. l. auf Diatrypella favacea mitzunehmen und zu mikroskopieren. Bei meinem Fund waren es gerade mal vier rundliche, rosafarbene Perithecien. Ascosporen waren noch nicht entwickelt, nur Makrokonidien. Sie entsprechen genau denen bei deinem Fund.


    Ich hatte mich inzwischen mit Nectria s. l. auf Pyrenomyceten befasst. Daher kann ich zu den Pustelpilze mit größeren Ascosporen, die auf Diatrypella bekannt bzw. zu erwarten sind, folgendes sagen:


    Cosmospora magnusiana: Passt makroskopisch. Wie du bereits angemerkt hast, sind die Ascosporen zu groß und Makrokonidien werden für die Art nicht beschrieben.


    Cosmospora flovoviridis: Die Ascosporen würden hier besser passen, aber die Perithecien sind kräftig rot gefärbt und haben eine deutliche Papille. Die Makrokonidien sind nur 15-50 µm groß und 3-5-mal septiert.


    Dialonectria diatrypellicola: Wird bisher nur von D. quercina angegeben, könnte aber auch auf D. favacea vorkommen. Die Ascosporen sind 14-18 x 9-10 µm groß und warzig. Der Habitus sollte eher an D. episphaeria erinnern. Die Perithecien sind somit rundlich und fallen seitlich zusammen. Außerdem sind sie ebenfalls intensiver rot gefärbt. Die Makrokonidien sind nur 40-52 µm lang und nur 1-fach septiert.


    Stylonectria wegeliniana: Soll eigentlich auf Hapalocystis beschränkt sein. Man findet aber auch Angaben auf Pseudovalsa, Ustulina und Diatrypella. Die Ascosporen sind mit 16-17 x 7-9 µm eigentlich schon zu groß und ebenfalls warzig. Makrokonidien werden auch hier nicht beschrieben.


    So richtig scheint also keine Art zu passen. Die drei zuletzt genannten Alternativen würde ich aber ausschließen. Bleibt also wieder nur C. magnusiana übrig. Die Breite der Ascosporen widerspricht der Litaratur aber schon ein wenig und dass keine Makrokonidien beschrieben sind, macht es nicht besser. Wenn noch etwas Ähnliches an D. favacea beschrieben wäre, wäre mir das sicher über den Weg gelaufen. Es könnte sein, dass es sich um eine andere, noch nicht beschriebene Art handelt. Das müsste man aber untersuchen. In den Kreis um Cosmospora magnusiana dürfte der Fund aber zu ordnen sein.


    Viele Grüße

    Steffen