Wandelbarer Hallimasch (Armillaria gallica)? kleine, und ein ganz großer

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema, welches 1.221 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Graubart.

  • Guten Abend,
    vor kurzem hatte ich im Vogelsberg einige Exemplare des Wandelbaren Hallimaschs (Armillaria gallica) gefunden (-> LINK). Ich fand das eine tolle neu Entdeckung. Die Exemplare sahen meiner Meinung nach aus wie im Bilderbuch.
    Da der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) wärmere Regionen bevorzugen soll, war die Frage: was wächst in meiner näheren Umgebung.
    Problem: die Hallimaschs sind zwar immer da, aber halt nur das Myzel in der Erde oder im Holz, aber die Fruchtkörper sind sehr bald hinüber, wenn sie mal erscheinen.


    Vor einer Woche habe ich in einem etwas verwilderten Garten mit alten Obstbäumen einige Fruchtkörper gefunden. Die schauen etwas anders aus als die in meinem vorhergehenden Beitrag, jedenfalls nicht so bilderbuchartig.


    Da waren einige kleine Exemplare, Hutdurchmesser um die 5 cm. Hier nur ein paar Beispiele:


    (1) Sieht so aus, wie für mich ein Hallimasch aussieht. Inzwischen weiß ich: Achtung,ein Merkmal: der wächst einzeln.


    (2) Hiier wachsen sie mal zu zweit.
    Mir war noch nie aufgefallen, dass der Hutrand gerieft ist bzw. die Lamellen durchscheinen.


    (3) Hier sind drei Exemplare, die ich ausgegraben hatte. Beim rechten und dem in der Mitte ist die Basis noch erhalten: die Basis ist verdickt, nicht schlank! Und mit etwas gutem Willen ahnt man an der Basis etwas gelbe Farbe. Der Ring wirkt flockig, nicht sehr stabil.



    Hoppla, im Gemenge zwischen Hundsrose und einer Hainbuche steht ein Riese, der aber auch nach Hallimasch aussieht:


    (4) 20 cm groß, viel größer als die vorigen. Allerdings ist er nicht mehr knackig frisch.


    Wer nur ästhetische Bilder sehen will: bitte weggucken :rolleyes: .



    (5) Die Lamellen sind schon ziemlich hinüber, aber der Stiel: oben ca 3 cm dick, an der Basis stark verdickt, gelblich.


    (6) Hier die Stielbasis in Großaufnahme.


    (7) Hier die drei kleinen und der große Hallimasch.


    Gemeinsam ist allen Exemplaren, dass sie eine verdickte Stielbasis haben und dass die Hutschuppen bis zum Rand reichen. Bei den kleineren Exemplaren besteht der Ring aus wattigen Fetzen, sofern er noch vorhanden ist.


    Der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) läuft unten spitz zu.


    Daraus schließe ich, dass es sich, unabhängig von der Größe, bei allen Exemplaren um die Art:
      Wandelbarer Hallimasch (Armillaria gallica)
    handelt.


    Beeindruckend fand ich den Hutdurchmesser von über 20 cm, der über das sonst angegebenen Maß hinausgeht. Aber Ausreißer gibt es immer wieder mal. Vielleicht ist hier die Ernährungssituation besser?


    Was meint Ihr?


    Viele Grüße
    Lothar


    Ich schließe daraus, dass hier in der Gegend der Hallimasch durch die Art Armillaria gallica vertreten ist. ;)


    Es gibt dazu passend eine schöne Geschichte:
    Ein Soziologe, ein Physiker und ein Mathematiker fahren mit dem Zug. Sie sehen auf einer Weide ein schwarzes Schaf.
    Der Soziologe: Hier gibt es schwarze Schafe.
    Der Physiker: Nein, man kann nur sagen, dass es mindestens 1 schwarzes Schaf gibt.
    Der Mathematiker: Nein, man kann nur sagen, dass es mindestens ein Schaf gibt, das auf mindestens einer Seite schwarz ist.


    Also präziser: In meiner Umgebung wird der Hallimasch mindestens ein mal durch ein Myzel der Art Armillaria gallica vertreten. Mehr kann ich nicht sagen. :cool:

  • Hallo Lothar,


    im Gegensatz zum ersten Fund ist hier das Velum weiß und die Stielcortex gelb.
    Das läge noch im Variationsbereich von ostoyae, der auch mal einzeln wachsen kann.


    Man muss wohl hinnehmen, dass man bei den Hallimaschen als Freizeitmykologe nur typische Kollektionen bestimmen kann. Dann, wenn der Fruchtkörper im Überlappungsbereich der Merkmale mehrerer Arten liegt, hilft nur eine Sequenz oder ein Kreuzungsexperiment weiter.


    Hier könnte das Foto des Ringes eines jungen Fruchtkörpers helfen - das "braune Zahnrad" würde ostoyae entlarven.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,
    heute habe ich trotz Nieselregen und spätem Nachmittag im selben Garten zwei Fruchtkörper gefunden. Beide Exemplare standen ca 30 cm voneinander entfernt, etwa 4 m vom Standort der Exemplare im ersten Beitrag. (Diese stammten vom 14. 10.2015).


    8. Beide haben einen Hutdurchmesser von ca 11 cm. (029)


    9. Einer hat wieder einen Ring, der oben wie gezupfte Watte aussieht.


    10. Der andere hat einen weißen, wattigen Ring mit gelblichen Bereichen.


    11. Der Stiel hat unterhalb des Rings Reste einer gelblichen Beflockung.


    Das "bräunliche Rad" am Ring, typisch für Armillaria ostoyae, kann ich nicht erkennen.


    Auf Grund der gelblichen Färbung auf den Bildern (10) und (11) halte ich den Pilz, wie im ersten Beitrag vermutet, für den
        Wandelbaren Hallimasch (Armillaria gallica).


    Die "Ver-"Wandelbarkeit dieser Hallimasch-Art sieht man an den Fotos.


    Es hat schon seinen Grund, dass die Art Honiggelber Hallimasch (Armillaria mellea) erst so spät in mehrere Arten aufgespalten wurde. Die Begründung hierfür in Form von Petrischalen-Versuchen mit Myzelien ist allerdings sehr überzeugend. Aber anscheinend muss man wirkliche mehrere Exemplare untersuchen, bis man die typischen Merkmale findet.


    Viele Grüße
    Lothar